Wie Twitter Kardinäle zu Eidbrechern machen kann

von Sabine Küpper

Wenn Benedikt XVI. morgen zurücktritt, enden auch seine päpstlichen Meldungen auf Twitter 1. Es war nur ein kurzes, wenngleich überraschendes Gastspiel, das der Pontifex auf dem Kurznachrichtendienst gab. Ganze 37 Tweets versendete das Kirchenoberhaupt. Begonnen hatte alles vor zehn Wochen, als er seinen ersten Tweet verfasste: „Liebe Freunde! Gerne verbinde ich mich mit euch über Twitter. Danke für die netten Antworten. Von Herzen segne ich euch“, war am 12.12.2012 mit genau 120 Zeichen auf dem Twitter-Account @pontifex zu lesen. Morgen endet das päpstliche Zwitschern mit dem Rücktritt Benedikt XVI.. Doch der Papst war nicht der einzige Kirchenmann, der twitterte. Bereits jetzt wird spekuliert, wer das Twitter-Leck bei der Pontifex-Wahl sein könnte.

Siebzehn der 117 wahlberechtigten Kardinäle im Konklave twittern

Es gibt wohl keine andere Wahl auf der Welt, die geheimer ist, als die im Vatikan. Wenn die Kardinäle zum Konklave zusammenkommen, schwören sie einen Eid, der sie zur absoluten Verschwiegenheit verpflichtet 2. Während der Zeremonie sind sie strengstens von der Außenwelt abgeschirmt. Internet, Fernsehen, Telefon, Radio, Zeitungen und Briefe sind untersagt. Der einzig erlaubte Kontakt mit der Außenwelt erfolgt über den Qualm, der aus dem Ofenrohr der sixtinischen Kapelle dringt und die Wahlgänge anzeigt.

Seit jeher wird die Einigung auf den neuen Pontifex mit weißem Rauch signalisiert. Dann läuten die Glocken des Petersdoms und der dienstälteste Kardinal verkündet den neuen Papst. Bis jetzt.

Wer wird den Geheimhaltungseid brechen und den nächsten Papst verraten – bevor der weiße Rauch aufsteigt?

Noch ist nicht ganz klar, wann das Konklave zusammenkommen und über den nächsten Vertreter Gottes auf Erden entscheiden wird. Sicher ist aber das: Eine Gruppe Geistlicher steht im Fokus der potenziellen Eidbrecher. Genau siebzehn der 117 Kardinäle besitzen einen Twitter-Account 3. Und wer weiß, vielleicht ist einer unter ihnen dabei, der der Außenwelt einen Namen zwitschern wird, lange bevor es erlaubt ist.

Drei dieser Kardinäle stehen ganz oben in der Wettliste der heißen Zungen und schnellen Finger. Der amerikanische Kardinal Timothy Dolan ist der kirchliche Vorreiter bei Twitter. Er tweetet bereits seit 2009 und verfügt über eine Reichweite von über 84.000 Followern. Damit ist er neben Benedikt XVI. der meistgelesene Kirchenvertreter überhaupt.

Platz zwei übernimmt Kardinal Odilo Scherer. Der Erzbischof aus São Paulo hat zwar nicht die zweitmeisten Follower unter den Kardinälen, scheint aber gerne auf kritische Kurznachrichten zu setzen. „Ich bin beeindruckt von den Interpretationen rund um den Rückzug des Papstes“, gestand er seinen 23.000 Followern kürzlich. „Ob es der Pontifex ist, der nicht die Wahrheit spricht?“

Besonderes Interesse rund um das Pontifikat scheint auch Kardinal Seán Patrick O’Malley, Erzbischof von Boston, zu hegen. Er postet regelmäßig über das aktuelle Geschehen und verlinkt zu seinem Blog, auf dem er sich ausführlich mit dem Rücktritt des Papstes auseinandersetzt.

Der wegen Missbrauch in Ungnade gefallene Kardinal Roger Mahony versprach seinen Followern nach Rom zu reisen und von dort „täglich [zu] twittern“. Diese Aussage schürt die Befürchtungen um einen Papst-Verräter in den eigenen Reihen und wirft die kalten Kohlen noch einmal mehr ins Feuer.

Lesen Sie hier mehr:

katholisch.de über den Rücktritt des Papstes und das Twitterverbot der Kardinäle

Die Süddeutsche über das Twittertabu bei der Papstwahl

Kardinal Seán O’Malley über die Resignation des Papstes

  1. Quelle: www.n24.de/news/newsitem_8621471.html  
  2. Quelle: www.welt.de/vermischtes/article113818292/Wer-ist-bei-der-Papst-Wahl-das-Twitter-Leck.html.de  
  3. Quelle: https://twitter.com/homofaber/twitternde-des-konklaves/members  

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