Innovation Fairphone

Der neueste Trend am Elektronikmarkt: Ein Smartphone, das ein gutes Gewissen macht. Fairtrade verbindet man meist mit Kaffee oder Schokolade. Doch ein Handy, das nachhaltig, sozial- und umweltverträglich hergestellt wird und dabei bezahlbar bleibt? Eine niederländische Firma sagt: Ja, das geht – und die Produktion ist bereits im vollen Gange.1

von Valerie L.

Im Jahre 2013 wurden weltweit rund 1,9 Milliarden Handys verkauft – gut die Hälfte davon waren Smartphones.[1] Über die Herstellung dieser Handy-Flut machen sich die wenigsten Gedanken. In einem Smartphone stecken bis zu 30 Metalle – Gold, Platin, Zinn, Kobalt und viele andere.[2] Viele dieser Rohstoffe werden in Afrika gefördert – oft unter schwierigen Bedingungen mit gravierenden Folgen für die Menschen und die Umwelt. Die Rohstoffe werden nach Asien gebracht, um dort die Handys herzustellen. Auch dort sind die Arbeitsbedingungen oft nicht besser und die Löhne unterirdisch. Von dem vielen Geld, das Käufer im Westen für Smartphones ausgeben, kommt nur ein Bruchteil bei den Arbeitern an.

Noch nicht „komplett“ fair

„Viele Probleme der Welt sind in jedem einzelnen Handy enthalten“, sagt Bas van Abel. Der Designchef der niederländischen Stiftung Waag Society hat für Fairphone ein Smartphone entwickelt, das mit fair gehandelten Rohstoffen und unter fairen Arbeitsbedingungen gebaut wurde, also sozial und umweltverträglich ist. Finanziert wird die Idee über Crowdfunding. Wie das Unternehmen selbstkritisch einräumt, ist es zumindest kein komplett faires Gerät geworden. Sie wollten den gesamten Herstellungsprozess transparent machen. Und scheiterten dabei, weil sie sagen: Diese Lieferketten sind teilweise so komplex, dass sie gar nicht nachvollziehbar, geschweige denn transparent zu machen sind.

Erste Fairphone-User

Deshalb betonen die Macher von Fairphone, dass sie kein 100 Prozent faires Smartphone herstellen können. Aber sie versuchten zumindest, diesem Ziel so nah wie möglich zu kommen. Für einige Rohstoffe haben sie mittlerweile, nach eigener Aussage, vertrauenswürdige Quellen gefunden. Auch die Produktion soll unter sozial verträglichen Bedingungen stattfinden. Es gibt Experten, die anerkennend sagen: Dieses Fairphone ist nicht das „non plus ultra“, aber es ist ein guter Weg und Zwischenschritt hin zu wirklich fairen Handys und Elektrogeräten. Das Fairphone ist seit Januar käuflich. 25.000 Fairphones werden derzeit an die Besteller verschickt. Diese Zahl dürfte allerdings nur eine homöopathische Wirkung auf den weltweiten Handymarkt haben: Apple verkauft diese Menge in 2 Stunden.

Faire Bestandteile

Das solide Mittelklassehandy wird über einen Quadcore-Prozessor angetrieben und geht per HSPA mit bis zu 7,2 Megabit pro Sekunde online. Als Betriebssystem wird Andoid verwendet. Der Arbeitsspeicher wird mit einem Gigabyte, der Festspeicher mit 16 Gigabyte angegeben und ist per microSD-Karte erweiterbar. Das 4,3 Zoll große TFT-Display hat eine Auflösung von 960 x 540 Punkten, die Hauptkamera bietet acht Megapixel. Mit 165 Gramm wird es nicht zu den Leichtgewichten zählen – und mit einem Zentimeter auch ziemlich dick sein.  Eine Besonderheit ist die bei aktuellen Smartphones selten anzutreffende Dual-Sim-Fähigkeit – und dass standardmäßig kein Netzteil mitgeliefert wird. Weil die Kunden das benötigte USB-Kabel meist ohnehin schon hätten, wird darauf ressourcenschonend verzichtet.[3] Detailliert geben die Macher auf ihrer Webseite an, warum 325 Euro für das Gerät gerechtfertigt sind. Für eine Firma wie Apple wäre diese Transparenz undenkbar.

  1. Videonachweis: http://www.youtube.com/watch?v=rmsdN5_GZZs, Zugriff 2.3.2014.  

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