Die Internetbremse

von Katrin Kolossa

Die vergangenen Wochen waren gefüllt von Debatten zum Thema Urheberrecht. Diskutiert wurde über das amerikanische Gesetz SOPA und das internationale Abkommen ACTA. Nun ist das Leistungsschutzgesetz dran.

http://www.youtube.com/watch?v=JzNLwyvI9sU

(via Youtube, http://www.youtube.com/watch?v=JzNLwyvI9sU[/youtube, Zugriff 07.03.2012)

Die goldenen Zeiten des „einfach googlen“ sind also vorbei – so zumindest will es die schwarz-gelbe Koalition.

Die CDU, CSU und FDP haben sich nach nun mehr als drei Jahren auf einen Beschluss geeinigt. Er soll Suchmaschinen verbieten, Presseerzeugnisse frei auf ihren Seiten zu verlinken.

„Gewerbliche Anbieter im Netz, wie Suchmaschinenbetreiber und News-Aggregatoren, sollen künftig für die Verbreitung von Presseerzeugnissen (wie Zeitungsartikel) ein Entgelt an die Verlage zahlen. Damit werden die Presseverlage an den Gewinnen gewerblicher Internet-Dienste beteiligt, die diese- mit der bisher unentgeltlichen Nutzung der Verlagserzeugnisse erzielen.“ (Auszug Leistungsschutzgesetz)

Kommerzielle Nachrichtenportale wie Google-News oder Yahoo sollen demnach also künftig eine Gebühr zahlen, wenn sie Artikel verlinken oder in ihr Programm einbetten. Dieser Entschluss bedeutet nicht nur für die Portale eine enorme Umstellung. Besonders die privaten Internetnutzer müssen nun mit starken Einschränkungen ihrer bisherigen Informationsquellen rechnen. Das sorgt für Aufregung. Nicht nur die Nachrichtenportale, auch Marketingexperten bemängeln die Entscheidung und stellen das neue Gesetz in Frage. Es sei völlig unzeitgemäß sondern vor allem eine Blockade des Fortschritts. Weitere Gegenstimmen wenden ein, dass der Beschluss ein Gesetz beheben soll, welches die Verlage sich selbst geschaffen haben. Sie wollen rückwirkend von Inhalten profitieren, die sie zuvor selbst kostenlos ins Netz gestellt haben – sei es aus Unwissen oder schlicht Naivität. Verleger glaubten jahrelang, das Internet sei eine Plattform, die sich mit dem klassischen Journalismus nicht verbindet oder gar überschneidet.

Doch sinkende Verkaufszahlen der Printpublikationen erforderten neue, bisher nicht gekannte Maßnahmen im social Media Bereich, der Implementierung von Icons sowie einer gepflegten Präsenz auf den gängigen Portalen. Das neue Internet erforderte einen repräsentativen Auftritt und kostete damit Geld. Geld, das die Verlage sich nun durch das Leistungsschutzgesetz zurückholen wollen, weil es anderorts fehlt.

Doch ist das der richtige Weg?

Unternehmen wie Google bewiesen Pioniergeist und erkannten früh, dass man von guten Inhalten im Netz sehr wohl profitieren kann. Die Verlage setzten ihren Schwerpunkt falsch – und blieben zurück. Wo crossmediale Strategien gefordert wären, um die Leserbindung sowohl off- wie auch online zu stärken, arbeiten die Verlagshäuser lieber mit Nachdruck daran, die Konkurrenten zu zwingen, ihren Profit mit ihnen zu teilen.

Ein gewöhnungsbedürftiges Verständnis von Kapitalismus.

Die Suchmaschinen wie beispielsweise Google oder Yahoo bringen den Verlagen mehr Leser. Das ist Fakt. Sie arbeiten nicht als Diebe, sondern fungieren als Vermittler, bringen  dem jeweiligen Medium mehr Aufmerksamkeit wie Click-Rates. Deren Vermarktung funktioniert gut – das wissen auch die Verlagshäuser. Deshalb optimieren sie ihre Keywords um in den Suchmaschinen schnell gefunden zu werden und im Ranking ganz oben zu stehen. Doch das allein reicht ihnen jetzt nicht mehr. Da Ruhm allein keinen Income bringt, setzen die Verlage nun auf auf das von der Koalition beschlossene Gesetz.

Allerdings hat dieses auch ihre Tücken. Das Leistungsschutzgesetz verstößt gegen das Grundgesetz und die darin gesicherte Informationsfreiheit, warnen Medienwissenschaftler.

Verlage haben ein gutes Recht, eine Gegenleistung für ihre Leistung zu verlangen. Dieser Weg ist jedoch nicht der richtige. In dem Zeitalter von Fortschritt und Innovation ist die Realisation des Leistungsschutzgesetzes nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Das Grundproblem liegt anderorts – und wird dadurch nicht gemindert oder gar gelöst. Verlage müssen sich dem neuen Medium Internet mit all seinen Kanälen und Fortschritten anpassen. Die Strategie des Paid Content wurde bereits in Teilen umgesetzt. Das Interesse des Nutzers wird so in eine Kaufentscheidung umgewandelt und das Produkt gewinnt an Rentabilität. Viele Möglichkeiten, wie etwa Bezahlschranken gibt es bereits in der Praxis. Sie funktionieren.

Diese und weitere Innovationen sollten im Fokus der Verlage liegen.  Nicht, seine Leseranwerber zu bekämpfen.

 

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