Standhaftigkeit Printjournalismus – Wer bleibt wenn bessere kommen?

Online-Journalismus, auch als Web – Journalismus bezeichnet verbindet klassische journalistische Darstellungsformen mit online-typischen Möglichkeiten der Interaktion und Kommunikation. Besonders journalistische Medienformate sind einem ständigen Wandel unterworfen, denn neue Medien übernehmen, verändern und erweitern die Funktionen alter Medien.

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Online Journalismus und das Rieplsche Gesetz

Der Online-Journalismus erfreut sich hoher Beliebtheit bei den Rezipienten und verzeichnet nun schon seit mehreren Jahren markante Anstiege. Das Internet gehört heute ganz selbstverständlich zum Alltag der modernen Gesellschaft, wenn es darum geht Nachrichten zu rezipieren, besonders bei Jugendlichen. 90 Prozent von 1.200 Jugendlichen zwischen 12 und 19 Jahren gehen mindestens mehrmals pro Woche ins Internet, 65 Prozent davon sogar täglich*1. Für viele Menschen stellt das Internet heute längst das Zentrum ihrer Mediennutzung dar; gleichzeitig kehren sie traditionellen Angebotsformen wie der Zeitung den Rücken. Die Vorteile liegen dabei auf der Hand: Nachrichten im Internet sind meist kostenlos, bequem und schnell zu finden. Es besteht außerdem die Möglichkeit, sich zu interessanten Themen gleich weiter zu informieren z.B. auf weiterführenden Links oder Kommentare zu hinterlassen. Auch durch die Bequemlichkeit auf mobilen Endgeräten unterwegs Nachrichten abrufen zu können, lässt das Interesse am Web – Journalismus immer weiter wachsen. Selbst die Verbreitung der „älteren Medien“, wie der Tageszeitung oder anderen Zeitschriften ist trotz der Omnipräsenz des Internets noch nicht besonders rückläufig. Aber wie sieht es zukünftig mit Nachrichten aus den Printmedien und dessen Lesern aus? Wird sich der herkömmliche Print-Journalismus verdrängen lassen und zu einem allumfassenden multimedialen Web – Journalismus Begriff verschmelzen?

Das Internet als überlegene Technik

Ich möchte herausfinden ob der journalistische Arbeits-Begriff dadurch vielleicht doch nur erweitert oder eventuell sogar verbessert wird? Oder stellt das Internet etwa wirklich eine überlegene Technik dar und kann möglicherweise andere Trägermedien ablösen?
Als Rieplsches Gesetz wird in der Medienwissenschaft das 1913 von Wolfgang Riepl, Chefredakteur der größten Nürnberger Tageszeitung, formulierte Gesetz bezeichnet, das besagt, dass kein neues, höher entwickeltes Medium ein altes vollständig verdrängen kann. In seiner Dissertation „über Das Nachrichtenwesen des Altertums mit besonderer Rücksicht auf die Römer“ stellte Riepl fest, dass eingebürgerte Medien „niemals wieder gänzlich und dauernd verdrängt und außer Gebrauch gesetzt werden […], sondern sich neben diesen erhalten, nur dass sie genötigt werden, andere Aufgaben und Verwertungsgebiete aufzusuchen.“ *2 Obwohl Riepl also nur von einem „Grundsatz der Entwicklung des Nachrichtenwesens“ sprach, wurde seine Aussage umgedeutet zu einem „Gesetz der Komplementarität der Medien“ – und in der Folge im Hinblick auf den vermeintlichen Gesetzescharakter der Rieplschen Annahme häufig kritisiert und widerlegt. Jedoch hält seine These bislang: Mit der Einführung des Hörfunk spezialisierte sich die Tageszeitung stärker auf lokale Ereignisse; mit der Einführung des Fernsehens wiederum spezialisierte sich das Radio auf besondere Aktualität und das Kino auf das Gemeinschaftserlebnis. Sie starben aber alle nicht aus. Neue, höher entwickelte Medien haben die alten bisher also nie verdrängt, es entstanden höchstens Analogien. Ob die Tatsache, dass Riepl bisher Recht behalten hat auch bedeutet, dass den Zeitungen im Zeitalter der Digitalisierung eine echte Zukunft garantiert wird, ist noch offen. Einige Kritiker halten Riepls Gesetz bereits sogar für widerlegt: Weil zum Beispiel die Trägermedien CD und DVD ihre Vorgängertechnologien Schallplatte und VHS-Kassette verdrängt haben. Dazu kommt, dass neue Medien die Funktionen der alten Medien verändern: Das Fernsehen beispielsweise hat aus dem alten Informations-Medium Radio ein Nebenbei-Medium gemacht. Seit den 90er Jahren wird das „Rieplsche Gesetz“ im Zusammenhang mit der digitalen Revolution und den damit verbundenen Phänomenen wie Zeitungssterben, kostenlosen Online-Angeboten und Blogs stark diskutiert – besonders im Bereich des Online-Journalismus entstanden viele Debatten zum Thema Verdrängung des Print-Journalismus. Aber wird der Print-Journalismus wirklich verdrängt oder erfährt er nur eine großflächige Erweiterung? Nach Ripel dürfte der Print-Journalismus nie vollständig verdrängt werden, aber was wenn die Vorteile des modernen Online-Journalismus durch seine erhöhte Funktionalität und Bequemlichkeit einfach zu markant werden?

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Foto : Markus Beckedahl [Aufgenommen am 20.06.2014.]

Gespräch mit einem Experten

In einem Gespräch mit einem Experten zum Thema, Markus Beckedahl, netzpolitischer Aktivist, Journalist und Blogger aus Berlin, sowie Autor der Bücher „Google Gesellschaft-digitaler Wandel des Wissen“ und „die digitale Gesellschaft“, konnte ich mehr zum Thema Online-Journalismus erfahren. Markus Beckedahl wurde vor allem durch den von ihm 2002 gegründeten Blog netzpolitik.org bekannt. Er begann seine „online“ Laufbahn unbewusst, indem er mit ersten tagebuchartigen Blogeinträgen begann. Beckedahl entschied sich jedoch sehr bewusst für den Online-Bereich, allein schon da ihm die Arbeit in Print-Redaktionen zu „unfrei“ und zu abhängig erschien. Er sah schon damals gravierende Vorteile darin, journalistisch im Internet zu arbeiten und wollte auch sein Unternehmen so transparent wie möglich darstellen. Vorteile für seinen Online-Blog ergaben sich auch durch die verschiedenen Medienformen, die er im Internet bedienen konnte. Radio-, TV- und Nachrichtenbeiträge konnten mit relativ geringem Aufwand zusammengebracht und produziert werden. Für Markus Beckedahl erschien im Online-Bereich alles probierbar. Man benötigte weniger Lizenzen und weniger Geld zur Erstellung von Beiträgen und man arbeitet vollkommen unabhängig – leider oftmals im Gegenteil zum Print Journalismus. Diese Gründe leuchten mir schnell ein- besonders wenn man Wert auf Transparenz und Unabhängigkeit legt – was jeder gute Journalist unbedingt tun sollte.

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Foto : Eingang Netzpolitik [Aufgenommen am 20.06.2014]

Die Zukunft

Meiner Meinung nach greift das Ripelsche Gesetz zwar in dieser Thematik insofern zu, dass das Medium „Print“ sicher nicht aussterben wird, jedoch sind die journalistischen Vorteile des Online-Mediums nicht zu leugnen. Ist die Zeitung eine einfache Methode der Nachrichtenübermittlung? Mit all der Recherche der Journalisten, dem Programmieren eines Redaktionssystems, der Klärung von Bildrechten, dem Belichten von Druckplatten, dem Druck und der Auslieferung? Nein, das Publizieren im Netz hat sich schon lange als um einiges leichter und kostengünstiger herausgestellt. Dazu kommt die besondere Qualität des Web-Journalismus im Internet – mehr Exklusivität, vielfältige Gestaltungsmittel und eine leichte Zugänglichkeit der Quellen für jeden Leser.Jedoch bin auch ich nicht der Meinung, dass das Print-Medium aussterben wird oder der Journalismus bedroht ist, im Gegenteil. Eine Verdrängung findet nicht statt. Online-Journalismus ist nicht der Untergang, sondern nur eine Ergänzung des klassischen Mediums. Die zukünftige Entwicklung wird auch sehr individuell ausfallen, je nach Generation und Interessen. Während ältere Zielgruppen die Tradition anstatt der Innovation bevorzugen, denke ich, dass dennoch jeder irgendwann mal von der Kraft des Internets mitgerissen wird. Meiner Meinung nach birgt die Zukunft die Chance der Medienkonvergenz von Print und Internet, denn der Online-Journalismus ist ja keine neue Mediengattung, sondern lediglich eine bessere Technologie. Medienkonvergenz beschreibt die Annäherung verschiedener Einzelmedien aufeineinander zu. Am Produkt und dem Kreativmedium hat dieses Trägermedium nämlich nichts geändert. Deshalb ist auch dieses Beispiel eine Bestätigung des Rieplschen Gesetzes. Es kommt immer Neues hinzu, aber das Alte bleibt. Bis heute ist dieses Gesetz unwiderlegt. Das Buch hat die erzählte Geschichte nicht ersetzt. Die Zeitung hat das Buch nicht ersetzt, das Radio nicht die Zeitung, das Fernsehen auch nicht das Radio. Also wird das Internet auch nicht die Zeitung ersetzen.

 

 

 

 

*1

*2

www.mediadefine.com
www.prreport.de
www.netz-reputation.de
www.engagiert-in-deutschland.de/toro/resource/html#!newsblog.1646
www.blog.handelsblatt.com/indiskretion/2009/09/10/die-rieplsche-fata-morgana/


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