Die Versuchung des Clickbaits

Buzzfeed.com ist mit 150 Millionen Besuchern im Monat eines der meistbesuchten englischsprachigen Webseiten. Die Meisten sehen die provokativen Titel der Seite als Grund für die vielen Besuche an. Sogenannte Clickbait-Titel sollen die Klickzahlen künstlich steigern. Doch im Veröffentlichten Blog „Why BuzzFeed Doesn’t Do Claickbait“1 im letzten Jahr stand der Chefeditor Ben Smith Rede und Antwort und schilderte, dass Buzzfeed Clickbait nicht praktiziere. Das Geschrei war natürlich groß, insbesondere bei den Internet-Journalisten. Ist BuzzFeed nicht deswegen bekannt? Oder wissen wir einfach nicht was Clickbaits sind?

von Tu Nguyen

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2In den unendlichen Weiten des Internets begegnen wir allerhand merkwürdiger Menschen. Darunter sind Journalisten, Blogger und Marketing-Strategen, aber auch mehr oder weniger normale Surfer, die sich direkt oder indirekt mit dem Clickbait konfrontiert sehen. Der Ein oder Andere sah auf Facebook bestimmt schon reißerische Überschriften, wie ,,10 Backrezepte, die dein Wochenende versüßen werden – Nummer 4 wird dein Leben verändern!“ oder ,,Sieh, wie diese 5 obdachlosen Jungs die Mengen begeistern – der Zweite brachte mich zum Weinen!“.

Klick, like, share – das ist der Rhythmus des gezielten systematischen Monetarisierens im Internet und Clickbait ist die Droge, die das Tempo erhöht. Der Erfolg dieser Seiten lässt dabei niemanden kalt. Die Amerikaner bei BuzzFeed, Upworthy und Co. haben es vorgemacht, nun ziehen die Deutschen nach. Laut dem Blog 1000flies.de 3 erreichte die deutschsprachige Webseite heftig.co in einem Monat 1,8 Millionen Reaktionen auf verschiedenen sozialen Seiten. Der Aufwand dafür? Minimal: Ein paar Bilder hier, ein paar Wörter da. Für viele leutet der Clickbait den Untergang des guten Journalismus ein.

Qualität gibt es in einer anderen Welt

Von wirtschaftlicher Seite her scheint das Konzept aufzugehen. Diverse Internetseiten sparen sich die Kosten von hochwertig angefertigten Artikeln 4, denn sie benötigen keine gut bezahlten Journalisten, die die oftmals oberflächlich recherchierten Artikel ’schreiben‘. Doch ist es das, was die Leser wollen – leicht verdauliche Kost? Clickbait-Artikel wecken häufig falsche Erwartungen beim Leser und der fühlt sich danach mitunter belogen. Der Click ist alles, was für die Webseite zählt, aber beim Nutzer bleibt etwas anderes hängen; das negative Gefühl, belogen worden zu sein. Und wer zu oft belogen wurde, der traut der Quelle nicht mehr.

Natürlich können die Listen, Ratgeber und Bilderreihen nicht mit der Qualität von Onlineportalen, wie z.B. die der Washington Post mithalten. Der Unterschied zwischen der sorgfältig recherchierten Information eines 25-köpfigen Teams und der eines Kurators, der sich seine Information oftmals aus der Menge der zugeschickten E-Mails herausfischt, könnte nicht stärker sein, als die von Tag und Nacht.

  1. Vgl.: http://www.buzzfeed.com/bensmith/why-buzzfeed-doesnt-do-clickbait#.helgA0LawG, Zugriff 24.2.2015.  
  2. Videonachweis: https://www.youtube.com/watch?v=ZwL4heIrgVA, Zugriff 24.2.2015.  
  3. 1000flies.de  
  4. Qualität kostet  

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