Bessere Bezahlung für freie Journalisten!

  1. Viele junge Journalisten finden ihren Einstieg ins Berufsfeld über die freie Mitarbeit. Deshalb widmet Michael Haller die aktuelle Ausgabe der von ihm herausgegebenen Fachzeitschrift Message dem Thema, wie Redaktionen und Freie miteinander umgehen (sollten) (vgl. Message 2/2011, S.12ff.). Insgesamt wollen die Artikel zeigen, dass und warum Kooperation zwischen Kern- und Randbelegschaft zu besserem Journalismus führt. Haller unterscheidet dabei vier Gruppen von freien Journalisten: 1.) Freie ohne festen Auftraggeber, zu denen viele Kollegen zählen, die Haupteinnahmen aus PR und Werbung erzielen; 2.) Bauchladen-Journalisten mit mehreren festen Abnehmern (insbesondere Korrespondenten wie z.B. einen deutschen Fußball-Experten in Barcelona); 3.) Feste Freie, die vornehmlich und regelmäßig für einen Auftraggeber arbeiten (Pauschalisten); 4.) Netzwerk-Journalisten, die mit anderen kooperieren (vor allem jüngere Fachjournalisten, die sich auf Themen und Abnehmerkreise spezialisieren). Als hauptberufliche Journalisten (mehr als 50 Prozent der Arbeitszeit für journalistische Tätigkeit) gelten Haller 2011 „deutlich unter 20.000“. Fakten zur Lage der Freien in Deutschland verspricht eine Untersuchung von Michael Meyen (Uni München), die 2009 veröffentlicht wurde (vgl. Message 2/2011, S.15) und sich auf Online-Befragungen von gut 1500 organisierten deutschen Fachjournalisten bezieht: Zwei Drittel sagen, sie arbeiteten freiwillig als Freie. Grundfähigkeiten seien journalistisches Handwerk und Unternehmertalent (Hartnäckigkeit gegenüber Redakteuren, kommunikative Kompetenz und insbesondere hohe Zuverlässigkeit). Der Bruttoverdienst beträgt laut Studie für drei Viertel weniger als 4000 Euro pro Monat. Knapp 40 Prozent geben an, auch mit PR und Werbung Einnahmen zu erzielen, von den Online-Kollegen sogar 63 Prozent. Die Forscher folgern: „Wenn die Vermischung von Journalismus mit anderen Tätigkeiten ein Problem sein sollte, muss man Freiberufler besser bezahlen.“ Dazu noch ein Servicetipp: Ersten Aufschluss über Honorare gibt die verdi-Website www.mediafon.net unter der Rubrik „Honorare/Verträge“.
  2. Jury-Bashing war weitgehend angesagt nach der erstmaligen Aberkennung des bekanntesten deutschen Journalistenpreises. Auch Prominente wie Wolf Schneider und Horst Seehofer kritisierten die Mehrheit der Juroren deutlich. Allerdings steckte in den Worten von Seehofer (vgl. dapd-Meldung vom 13.5.2011) ein Körnchen (neuer) Wahrheit. Die Informationen im umstrittenen Spiegel-Porträt über ihn seien richtig. Doch die Figur, die in Seehofers Modellbahn-Welt Angela Merkel darstellen soll, sei aus Holz und nicht aus Plastik, wie Kurzzeit-Egon-Erwin-Kisch-Preisträger René Pfister geschrieben hatte. Holz oder Plastik? Ist das nicht völlig egal? Kann man so sehen. Aber da szenische Einstiege in ihrer Suggestivkraft genau auf die Glaubwürdigkeit solcher Details setzen: Vielleicht wäre es doch gut gewesen, der Reporter hätte mit eigenen Augen geschaut. Oder eben, das bleibt mein Punkt, deutlich gemacht, dass er KEIN Augenzeuge war.
  3. Da es gerade umBruttoverdienst freier Journalisten ging: Heißt es „das Verdienst“ oder „der Verdienst“? Beides ist möglich, je nach Kontext. Für diesen Blog bekomme ich keinen Extra-Verdienst, auch wenn ich mir damit Verdienste erworben haben mag.
  4. Am Mittwochmorgen verkündete die Tafel 120 im ARD-Teletext, dass die Lokführergewerkschaft GDL den „Hartz-Elbe-Express“ bestreike. Wenn man damit „Billigbahn“ meint, sollte man dennoch mal in die Region fahren, wie schon Heinrich Heine auf seiner „Harzreise“- damals (1824) hieß das deutsche Mittelgebirge allerdings noch „Harz“.

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