{"id":983,"date":"2017-10-19T22:53:02","date_gmt":"2017-10-19T20:53:02","guid":{"rendered":"http:\/\/blogs.hmkw.de\/HierMagKritisiertWerden\/?p=983"},"modified":"2017-10-19T23:03:37","modified_gmt":"2017-10-19T21:03:37","slug":"mehr-beitragen-weniger-senden","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/blogs.hmkw.de\/HierMagKritisiertWerden\/?p=983","title":{"rendered":"Mehr beitragen, weniger senden!"},"content":{"rendered":"<p>Brauchen wir &#8222;Das Erste&#8220; der ARD? Dieser Tage hat ja der CDU-Kultusminister von Sachsen-Anhalt, Rainer Robra (bis 1990 Niedersachsen), die Existenzberechtigung von &#8222;Das Erste&#8220; (Programm der ARD) \u00fcberraschend deutlich infrage gestellt. War das ein schon spezielles Blinken (oder Blinkern) in Richtung AfD? Oder l\u00e4sst sich ein rationaler Gehalt in des Konservativen popul\u00e4rer Medienschelte rekonstruieren? Der Branchendienst &#8222;meedia&#8220; weist hier &#8211; wohl unfreiwillig &#8211; auf einen Kern des schwarzen Pudels hin (http:\/\/meedia.de\/2017\/10\/17\/tagesschau-ueberfluessig-kanzlerduell-und-hollywood-filme-ins-zdf-cdu-minister-aus-sachsen-anhalt-fordert-radikalen-ard-umbau\/Aufruf am 19.10.2017, 22.07 Uhr): <\/p>\n<p>&#8222;Allein dies w\u00e4re eine interessante Frage: wie w\u00fcrden die Politiker in Berlin reagieren, wenn man ihnen mit der \u201eTagesschau\u201c die mit Abstand gr\u00f6\u00dfte und reichweitenst\u00e4rkste B\u00fchne nehmen w\u00fcrde, ihre Politik zu erkl\u00e4ren.&#8220; <\/p>\n<p>Wenn es so sein sollte, wie &#8222;meedia&#8220; hier die Lage vermutlich sachlich zu beschreiben meint, dann w\u00e4re die &#8222;tagesschau&#8220; genau jenes Sprachrohr vor allem der herrschenden Politiker, das Leute vom Schlage Gaulands (und Robras?) in ihr zu sehen vorgeben. Nein, es sollte eben nicht Aufgabe von &#8222;tagesschau&#8220; &#038; Co. sein, dass die M\u00e4chtigen &#8222;ihre Politik erkl\u00e4ren&#8220; d\u00fcrfen. Sondern, dass wir Journalisten m\u00f6glichst unabh\u00e4ngig informieren und Beitr\u00e4ge zur Meinungsbildung bieten, dass wir kritisieren und kontrollieren sowie wichtige Tendenzen unserer Gesellschaft artikulieren. Steht unter anderem in den 16 deutschen Landespressegesetzen. Also exemplarisch objektivieren durch Perspektivenwechsel, durch Transparenz, durch Au\u00dfenreferenz, durch Vielfalt der Verantwortlichen und der Mitarbeiter, durch Vielfalt der Themen, Meinungen und Darstellungsformen. <\/p>\n<p>And now for something completely different, wie es ja bei Monty Python so sch\u00f6n hei\u00dft: <\/p>\n<p>Hier mein aktueller Mailwechsel mit der Redaktion der bundesweit reichweitenst\u00e4rksten politischen Talksendung, &#8222;Anne Will&#8220;, zu sehen sonntags nach dem Krimi in jenem &#8222;Das Erste&#8220;, dass CDU-Robra erkl\u00e4rterma\u00dfen abschaffen will: <\/p>\n<p>25.9. :<br \/>\nSehr geehrte Redaktion von &#8222;Anne Will&#8220;, habe gerade gelesen beim Handelsblatt, dass Ihr Vertrag mit der ARD bis 2020 verl\u00e4ngert wurde! Gratulation!<\/p>\n<p>Umso wichtiger mein Anliegen: Ich kann nicht verstehen, warum bei der gestrigen Sendung Ihres Formates wieder einmal ALLE nunmehr im Bundestag vertretenen Parteien pr\u00e4sent waren &#8211; mit einer Ausnahme: Es fehlte erneut jemand von &#8222;Die Linke&#8220;. Obwohl ja sechs Pl\u00e4tze in der Runde vorhanden waren. Keine Ahnung, weshalb schon wieder Hans-Ulrich J\u00f6rges Gast der Sendung war. &#8222;Die Linke&#8220; ist nunmehr zum dritten Male in Folge bei einer Bundestagswahl (2009, 2013, 2017) st\u00e4rker als die Gr\u00fcnen &#8211; leider findet das auch und gerade in den uns allen verpflichtet sein sollenden \u00f6ffentlich-rechtlichen Medien kaum angemessenen Ausdruck. Erbitte als Journalistik-Wissenschaftler und journalistischer Kollege freundlichst Ihre Antwort &#8211; bleiben wir gemeinsam dran und beste Gr\u00fc\u00dfe: Sebastian K\u00f6hler.<\/p>\n<p>Am 26.09.2017 um 11:58 schrieb die dortige Zuschauerredaktion:<\/p>\n<p>Sehr geehrter Herr K\u00f6hler,<br \/>\nVielen dank f\u00fcr Ihre Mail. Zu Ihrer Frage bez\u00fcglich der G\u00e4steauswahl:<br \/>\nDie Sendung \u201eAnne Will\u201c am Wahlabend war eingebunden in eine umfassende ARD-Wahlberichterstattung. Im Anschluss an die \u201eBerliner Runde\u201c mit allen sieben im Bundestag vertretenden Parteien, war der Anspruch der Sendung, den Zuschauern eine Analyse der Wahlergebnisse zu liefern und einen Ausblick auf das, was diese Ergebnisse f\u00fcr die Zukunft bedeuten k\u00f6nnten. Daf\u00fcr hat die Redaktion die Parteien mit den h\u00f6chsten Gewinnen und Verlusten eingeladen und die Parteien, die die theoretische Chance haben, eine k\u00fcnftige Bundesregierung zu stellen. Dazu geh\u00f6rt &#8222;Die Linke&#8220; nicht, sie wird aber sicher in einer der kommenden Sendungen wieder vertreten sein. Die Redaktion achtet sehr genau darauf, dass in der Summe der Sendungen eine faire und angemessene Einladungspraxis alle relevanten Meinungen zu Wort kommen l\u00e4sst.<br \/>\nMit freundlichen Gr\u00fc\u00dfen,<br \/>\nIhre ANNE WILL &#8211; Zuschauerredaktion<\/p>\n<p>Ich schrieb dann am 1.Oktober Folgendes: <\/p>\n<p>Sehr geehrte Redaktion von &#8222;Anne Will&#8220;, zwei Fragen:<br \/>\n1.) Warum senden Sie Kritikern Ihrer Sendung vom 24.9. (die monierten, dass kein Vertreter der Linken dabei war, obwohl sonst ALLE Fraktionen des neuen Bundestages vertreten waren plus Herr J\u00f6rges) offenbar diesselbe vorgefertigte Antwort? Ich habe von mehreren Bekannten mitbekommen, dass Sie also anscheinend einen identischen Text versenden, der weder inhaltlich \u00fcberzeugt noch irgendwie auf den jeweiligen Einzelfall der Kritik eingeht. Das ist sehr schade und zeugt leider nicht davon, dass Sie es mit dem Feedback der Nutzer und mit Ihrem Feedback darauf besonders ernst n\u00e4hmen.<\/p>\n<p>Wenn Sie allerdings so viele kritische \u00c4u\u00dferungen &#8222;von links&#8220; bekommen haben sollten, dass Sie nicht jede Kritik einzeln beantworten konnten &#8211; nun, dann sollte das f\u00fcr Ihre Redaktion erst recht ein Grund f\u00fcr ernsthafte Selbstkritik sein.<\/p>\n<p>2.) Woraus sich direkt Frage zwei ergibt: Wieso war in Ihrer heutigen Sendung WIEDERUM kein Vertreter des bisherigen Oppositionsf\u00fchrers Linkspartei anwesend? Falls Sie antworten w\u00f6llten, dass auch die AfD diesmal nicht vertreten war &#8211; das machte es nicht besser! T\u00e4uscht der Eindruck, dass namentlich die B\u00fcndnisgr\u00fcnen und die FDP seit Monaten und auch an Tagen wie diesen \u00fcber jedes vern\u00fcnftige Ma\u00df hinaus pr\u00e4sent sind auch in Ihrer Sendung? Gemessen an ihren Wahlergebnissen?<\/p>\n<p>Erbitte nunmehr dringend Ihre m\u00f6glichst differenzierte Antwort und nicht schon wieder eine kaum \u00fcberzeugende pauschale Massen-Abfertigung!<\/p>\n<p>Mit freundlichem Gru\u00df: Sebastian K\u00f6hler<\/p>\n<p>Am 11.10.2017 um 19:01 schrieb ich dann: <\/p>\n<p>Erbitte endlich eine Antwort von Ihnen  &#8211; mfG: Sebastian K\u00f6hler<\/p>\n<p>Und siehe da, schon einen Tag sp\u00e4ter, am 12.10.2017 um 16:59, erwiderte die Zuschauerredaktion:<\/p>\n<p>Sehr geehrter Herr K\u00f6hler,<\/p>\n<p>es handelte sich bei unserer Antwort um eine redaktionelle Stellungnahme, die wir deswegen selbstverst\u00e4ndlich mehrfach verschickt haben. Wenn Sie diese als &#8222;kaum \u00fcberzeugende pauschale Massen-Abfertigung&#8220; wahrnehmen, so ist das bedauerlich, es \u00e4ndert aber nichts an unserer Positionierung zu diesem Thema. Wir k\u00fcndigten in dieser Stellungnahme auch an &#8211; was Ihre zweite Frage betrifft &#8211; dass demn\u00e4chst wieder ein Vertreter der Linken in der Sendung zugegen sein werde, was in Gestalt von Herrn Gysi in der letzten Sendung auch der Fall war.<\/p>\n<p>Mit freundlichen Gr\u00fc\u00dfen, die ANNE WILL Zuschauerredaktion<\/p>\n<p>Woraufhin ich am selben Tag schrieb: <\/p>\n<p>Sehr geehrte Redaktion von &#8222;Anne Will&#8220;, Danke f\u00fcr Ihre Antwort.<\/p>\n<p>Ich finde es wichtig (als Verteidiger des \u00f6ffentlich-rechtlichen Rundfunks im dualen System), dass Sie auf sachliche Kritik der B\u00fcrgerinnen und Beitragszahler auch m\u00f6glichst konkret eingehen &#8211; (mangelndes) Feedback ist meines Erachtens einer der Hauptaspekte des aktuellen Wandels im Journalismus.<\/p>\n<p>Insofern lassen Sie uns bitte gemeinsam dranbleiben im Interesse gelingender Kommunikation in unserer Gesellschaft!<\/p>\n<p>Mit freundlichem  Gru\u00df: Sebastian K\u00f6hler<\/p>\n<p>Darauf gab es, nicht sehr \u00fcberraschend, leider keine Antwort mehr bis dato. Dennoch liegt es mir fern, die Abschaffung des &#8222;Ersten&#8220; zu fordern. Allerdings gibt es gerade bei den \u00f6ffentlich-Rechtlichen, im Gro\u00dfen wie im Kleinen, einen betr\u00e4chtlichen Reformbedarf. Wahrscheinlich sogar mehr als nur den. Auch dar\u00fcber m\u00fcsste m\u00f6glichst \u00f6ffentlich und vielf\u00e4ltig diskutiert werden. K\u00f6nnen die \u00f6ffentlich-Rechtlichen nicht zuletzt dazu deutlich Besseres beitragen als bisher?  Das w\u00e4re \u00fcberhaupt ein gutes Motto, finde ich, f\u00fcr jeden von uns und erst recht f\u00fcr die \u00f6ffentlich-rechtlichen Anstalten: Mehr beitragen, weniger senden! <\/p>\n<p>2.) Noch ganz kurz eine Prise Sprachkritik im Kaleidoskop: &#8222;CDU-Regierungschef G\u00fcnther warnt CSU vor Jamaika-Sondierungen&#8220;, schrieben verschiedene Medien am 27.9.2017 (siehe unter anderem https:\/\/newstral.com\/de\/article\/de\/1075975226\/cdu-regierungschef-jamaika-erfordert-zur%C3%BCckhaltung-der-csu; Aufruf am 19.10.2017, 22.42 Uhr). Mit den Pr\u00e4positionen ist es oft ein vertracktes Ding im Deutschen &#8211; &#8222;Ich warne Dich vor etwas&#8220; ist in der Regel weder r\u00e4umlich noch zeitlich gemeint, sondern sachbezogen. Hier aber wird es, entgegen den Erwartungen, zeitlich gemeint &#8211; und ist damit &#8222;vor&#8220; allem eines: ziemlich verwirrend. Wie ginge es besser? &#8222;Vor Beginn der Jamaika-Sondierungen warnt G\u00fcnther die CSU&#8220; zum Beispiel. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Brauchen wir &#8222;Das Erste&#8220; der ARD? 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