{"id":959,"date":"2017-10-03T16:05:07","date_gmt":"2017-10-03T14:05:07","guid":{"rendered":"http:\/\/blogs.hmkw.de\/HierMagKritisiertWerden\/?p=959"},"modified":"2017-10-03T16:07:47","modified_gmt":"2017-10-03T14:07:47","slug":"afd-und-kein-ende","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/blogs.hmkw.de\/HierMagKritisiertWerden\/?p=959","title":{"rendered":"AfD und kein Ende"},"content":{"rendered":"<p>1.) Medienkritisch interessant: In einem Interview wird der Soziologieprofessor Holger Lengfeld von der Uni Leipzig von der SZ befragt (http:\/\/www.sueddeutsche.de\/kultur\/abgehaengte-bevoelkerungsgruppen-afd-waehler-sind-nicht-wirtschaftlich-sondern-kulturell-abgehaengt-1.3675805, Aufruf am 22.9.2017, 13.30 Uhr)<br \/>\n<strong><br \/>\nWas w\u00fcrden Sie den Medien raten, um wieder an Glaubw\u00fcrdigkeit zu gewinnen?<\/strong><\/p>\n<p>Die Antwort des Soziologen kann ich gut nachvollziehen: &#8222;\u00dcberlegen Sie, inwiefern Ihre Berichterstattung beeinflusst ist durch das, was Sie politisch und gesellschaftlich selbst denken. Dann ist die Chance gr\u00f6\u00dfer, dass Berichterstattung unparteiischer ausf\u00e4llt. Bringen Sie mehrere Perspektiven, auch von Menschen, die ganz andere Wertevorstellungen haben. Gar nicht so lange nach der Fl\u00fcchtlingskrise, schon im Herbst 2015, kam es bei Journalisten zu Selbstreflektionen. Damals waren die Medienberichte voll von der Hilfsbereitschaft der Deutschen, und dann hat man durch das Erstarken der AfD bei den Landtagswahlen pl\u00f6tzlich bemerkt, dass man ein Ph\u00e4nomen \u00fcbersehen hat. Viele Medienschaffende waren als B\u00fcrger sehr stark mit der Hilfsbereitschaft einverstanden und wollten dar\u00fcber berichten. Wenn man die Ressentiments \u00fcbersieht und da nicht mehr hinguckt, kommt es zu Problemen.&#8220;<\/p>\n<p>Weit weniger kann ich seine Argumente nachvollziehen zum Thema, wo die offenkundige Unzufriedenheit von AfD-W\u00e4hlern herkommt. Die SZ fragte in dieser Richtung:<br \/>\n<strong><br \/>\nWie sieht das historisch aus? Wurde der &#8222;kleine Mann&#8220; oder auch einfach der unzufriedene B\u00fcrger in fr\u00fcheren Jahrzehnten weniger \u00fcbersehen? Gibt es da einen Wandel?<\/strong><\/p>\n<p>Der Soziologe antwortet: &#8222;Man darf die Steuerungsf\u00e4higkeit der Politik nicht \u00fcbersch\u00e4tzen. Das Kleine oder Gro\u00dfe am Mann oder der Frau wird im Bereich der Wirtschaft entschieden. Die Politik kann nur an den Verteilungsverh\u00e4ltnissen etwas \u00e4ndern. In Westdeutschland wurde mit dem Wirtschaftswunder seit Mitte der 50er Jahre immer spezifischer versucht, unterschiedlichste Lebenslagen materiell zu unterst\u00fctzen. Deshalb kann ich nicht erkennen, dass der kleine Mann fr\u00fcher mehr Beachtung bekommen hat als heute. Was sich ge\u00e4ndert hat, sind die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, die die Politik kaum beeinflussen kann. Wenn etwas woanders deutlich billiger hergestellt wird, endet die Steuerungsf\u00e4higkeit.&#8220; <\/p>\n<p>Das erscheint mir als eine Art Bankrotterkl\u00e4rung des Soziologen: Wenn der Bereich der Wirtschaft vom Bereich des Politischen und damit auch der Demokratie derart getrennt (betrachtet) wird, dann k\u00f6nnte man wohl sagen, dass es VW-Chef M\u00fcller oder Siemens-Chef Kaeser ziemlich egal sein d\u00fcrfte, wer unter ihnen Kanzler ist &#8211; ob nun Merkel oder Schulz. Und dann muss man sich \u00fcber Politikverdrossenheit, Wahlm\u00fcdigkeit oder eben AfD-W\u00e4hlen nicht wundern. <\/p>\n<p><strong>Verzerrt<\/strong><\/p>\n<p>2.) Zur aktuellen Sprachkritik in meinem Kaleidoskop: Die AfD und ihr Wahlergebnis sind in vieler Munde, auch in dem von ZDF-Moma-Moderatorin Dunja Hayali. Frau Hayali sagte am Tag nach der Bundestagswahl, die AfD habe &#8222;auf Anhieb&#8220; oder auch &#8222;aus dem Stand&#8220; ihre 12,6 Prozent Zweitstimmenanteil erreicht. Wieso das? Die Partei war bereits bei der Wahl davon angetreten, hatte 2013 mit 4,7 Prozent allerdings den Einzug in den Bundestag verpasst. Sonst m\u00fcsste man auch sagen, die FDP habe &#8222;aus dem Stand&#8220; ihre 10,7 Prozent erreicht. Und auch das stimmt offensichtlich nicht. Mein Vorschlag: Die AfD weder ignorieren noch skandalisieren, sondern im informationsbetonten Bereich des Journalismus (im Unterschied zum meinungsbetonten) sachlich das Angemessene vermitteln. Und wie zur Illustration dieses Problemes sagt Frau Hayali am Freitag, 29.9., &#8222;die AfD will die Kanzlerin vor einen Untersuchungsausschuss zerren&#8220;. Hallo &#8211; wieso &#8222;zerren&#8220;? Das ist ein extrem wertendes Verb. Warum nicht &#8222;bringen&#8220;, was relativ sachlich wirkt? Oder meinetwegen auch &#8222;zitieren&#8220;, schon wertender. Aber &#8222;zerren&#8220;, sorry, das verzerrt doch jede Objektivierung in solchem Kontext.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1.) 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