{"id":934,"date":"2017-07-11T18:27:21","date_gmt":"2017-07-11T17:27:21","guid":{"rendered":"http:\/\/blogs.hmkw.de\/HierMagKritisiertWerden\/?p=934"},"modified":"2017-07-11T18:27:21","modified_gmt":"2017-07-11T17:27:21","slug":"jetzt-wird-es-kritisch-raffelhueschen-kleber-und-wer-zweifelt-ob-das-so-lauten-muss","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/blogs.hmkw.de\/HierMagKritisiertWerden\/?p=934","title":{"rendered":"Jetzt wird es kritisch &#8230;. Raffelh\u00fcschen, Kleber &#8211; und wer zweifelt, ob das so lauten muss?"},"content":{"rendered":"<p>1.) Zum Thema &#8222;Medienkritik&#8220;, heute etwas ausf\u00fchrlicher und auch subjektiv, fast schon ein &#8222;heute journal&#8220; (wenn der Scherz hier gestattet ist): <\/p>\n<p>Am Montag, 26.6., bestimmte ein Report der Bertelsmann-Stiftung zum Thema &#8222;Rente&#8220; die Medien hierzulande mit, die Hauptaussage des Reportes lautete: 2035 drohe ca. jedem f\u00fcnften Rentner in Deutschland Altersarmut. Ich dachte mir an jenem Morgen: Wenn das nun schon die Bertelsmann-Stiftung schreibt, nicht gerade bekannt als eine links-gesellschaftskritische Einrichtung, dann scheint gewisserma\u00dfen bereits die &#8222;K. am Dampfen&#8220; zu sein. Am Abend war ich allerdings in ganz anderer Hinsicht \u00fcberrascht, als ich zum Thema auch ein Interview von Claus Kleber mit Prof. Dr. Bernd Raffelh\u00fcschen im &#8222;heute journal&#8220; sah.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.zdf.de\/nachrichten\/heute-journal\/rentenversicherung-ist-gnadenlos-fair-100.html\">Hier geht es zum Interview aus der ZDF-Mediathek<\/a><\/p>\n<p><strong>Mit etwas Abstand betrachtet, schrieb ich am 29.6. folgende Zeilen an das ZDF (ich kenne und sch\u00e4tze den heutigen Redaktionsleiter des &#8222;heute journal&#8220;, Dr. Wulf Schmiese, durch viele kritische und selbstkritische Diskussionen mit Studierenden in Berlin seit 2010)<\/strong><\/p>\n<p>Sehr geehrte Damen und Herren von der ZDF-Zuschauerredaktion, lieber<br \/>\nHerr Schmiese,<\/p>\n<p>seit Montagabend ist etwas Zeit vergangen, weil ich die Causa noch<br \/>\neinmal in Ruhe \u00fcberdenken wollte.<\/p>\n<p>Aber ich bleibe dabei (und anscheinend geht es nicht wenigen Leuten so):<br \/>\nIch frage mich, inwiefern Prof. Dr. Bernd Raffelh\u00fcschen mit Blick auf<br \/>\ndie aktuelle Rentendiskussion als einziger Experte am Montagabend im<br \/>\nausf\u00fchrlichen Interview \u00fcber mehr als vier Minuten lang praktisch<br \/>\nunbedr\u00e4ngt zu Wort kommen konnte. Er ist doch seit vielen Jahren bekannt<br \/>\ndaf\u00fcr (und wird auch kritisiert daf\u00fcr), dass er nicht zuletzt als<br \/>\nERGO-Aufsichtsrat und als deutlicher Lobbyist f\u00fcr die INSM oder auch in<br \/>\nanderen Kontexten f\u00fcr die Privatisierung der Rente in Deutschland steht<br \/>\n&#8211; und damit f\u00fcr die weitere Schw\u00e4chung der gesetzlichen Rente<br \/>\nhierzulande. Davon war am Montagabend nicht die Rede, er wurde als<br \/>\nunabh\u00e4ngiger Fachmann und Wissenschaftler pr\u00e4sentiert.<\/p>\n<p>Wenn man sich an die ZDF-Sendung &#8222;Die Anstalt&#8220; vom 4.4. 2017 erinnert,<br \/>\nbleibt all das umso weniger verst\u00e4ndlich. Denn gerade die Herren<br \/>\nRiester, R\u00fcrup, Maschmeyer und eben auch Raffelh\u00fcschen scheinen doch<br \/>\nsehr klar f\u00fcr eine bestimmte (und von vielen mittlerweile kritisch<br \/>\nbetrachtete) Perspektive in der Rentendebatte zu stehen.<\/p>\n<p>Ich finde das einseitige Auftreten von Raffelh\u00fcschen am Montagabend sehr<br \/>\nbedenklich &#8211; zumindest h\u00e4tte m.E. auf diese Aspekte Prof. Raffelh\u00fcschens<br \/>\nhingewiesen werden m\u00fcssen, oder es h\u00e4tte auch eine andere Sichtweise zu<br \/>\nWort kommen sollen zum Thema.<\/p>\n<p>Raffelh\u00fcschen &#038; Co. beschw\u00f6ren mit Blick auf die gesetzliche Rente seit<br \/>\nvielen Jahren eine angebliche demographische Krise gleichsam als<br \/>\nNaturgesetz, ohne ein Wort zum Beispiel \u00fcber die steigende Produktivit\u00e4t<br \/>\nunser aller Arbeit zu verlieren.<\/p>\n<p>Ich habe Claus Klebers Twitter-\u00c4u\u00dferungen als Reaktion auf offenbar<br \/>\nmassive Kritik gelesen und finde diese alles andere als \u00fcberzeugend:<br \/>\nNat\u00fcrlich sagt Raffelh\u00fcschen nun (wie \u00e4hnich ja auch Frau Merkel und<br \/>\nHerr Lindner), man solle bei der gesetzlichen Rente jetzt bis 2030 alles<br \/>\nso laufen lassen, wie es angeschoben wurde &#8211; au\u00dfer unbedingt noch das<br \/>\nRenteneintrittsalter einen n\u00e4chsten Schritt heraufsetzen! Also in<br \/>\nRichtung weiterer Absenkung des Rentenniveaus. Das alles erscheint mir<br \/>\nsehr deutlich von neoliberaler Ideologie gepr\u00e4gt. Soll offenbar<br \/>\nVersicherungen und Banken in  Zeiten niedriger Zinsen weitere<br \/>\nGesch\u00e4ftsfelder garantieren &#8230;.<\/p>\n<p>Summa summarum: Sehr, sehr problematisch das Ganze, aus meiner Sicht.<\/p>\n<p>Ich hoffe, Sie k\u00f6nnen meine Kritik nachvollziehen, und ich freue mich<br \/>\nauf Ihre Antwort!<\/p>\n<p>Mit besten Gr\u00fc\u00dfen: Sebastian K\u00f6hler<\/p>\n<p><strong>Einen Tag sp\u00e4ter erhielt ich vom ZDF folgende Zeilen per Mail: <\/strong><\/p>\n<p>Sehr geehrter Herr K\u00f6hler,<\/p>\n<p>vielen Dank f\u00fcr Ihre E-Mail an das ZDF.<\/p>\n<p>Die neue Bertelsmann-Studie zur Zukunft der Rente in Deutschland ist am 26. Juni das bestimmende Thema unserer aktuellen Berichterstattung im &#8222;heute-journal&#8220; gewesen. Dazu haben wir Prof. Bernd Raffelh\u00fcschen, einen profilierten Wirtschaftswissenschaftler, nach seiner Einsch\u00e4tzung der Situation und den Perspektiven f\u00fcr die n\u00e4chsten Jahrzehnte befragt. Er hat dabei betont, dass das gegenw\u00e4rtige Rentensystem durchaus tragf\u00e4hig wie gerecht ist und die Erwartung, dass k\u00fcnftig mehr Menschen mit Rente in Altersarmut geraten werden, seiner Meinung nach sehr gering ist. Um Altersarmut zu verhindern, sei es au\u00dferdem sinnvoll, das Rentenalter in absehbarer Zeit ma\u00dfvoll anzuheben.<\/p>\n<p>Bernd Raffelh\u00fcschens T\u00e4tigkeit f\u00fcr Versicherungsunternehmen, hier vor allem seine Position als Aufsichtsrat der ERGO, ist uns allerdings bekannt gewesen, stellt aber nicht seine Glaubw\u00fcrdigkeit in Frage. Er hat in unserem Gespr\u00e4ch tats\u00e4chlich ganz anders argumentiert, als es ein Interessenvertreter der Versicherungsbranche getan h\u00e4tte. Und seine Argumentation ist aus unserer Sicht durchaus schl\u00fcssig und verst\u00e4ndlich gewesen.<\/p>\n<p>Ihre Kritik an Bernd Raffelh\u00fcschens Darstellung, die Ihnen wirklichkeitsfern erscheint, haben wir als Teil der Zuschauerresonanz auf unser Programm festgehalten. <\/p>\n<p>Mit freundlichen Gr\u00fc\u00dfen<br \/>\nIhre ZDF-Zuschauerredaktion<\/p>\n<p><strong>Mit wiederum etwas Abstand betrachtet, also jedenfalls nicht im Affekt, schrieb ich am 4.7. dann noch einmal an das ZDF, an Herrn Dr. Schmiese und an Herrn Kleber: <\/strong><\/p>\n<p>Sehr geehrte Damen und Herren beim ZDF, Dank f\u00fcr Ihre Zeilen. Allerdings kann ich \u00fcberhaupt nicht verstehen, wie Sie argumentieren: Sie schreiben (wie auch Moderator Claus Kleber twitterte):<\/p>\n<p>> Bernd Raffelh\u00fcschens T\u00e4tigkeit f\u00fcr Versicherungsunternehmen, hier vor allem seine Position als Aufsichtsrat der ERGO, ist uns allerdings bekannt gewesen, stellt aber nicht seine Glaubw\u00fcrdigkeit in Frage. Er hat in unserem Gespr\u00e4ch tats\u00e4chlich ganz anders argumentiert, als es ein Interessenvertreter der Versicherungsbranche getan h\u00e4tte. Und seine Argumentation ist aus unserer Sicht durchaus schl\u00fcssig und verst\u00e4ndlich gewesen.<br \/>\n><br \/>\nZwei Punkte meiner Kritik als die wichtigsten an der Stelle:<\/p>\n<p>1.) Das ZDF h\u00e4tte im Sinne von Transparenz und Einordnung f\u00fcr das Publikum ZUMINDEST deutlich machen m\u00fcssen, dass Raffelh\u00fcschen gerade mit Blick auf dieses Feld &#8222;Rente&#8220; eben nicht nur Professor in Freiburg ist, sondern auch in anderer Hinsicht aktiv war und ist.<\/p>\n<p>2.)  Wenn Sie mich (und sicher viele andere halbwegs Aufgekl\u00e4rte hierzulande) fragen: Raffelh\u00fcschen hat GENAU SO geredet, wie es von einem Lobbyisten der Privatisierungstendenz mit Blick auf die Rente JETZT zu erwarten ist: Bei der gesetzlichen Rente sei nun im Gro\u00dfen und Ganzen alles in Ordnung, dank der Reformen der Regierungen Schr\u00f6der und Merkel. Gut w\u00e4re es sicher, das Renteneintrittsalter noch weiter heraufzusetzen.<\/p>\n<p>Das hei\u00dft im Klartext (und das lesen mittlerweile immer mehr Leute Schritt f\u00fcr Schritt in ihren Rentenausk\u00fcnften und -bescheiden): Bei einem absehbaren gesetzlichen Rentenniveau von nur noch 43 Prozent des Durchschnittsverdienstes M\u00dcSST IHR EUCH (selbst wenn Ihr Euer ganzes Berufsleben hindurch regelm\u00e4\u00dfig eingezahlt habt) ZUMINDEST ZUS\u00c4TZLICH PRIVAT RENTENVERSICHERN.<\/p>\n<p>Hatten Sie ernshaft erwartet, jemand wie Raffelh\u00fcschen w\u00e4re so unprofessionell, nun auf den Zustand der gesetzlichen Rente zu schimpfen? Jetzt, da vieles ja genau so l\u00e4uft, wie er und seinesgleichen das seit sp\u00e4testens 1998 fordern?<\/p>\n<p>Sorry, aber solche &#8222;Argumente&#8220; kann ich nur schwer ernstnehmen. \u00c4hnlich wie die Plattit\u00fcde, dass Rentenk\u00fcrzungen n\u00f6tig w\u00e4ren, weil immer weniger Berufst\u00e4tige immer mehr Rentner mit &#8222;durchzuf\u00fcttern&#8220; h\u00e4tten. Wo bleibt da der Aspekt unserer wachsenden Arbeitsproduktivit\u00e4t? Sie kennen vielleicht eine vergleichbare &#8222;Argumentation&#8220;:  1850 hat ein Bauer zwei Menschen ern\u00e4hrt. 1950 hat ein Bauer bereits 40 Menschen ern\u00e4hrt. Heute ern\u00e4hrt ein Bauer 133 Menschen. Was folgt daraus? Nat\u00fcrlich, dass wir bald alle verhungern werden.<\/p>\n<p>Im Ernst: Ich bitte Sie herzlichst darum, uns als Ihr Publikum und als Ihre Beitragszahler ernster zu nehmen! Denn in der Tat befindet sich unsere Gesellschaft wohl in sozialen und auch medialen Umbr\u00fcchen.<\/p>\n<p>Ich w\u00fcrde sehr gerne das \u00f6ffentlich-rechtliche Prinzip auch hier gegen die Privatisierungstendenzen weiter verteidigen &#8211; bei aller Kritik. Aber solche Beitr\u00e4ge UND IHRE REAKTIONEN auf Kritik wie meine machen das, gelinde gesagt, nicht gerade leichter!<\/p>\n<p>In Erwartung Ihrer Antwort verbleibe ich mit freundlichem Gru\u00df: Sebastian K\u00f6hler<\/p>\n<p><strong>Redaktionsleiter Dr. Wulf Schmiese hat mir gerade per Mail geschrieben, dass wir uns nach dem G20-Gipfel dazu noch einmal in Ruhe austauschen sollten. Das w\u00fcrde mich sehr freuen! Bleiben wir gemeinsam dran!<\/strong><\/p>\n<p><strong><br \/>\nIch wei\u00df nicht, ob das hier noch gelesen wird &#8230; Man mag bezweifeln, dass es passiert.<\/strong><\/p>\n<p>2.) Noch etwas leichtere Kost aus dem Regal &#8222;Kaleidoskop&#8220;, also Sprachkritik: Im RBB-Inforadio wurde am 15.11.2016 um 21.12 Uhr in einem Bericht zum Obama-Besuch gesagt: &#8222;Viele Griechen bezweifeln allerdings, ob das unter Donald Trump so weitergeht.&#8220; Ich denke, hier sollte es &#8222;zweifeln&#8220; hei\u00dfen, und das Wort &#8222;ob&#8220; l\u00e4sst es in der Waage, inwiefern es weitergeht. &#8222;Bezweifeln&#8220;, sofern es nicht gleichbedeutend ist mit &#8222;zweifeln&#8220;, jedoch scheint mir schon st\u00e4rker, weshalb ich sagen w\u00fcrde: &#8222;Viele Griechen bezweifeln allerdings, dass das unter Donald Trump so weitergeht.&#8220; Ein anderes Beispiel, um den Unterschied zu verdeutlichen: &#8222;Er wei\u00df nicht, dass Du kommst&#8220; geht von dem Fakt des Kommens aus. &#8222;Er wei\u00df nicht, ob Du kommst&#8220; l\u00e4sst die Wahrscheinlichkeit des Kommens im Ungef\u00e4hren, vielleicht bei etwa 50 Prozent. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1.) Zum Thema &#8222;Medienkritik&#8220;, heute etwas ausf\u00fchrlicher und auch subjektiv, fast schon ein &#8222;heute journal&#8220; (wenn der Scherz hier gestattet ist): Am Montag, 26.6., bestimmte ein Report der Bertelsmann-Stiftung zum Thema &#8222;Rente&#8220; die Medien hierzulande mit, die Hauptaussage des Reportes &hellip; <a href=\"http:\/\/blogs.hmkw.de\/HierMagKritisiertWerden\/?p=934\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/blogs.hmkw.de\/HierMagKritisiertWerden\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/934"}],"collection":[{"href":"http:\/\/blogs.hmkw.de\/HierMagKritisiertWerden\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/blogs.hmkw.de\/HierMagKritisiertWerden\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/blogs.hmkw.de\/HierMagKritisiertWerden\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/blogs.hmkw.de\/HierMagKritisiertWerden\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=934"}],"version-history":[{"count":5,"href":"http:\/\/blogs.hmkw.de\/HierMagKritisiertWerden\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/934\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":941,"href":"http:\/\/blogs.hmkw.de\/HierMagKritisiertWerden\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/934\/revisions\/941"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/blogs.hmkw.de\/HierMagKritisiertWerden\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=934"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/blogs.hmkw.de\/HierMagKritisiertWerden\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=934"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/blogs.hmkw.de\/HierMagKritisiertWerden\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=934"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}