{"id":873,"date":"2017-04-18T19:10:09","date_gmt":"2017-04-18T18:10:09","guid":{"rendered":"http:\/\/blogs.hmkw.de\/HierMagKritisiertWerden\/?p=873"},"modified":"2017-04-20T19:58:48","modified_gmt":"2017-04-20T18:58:48","slug":"ressourcen-fuer-journalismus-auch-fuer-die-feinen-unterschiede-zwischen-drohen-und-warnen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/blogs.hmkw.de\/HierMagKritisiertWerden\/?p=873","title":{"rendered":"Ressourcen f\u00fcr Journalismus &#8211; auch f\u00fcr die feinen Unterschiede zwischen &#8222;drohen&#8220; und &#8222;warnen&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>1.) Journalismus als moderne Erscheinung d\u00fcrfte meist beides (gewesen) sein &#8211; Ware und Kulturgut. Oft war oder ist er vor allem Mittel zum Zweck, zahlkr\u00e4ftige Publika (mit-) zu beschaffen, f\u00fcr Werbe-, PR- oder Marketingbotschaften, oder auch f\u00fcr politische bzw. anderweitige Propaganda. Doch diese tradierten Bindungen sind l\u00e4ngst prek\u00e4r, und die Suche nach neuen (Wegen zu alten) Ressourcen l\u00e4uft auf Hochtouren. Ich finde dieses Suchen auch deshalb wichtig, weil Journalismus bei allen Risiken vielleicht mehr denn je Chancen hat, selbst zum Zweck zu werden, als nicht zuletzt Mittel zu Zwecken wie Geld- oder Machterwerb zu bleiben.<br \/>\nWelche Wege werden sichtbar, um Ressourcen f\u00fcr Journalismus zu gewinnen?<br \/>\nZun\u00e4chst zu Varianten von marktg\u00e4ngigem Journalismus: Die bekannte Querfinanzierung \u00fcber Werbem\u00e4rkte bleibt weiterhin ein Weg. Siehe die Werbevideos vor journalistischen Videos auf Webseiten etc. (vgl. auch Matthias Kurp: Die Finanzierungsl\u00fccke. In: MenschenMachenMedien, Berlin, Heft 1\/2016, Seite 6ff.). Im Netz wird l\u00e4ngst versucht, Inhalte direkter zu verwerten. Mit &#8222;closed paywalls&#8220; oder mit Mischsystemen f\u00fcr Paid Content, hierbei mit &#8222;Freemium&#8220;-Modellen (nur ein Teil des Gesamtangebotes ist gratis nutzbar) oder auch mit &#8222;Metered Models&#8220;, bei denen eine bestimmte Anzahl von Beitragen frei nutzbar ist.<br \/>\nInwiefern sollten Redaktionen mit gro\u00dfen Intermedi\u00e4ren wie Facebook und Google zusammenarbeiten? Wichtige Verlage (SPON, SZ, FAZ, ZEIT etc.) beteiligten sich an der &#8222;Digital News Initiative&#8220; von Google, um an Geld und Know How zu kommen. Der Springer-Verlag entwickelte mit Samsung die Nachrichtenapp Upday.<br \/>\nFacebook hatte mit seinen &#8222;Instant Articles&#8220; ein Erfolgsrezept f\u00fcr sich gefunden: Nutzer konnten auf der Plattform bleiben und Beitr\u00e4ge von Bild oder Spiegel dort lesen. Google und Apple entwickelten \u00c4hnliches &#8211; sie alle lockten die Verlage mit gr\u00f6\u00dferer Reichweite, Werbeeinahmen und Nutzerdaten. Problem dabei: Die Intermedi\u00e4re bauen ihren Stellungen aus.<br \/>\nSpringer und New York Times investierten Millionen, um am Digital-Kiosk Blendle beteiligt zu sein. Diese Kioske wie auch Pocketstory oder Newscase hie\u00dfen nun News-Aggregatoren &#8211; es ging um entb\u00fcndelte Vermarktung einzelner Beitr\u00e4ge. Problem hier: H\u00e4ppchen-Journalismus statt Vielfalt.<br \/>\n&#8222;Social publishing&#8220; schien ein weiterer Weg: werbefinanzierte Online-Angebote nach dem Vorbild von BuzzFeed. 2015 hatten u.a. Zeit (ze.tt), Spiegel (bento) und Bild (BYou) neue Portale f\u00fcr junge Nutzer gestartet. Bunte Geschichten, auch in Verbindung mit &#8222;Native Advertising&#8220;, also Werbung, die wie redaktioneller Inhalt wirkt. Nutzer sollten per App oder Social Media noch personalisierter angesprochen werden.<br \/>\nJournalismus gilt weiterhin als &#8222;meritorisches Gut&#8220;: die zahlungskr\u00e4ftige Nachfrage privater Nutzer bleibt hinter dem sozial erw\u00fcnschten Ausma\u00df in demokratisch verfassten, wirtschaftlich kapitalistischen Gesellschaften zur\u00fcck.<br \/>\nWas tun? Aus den USA sind Stiftungsmodelle bekannt. Wichtiges Beispiel war die gemeinn\u00fctzige Organisation ProPublica, die vom Milliard\u00e4r Herbert M. Sandler finanziell gestartet wurde. Auch in Deutschland gab es 2016 Ans\u00e4tze f\u00fcr Stiftungen, allerdings mehr aus der Politik, u.a. in NRW und Hessen. Problem hier: eher Zusatz- als Grundversorgung.<br \/>\nDie Gesellschaft k\u00f6nnte Journalismus noch mehr f\u00f6rdern, direkt durch finanzielle Zuwendungen oder indirekt durch Steuernachl\u00e4sse. Forscher wie Marie-Luise Kiefer entwickelten Modelle in Richtung m\u00f6glichst markt- und machtferner Selbstorganisation von Journalisten, die auch selbst \u00fcber die genauen Bedarfe und die Ressourcenaufteilung entscheiden sollten. Problem: Schnell wird der Staat als Machtapparat wirksam (siehe die Abh\u00e4ng\u00edgkeiten der \u00f6ffentlich-rechtlichen Anstalten in Deutschland).<br \/>\nAlternativer Vorschlag hier: Journalismus sei gemeinn\u00fctzig und somit von Abgaben zu befreien. 2014 wurde Deutschlands erstes gemeinn\u00fctziges Rechercheb\u00fcro gestartet &#8211; Correctiv. Der Redaktion standen f\u00fcr die ersten drei Jahre von der Brost-Stiftung drei Millionen Euro zur Verf\u00fcgung. Andere Stifter und Spender kamen hinzu, der Milliard\u00e4r George Soros spendete im April 2017 100.000 Euro an Correctiv &#8211; Perspektive soll sein, dass aus dem Stiftungs- ein Community-Modell wird.<br \/>\nGemeinschaftsmodelle per Mitgliedschaft wie &#8222;Crowdfunding&#8220; versuchen auch Medien wie Krautreporter, Prenzlauer-Berg-Nachrichten oder der Guardian: Im Jahr 2015 f\u00fchrte der Guardian ein Mitgliedsschaftssystem ein. Unterst\u00fctzer zahlten 5 \u00a3 im Monat, Partner 15 \u00a3 und Patrone 60 \u00a3 im Monat. Sie sollten profitieren durch Vorteile wie Vorrang bei Buchungen und Rabatte bei Veranstaltungen. Im Februar 2017 gab es 200.000 Unterst\u00fctzer, der Guardian strebte bis zum Jahr 2019 an, diese auf eine Million zu erh\u00f6hen. Dadurch solle eine Paywall vermieden werden.<br \/>\nAuch Genossenschaften sind ein \u00e4hnliches Modell: Die &#8222;taz&#8220; und die &#8222;junge Welt&#8220; in Berlin haben als Tageszeitungen Genossenschaften im R\u00fccken &#8211; die taz mit ca. 15.000 Mitgliedern, die jW mit mehr als 2000 Mitgliedern, mit jeweils 500 Euro pro Anteil.<br \/>\nInsgesamt zeigen sich hier viele, ja vielf\u00e4ltige M\u00f6glichkeiten, um Ressourcen f\u00fcr Journalismus zu erschlie\u00dfen &#8211; wenn wir sie nur entdecken und entfalten (k\u00f6nnen) und nicht von Markt- oder Machtfetischisten daran gehindert werden.<\/p>\n<p>2.) Zur Sprach- und Stilkritik: Die Rheinische Post schrieb wie viele andere: &#8222;Nordkorea droht trotz Warnung der USA mit &#8222;w\u00f6chentlichen&#8220; Raketen-Tests&#8220; (http:\/\/www.rp-online.de\/politik\/ausland\/nordkorea-droht-trotz-warnung-der-usa-mit-woechentlichen-raketen-tests-aid-1.6761407, Aufruf am 18.4.2017, 19.57 Uhr). Die einen drohen, die anderen warnen. Dem j\u00fcngst verstorbenen Publizisten Eckart Spoo (1936 bis 2016) verdanke ich den Hinweis, hier genauer hinzuschauen. Denn in der Sache meinen die beiden Verben \u00c4hnliches: Ich fordere jemanden auf, etwas mir Unpassendes nicht zu tun. Falls doch, w\u00fcrde ich dieses Verhalten bestrafen. Freilich macht auch hier der Ton die Musik: &#8222;warnen&#8220; klingt neutral bis positiv, &#8222;drohen&#8220; hingegen klar negativ. Und sieh einer an &#8211; die &#8222;Guten&#8220; warnen, und die B\u00f6sen &#8222;drohen&#8220;. Sprache sagt \u00fcber die Sprechenden anscheinend mindestens so viel aus wie \u00fcber das Besprochene. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1.) Journalismus als moderne Erscheinung d\u00fcrfte meist beides (gewesen) sein &#8211; Ware und Kulturgut. 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