{"id":795,"date":"2016-11-30T20:53:55","date_gmt":"2016-11-30T19:53:55","guid":{"rendered":"http:\/\/blogs.hmkw.de\/HierMagKritisiertWerden\/?p=795"},"modified":"2016-11-30T20:53:55","modified_gmt":"2016-11-30T19:53:55","slug":"da-kennte-ich-mich-gern-aus","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/blogs.hmkw.de\/HierMagKritisiertWerden\/?p=795","title":{"rendered":"Da kennte ich mich gern aus!"},"content":{"rendered":"<p>1.) Jay Rosen, ein bekannter US-Journalist und Journalistik-Professor in New York \u00e4hnlich wie Jeff Jarvis, hat dieser Tage \u00fcber Twitter ein spannendes Pl\u00e4doyer gehalten (https:\/\/storify.com\/jayrosen_nyu\/evidence-based-vs-accusation-driven-reporting, Aufruf am 30.11.2016, 13.20 Uhr; auch hier Dankesch\u00f6n f\u00fcr Hinweise und Diskussionen an meinen Kollegen und Freund Henrik Bortels). Journalisten sollten nicht nur etwaige sachliche &#8222;Fakten&#8220;, sondern auch Vorw\u00fcrfe oder Anklagen NICHT einfach verbreiten, auch dann nicht (bzw. gerade dann nicht), wenn sie von vielen oder ber\u00fchmten Leuten ge\u00e4u\u00dfert werden. Rosen bezieht sich auf Apple News und US Today, die Vorw\u00fcrfe verbreiteten, dass Milliard\u00e4r George Soros einer der Drahtzieher von Protesten gegen den Wahlsieg Donald Trumps gewesen sei. <\/p>\n<p><strong><em>Aber was ist &#8222;die Wahrheit&#8220;? <\/em><\/strong><\/p>\n<p>Oder zumindest: Wie k\u00f6nnen wir ihr n\u00e4her kommen? Es w\u00e4re naiv, dabei anzunehmen, dass wir einfach &#8222;die Realit\u00e4t&#8220; objektiv spiegeln oder abbilden k\u00f6nnten. Vielmehr geht es um Objektivierung durch intersubjektive \u00dcberpr\u00fcfung, wobei Perspektivenwechsel, Transparenz und Au\u00dfenreferenz wichtige Aspekte sind und bleiben. Aber es gibt Neues zum Thema &#8222;Fakten-Check&#8220;. Das Reuters Institute for the Study of Journalism in Oxford (vgl. http:\/\/reutersinstitute.politics.ox.ac.uk\/news\/rise-fact-checker-%E2%80%93-new-democratic-institution, Aufruf am 30.11.2016, 16.51 Uhr) geht der Frage nach, inwiefern die aufsteigenden selbsternannten &#8222;Fact checker&#8220; als neue demokratische Institution gelten k\u00f6nnen. &#8222;The report argues that independent fact-checking can help combat misinformation in public life, provided they can find funding for their work, either as parts of existing news media or as NGOs and provided that their work reach a wide audience\u2014often through collaboration with existing news media.&#8220; <\/p>\n<p><strong><em>Post-Faktisch oder Telekom-Faktisch?<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Die Autoren erkl\u00e4ren, dass es seitens der Trump-Kampagne w\u00e4hrend des US-Wahlkampfes &#8222;often gross distortions of the truth&#8220; gegeben habe. Die Rede vom &#8222;Post-Faktischen&#8220; oder vom &#8222;Post-Wahren&#8220; ist ja sp\u00e4testens seit dem EU-Referendum der Briten nicht zu \u00fcberh\u00f6ren. \u201cWe found that there was more newsroom-based fact checking in Western Europe and more NGO-based fact checking in Eastern Europe,\u201d \u00e4u\u00dfert einer der beiden Hauptautoren der Studie, Lucas Graves. \u201cThe fact-checkers themselves identify in different and sometimes multiple ways. Many see themselves as reporters, but others identify as activists or experts, and in some cases two or all three of these.\u201d Hier scheint mir ein spannender Aspekt von Konvergenz zu beobachten, allerdings offenbar genau auf einer Seite des sozialen Spektrums, polemisch gesagt: auf der &#8222;guten&#8220;. Da darf der Reporter auch gerne Experte oder eben Aktivist sein. Die L\u00fcgner oder Populisten aber stehen auf der anderen Seite, was die Spaltung der Gesellschaft im Sinne von Divergenz zu unterstreichen scheint. <\/p>\n<p><strong><em>Extremismus der Mitte<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Hier w\u00fcnsche ich mir mehr Problembewusstsein und Selbstkritik seitens der etablierten Medien und Wisenschaft &#8211; eine Renaissance von jeweils professioneller Neugier auf &#8222;die Anderen&#8220;, gerne ja (von oben herab) auch &#8222;die Abgeh\u00e4ngten&#8220; genannt. Und es ist ja kein Geheimnis: Trump oder Wilders oder Gauland etc. m\u00f6gen &#8222;divergent&#8220; sein, aber doch keinesfalls abgeh\u00e4ngt. Sie kommen in gewisser Weise aus der Mitte ihrer Gesellschaften und vertreten daher einen Extremismus der Mitte. Deswegen erscheint mir das Schema viel zu vereinfachend: Hier die gute Mitte, dort rechts und links die populistischen, extremistischen R\u00e4nder. Ein kluger Mensch wie Max Horkheimer hatte 1939 kurz vor dem Zweiten Weltkrieg geschrieben, das vom Faschismus schweigen solle (Jeff Jarvis nennt Trump ja schon &#8222;Faschist&#8220;), wer vom Kapitalismus nicht reden wolle. Das finde ich heute wieder sehr erkl\u00e4rungskr\u00e4ftig.<\/p>\n<p><strong><em>Kennen, brennen, rennen<\/em><\/strong><\/p>\n<p>2.) Im Kaleidoskop kommen wir kurz zur Kunst des Konjunktivs (nicht der Alliteration): Wir hatten neulich eine Diskussion, wie der Konjunktiv II von kennen hei\u00dft: Gibt es die doch etwas schr\u00e4g klingende Form &#8222;kennte&#8220;? Der Verein &#8222;Gesellschaft f\u00fcr deutsche Sprache&#8220; (GfdS) aus Wiesbaden schreibt dazu (http:\/\/gfds.de\/kennen-konjunktiv-von\/; Aufruf am 30.11.2016 um 12.30 Uhr) schreibt dazu, &#8222;kennte&#8220; sei eine korrekte deutsche Verbform, die seit Jahrhunderten belegt ist, unter anderem bei Goethe, Schiller und Schopenhauer. Allerdings kommt laut GfdS diese From selten vor &#8211; meist werde mit &#8222;kennen w\u00fcrde&#8220; umschrieben. Andererseits k\u00f6nnen wir schriftsprachlich und niveauvoll sicher &#8222;kennte&#8220; verwenden, wie \u00fcbrigens auch &#8222;brennte&#8220; und &#8222;rennte&#8220; von den entsprechenden Verben &#8222;brennen&#8220; und &#8222;rennen&#8220;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1.) 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