{"id":77,"date":"2010-09-02T15:13:33","date_gmt":"2010-09-02T15:13:33","guid":{"rendered":"http:\/\/writers.hmkw.de\/?p=77"},"modified":"2011-12-22T08:04:29","modified_gmt":"2011-12-22T08:04:29","slug":"77","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/blogs.hmkw.de\/HierMagKritisiertWerden\/?p=77","title":{"rendered":""},"content":{"rendered":"<div>\n<p>1.)\u00a0\u00a0 Thilo Sarrazin und seine umstrittenen migrationspolitischen \u00c4u\u00dferungen sind ein wichtiges Medien-Thema dieser Wochen. Bei der Buchvorstellung am Montag, 30.8., vor Riesenandrang in der Bundespressekonferenz sagte der Bundesbankvorstand ganz zu Beginn: \u201eMeine Damen und Herren, wir stehen an einer Zeitenwende, dessen Ausma\u00df die meisten von uns sich noch gar nicht vorstellen k\u00f6nnen.\u201c Ein Fall f\u00fcr unser sprachkritisches Seminar-Kaleidoskop \u2013 kann der stolze Deutsche Sarrazin einen relativ einfachen Satz in deutscher Sprache geradeaus sprechen? Nun, diesen zumindest nicht \u2013 finden Sie bitte den (vielleicht genetisch?) eingebauten Grammatik-Fehler! Im Satz darauf wurde es dann inhaltlich interessanter: Der Geburtenr\u00fcckgang bei deutschen Frauen sei derzeit dramatischer als w\u00e4hrend all der Kriege, die Deutschland w\u00e4hrend der letzten 200 Jahre \u2013 na, was wohl? \u201eangefangen\u201c, \u201eausgel\u00f6st\u201c, \u201egef\u00fchrt\u201c hat? Nein, Thilo Sarrazin bringt es auch hier auf den Punkt: &#8211; jener Kriege also, die Deutschland \u201eheimgesucht haben\u201c. Auch das eine sicherlich bittere Wahrheit,\u00a0 die nun endlich mal jemand Prominentes ausgesprochen hat.<\/p>\n<p>2.)\u00a0\u00a0 Friedrich K\u00fcppersbuch, ein lebender Beweis daf\u00fcr, dass Fernsehen nicht schon genetisch dumm macht und Fernsehleute nicht per se einf\u00e4ltig sein m\u00fcssen, K\u00fcppersbuschhh also schrieb in der TAZ vom selben Tag: \u201e \u201eSarazenen&#8220; ist ein Schm\u00e4hwort, eine angstgepr\u00e4gte Sammelbezeichnung f\u00fcr muslimische V\u00f6lker, die ab ca. 700 n.\u00a0Chr. in und \u00fcber das Mittelmeer vordrangen. Sagt das etymologische Lexikon. Nun zu unserer Publikumsfrage: In welcher Sprache hei\u00dft &#8222;Thilo&#8220; &#8222;paranoides Arschloch&#8220;?\u201c Also \u201eparanoid\u201c w\u00fcrde ich nat\u00fcrlich nie sagen! Bis hierhin vielen Dank! (Quelle: \u201e<a href=\"http:\/\/www.taz.de\/1\/debatte\/kommentar\/artikel\/1\/wie-geht-es-uns-herr-kueppersbusch-eaf2546f\" target=\"_blank\">http:\/\/www.taz.de\/1\/debatte\/kommentar\/artikel\/1\/wie-geht-es-uns-herr-kueppersbusch-eaf2546f<\/a>\u201c vom 30.8.2010)<\/p>\n<p>And now for something completely different, wie es schon bei Monty Python hei\u00dft: Margreth L\u00fcnenborg ist Journalistik-Professorin an der FU Berlin und\u00a0 pl\u00e4diert seit Jahren f\u00fcr eine kulturorientierte Journalismusforschung, im weiten Sinne von Kultur u.a. der Cultural Studies. Derzeit sieht sie \u2013 sehr erkl\u00e4rungskr\u00e4ftig, wie ich finde &#8211; im Journalismus und in anderen medialen Kommunikationsgattungen Tendenzen weiterer Ausdifferenzierung und zugleich Entdifferenzierung. L\u00fcnenborg nennt das \u201eHybridisierung\u201c mit Akzent auf den \u00dcberg\u00e4ngen von (bisher oder sonst) eher Getrenntem\u00a0 (Quelle: JournalistikJournal, Heft 1\/2010, Dortmund, S.10f.).\u00a0 Vor allem kulturell-technisch sind weitere Teilungen und Neu-Schaffungen m\u00f6glich und auch schon wirklich: Sparten-Medien mit immer genaueren Publikumsansprachen, Teil- und Mikro\u00f6ffentlichkeiten, neue Formate und (Sub-)Genres, neue Rollen journalistischen Arbeitens (Blogs, Nutzung sozialer Netzwerke, so verschiedene Internet-Plattformen wie YouTube oder Wikileaks etc.), Aktivierung durch Interaktivit\u00e4t. Zugleich lassen sich Prozesse der Entdifferenzierung beobachten, oft \u00f6konomisch oder machtpolitisch induziert, wie die Beispiele des gegenseitigen Austauschens hoher oder sogar h\u00f6chster Vertreter von Journalismus und \u00d6ffentlichkeitsarbeit (Ulrich Wilhelm, Steffen Seibert u.a.) oder auch jene der Zusammenlegung von Ressorts, ja von ganzen Medien zeigen. Solche Wandlungen sind auch L\u00fcnenborg zufolge gesellschaftlich-kulturell zu verorten: \u201eMithin sind sie nicht als subjektgebundene Handlungsmuster angemessen zu erfassen.\u201c Eine im weiten Sinne kulturorientierte Journalistik nimmt als integrative also \u201eProduktionsbedingungen von Journalismus ebenso in den Blick\u201c wie sprachliche, visuelle und oder auch narrative Vermittlungsweisen. L\u00fcnenborg weist darauf hin, dass es f\u00fcr die Journalistik nicht um die Dichotomie in den Ans\u00e4tzen zwischen sozialwissenschaftlich (meist quantitativ, also\u00a0 empirisch-messend zur Wirklichkeitsbeschreibung) versus kulturwissenschaftlich (oft qualitativ, mithin deutend-interpretativ zum Wirklichkeitsverstehen) gehe, was in der deutschen Wissenschaftslandschaft oft die (sozialwissenschaftliche) Kommunikationswissenschaft der (kulturwissenschaftlichen) Medienwissenschaft gegen\u00fcberstellte. Das hei\u00dft auch: Kultur als allgemeinste menschliche Verkehrsform, Kommunikation und Medien sind auf Makro- (Gesellschafts-), Meso-(Institutionen), Mikro-(Individuen) und sogar Nano-Ebene (innerhalb der einzelnen Menschen) aufeinander bezogen. Wir sollten auch Journalismus integrativ und prozessual verstehen, wegkommen von der tradierten Kommunikator-Zentrierung (was ja auch ganz praktisch im Journalismus geschieht). In den Mittelpunkt r\u00fccken dann die Medienproduktion, die jeweiligen Texte und Kontexte, aber nicht zuletzt auch die Rezeption und Aneignung in \u201ealltagsgebundenen Kontexten.\u201c Bleiben wir dran!<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1.)\u00a0\u00a0 Thilo Sarrazin und seine umstrittenen migrationspolitischen \u00c4u\u00dferungen sind ein wichtiges Medien-Thema dieser Wochen. 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