{"id":761,"date":"2016-10-26T16:04:56","date_gmt":"2016-10-26T15:04:56","guid":{"rendered":"http:\/\/blogs.hmkw.de\/HierMagKritisiertWerden\/?p=761"},"modified":"2016-10-26T16:07:27","modified_gmt":"2016-10-26T15:07:27","slug":"wer-leistet-sich-hier-was","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/blogs.hmkw.de\/HierMagKritisiertWerden\/?p=761","title":{"rendered":"Wer leistet (sich) hier was?"},"content":{"rendered":"<p>1.) Angela Merkel sprach &#8222;Google&#8220; und &#8222;Facebook&#8220; nicht direkt an w\u00e4hrend ihrer Rede zur Er\u00f6ffnung der Medientage in M\u00fcnchen (http:\/\/www.handelsblatt.com\/unternehmen\/it-medien\/medientage-in-muenchen-merkel-fordert-mehr-transparenz-von-internetplattformen\/14739656.html., Aufruf am 26.10.2016 um 13.39 Uhr). Aber sie sagte immerhin, dass die gro\u00dfen Plattformen sich mit ihren Algorithmen zunehmend \u201ezum Nadel\u00f6hr f\u00fcr die Vielfalt der Anbieter\u201c entwickelten. Dies k\u00f6nne erhebliche wirtschaftliche Folgen f\u00fcr andere Medien haben und deren Existenz bedrohen. Und in der Tat: Google und Facebook, die beiden gro\u00dfen Internet-Konzerne, werden seit Jahren immer wieder aufgefordert, sich nicht zuletzt an der Finanzierung von Journalismus nachhhaltig zu beteiligen.<\/p>\n<p><strong><em>Capitalism reloaded<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Die aktuelle Einsch\u00e4tzung des EU-Kommissars f\u00fcr Digitale Wirtschaft und Gesellschaft, G\u00fcnther H. Oettinger (ebenfalls von der CDU), scheint klar (vgl. http:\/\/www.inforadio.de\/programm\/schema\/sendungen\/medienmagazin\/201610\/68277.html; Aufruf am 26.10.2016): Vor allem Google generiert Milliarden mit Inhalten europ\u00e4ischer Verlage. Vielen Nutzern scheint das &#8222;kostenlose&#8220; Angebot an Snippets (Nachrichtenschnippseln) von automatisierten Aggregatoren wie eben &#8222;Google News&#8220; zu reichen. Ein europ\u00e4isches Leistungsschutzrecht soll nun laut Oettinger den Verlagen endlich garantieren, ihr angemessenes St\u00fcck vom Kuchen zu bekommen. Der Kommissar: &#8222;Kapitalismus von heute hei\u00dft: Werbestrategien von Onlineplattformen&#8220;. (Und er bedeutet, denke ich, sicher auch die dar\u00fcber hinausgehende Sammlung und den Verkauf von Daten). Doch Verlage profitieren insofern bereits von Google, da viele Nutzer \u00fcber die Suchergebnisse den Weg zu Inhalten auf den Verlagsplattformen (und der dortigen Werbung oder eben den Bezahlschranken) finden.<br \/>\nBesonders intensiv wird zur Zeit mal wieder \u00fcber ein europ\u00e4isches Leistungschutzrecht diskutiert, das vor allem gegen\u00fcber Google finanzielle Anspr\u00fcche geltend machen k\u00f6nnte, da die Suchmaschine schlie\u00dflich mit Verlagsinhalten Milliarden Werbeerl\u00f6se erzielt. Das hierzulande bisher bestehende Leistungsschutzrecht funktioniert kaum. Verlage geben Google Gratislizenzen, um in den Suchmaschinenergebnissen zu bleiben. Weltweit sollen die Medienkonzerne andererseits momentan etwa 10 Milliarden Euro pro Jahr durch Google-Werbung zus\u00e4tzlich in die Kassen bekommen. <\/p>\n<p><strong><em>Globalisierung als Problem<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Ich denke, dass auch ein solches Recht als soziale Errungenschaft am ehesten international oder global durchzusetzen w\u00e4re, um weltweite Wegtauch-Bewegungen (wie bei der tradierten &#8222;Steuervermeidung&#8220;) vom &#8222;scheuen Reh&#8220; (dem Kapital) zu verhindern. Globale Konzerne m\u00fcssten meines Erachtens durch globale Politik, Kultur und Recht reguliert werden, wenn das \u00fcberhaupt gelingen soll. Last but not least: Wer erbringt die Leistungen? Vor allem wir Journalisten. Wir sind die &#8222;Arbeitgeber&#8220;, die Konzerne und Leitungsebenen doch eher &#8222;Arbeitsplatzgeber&#8220;, falls wir in dieser Medienwelt von Selbst\u00e4ndigkeit und Scheinselbst\u00e4ndigkeit noch von &#8222;Arbeitspl\u00e4tzen&#8220; reden wollen. Diese Leistungen der Journalisten sollten Oettinger, Merkel &#038; Co. besser sch\u00fctzen, zum Beispiel mit Blick auf die Mehrfach- und Endlosverwertungen unserer Leistungen oder auch hinsichtlich prek\u00e4rer (werdender) Arbeitswelten. Statt dessen spricht die Kanzlerin in M\u00fcnchen dar\u00fcber, dass feste Arbeitsverh\u00e4ltnisse f\u00fcr die n\u00f6tige Flexibilit\u00e4t in der Branche doch eher hinderlich seien. Tolle Leistung!<\/p>\n<p><strong><em>Anti-europ\u00e4isch oder EU-skeptisch?<\/em><\/strong><\/p>\n<p>2.) Sprachkritisch fiel mir in den Tagesthemen vom 13.10. im Beitrag zum Tod von Literaturnobelpreistr\u00e4ger Dario Fo folgender Satz von Korrespondent Richard C. Schneider auf: &#8222;In den letzten Jahren schloss er sich der anti-europ\u00e4ischen F\u00fcnf-Sterne-Bewegung an&#8220;. Das finde ich doppelt \u00fcberzogen: Fo &#038; Co. hatten die EU gemeint und insbesondere deren Politik sowie Spitzenpersonal. Und &#8222;anti-&#8220; scheint mir auch zu schwarz-wei\u00df gemalt und w\u00fcrde als schlichte und schlechte Gegenthese dem Dialektiker Fo kaum gerecht. Warum nicht einfach &#8222;EU-kritisch&#8220; oder &#8222;EU-skeptisch&#8220; texten? Weil es zu komplex kl\u00e4nge? W\u00e4re schade und dann doch leider wieder ziemlich von oben herab geschrieben. In dem Falle nicht nur auf Fo und seine Mitstreiter hinabgeschaut.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1.) 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