{"id":716,"date":"2016-06-23T21:25:56","date_gmt":"2016-06-23T20:25:56","guid":{"rendered":"http:\/\/blogs.hmkw.de\/HierMagKritisiertWerden\/?p=716"},"modified":"2016-06-23T22:18:14","modified_gmt":"2016-06-23T21:18:14","slug":"der-kritik-herr-werden","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/blogs.hmkw.de\/HierMagKritisiertWerden\/?p=716","title":{"rendered":"Der Kritik Herr werden?"},"content":{"rendered":"<p>1.) ZDF-Intendant Dr. Thomas Bellut hat auf meine Eingabe vom Mai nun im Juni schriftlich geantwortet. Ich hatte kritisiert, dass in der Politbaromometerumfrage von drei wichtigen US-Kandidaten f\u00fcr die kommende Pr\u00e4sidentschaft Bernard &#8222;Bernie&#8220; Sanders schlicht nicht ber\u00fccksichtigt wurde. Ich monierte, dass der Sender damit meines Erachtens mal wieder eine klassische &#8222;\u00dcber-Vereinfachung&#8220; praktiziert hatte &#8211; nach dem Motto: &#8222;Den Sanders kennt hierzulande ohnehin kaum jemand &#8211; und wir wollen unser Publikum ja nicht \u00fcberfordern &#8230;.&#8220;  <\/p>\n<p><strong><em>Ein Duell handelt wie ein Mensch &#8230;.<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Bellut schreibt, er habe mit Bedauern zur Kenntnis genommen, dass ich mit &#8222;unserer Berichterstattung nicht zufrieden war&#8220;. Das trifft es leider nicht, denn das ZDF hat ja an der Stelle nicht &#8222;Bericht erstattet&#8220;, sondern mit seiner Fragestellung (durch Politbarometer-Redaktion und Forschungsgruppe Wahlen e.V.) Wirklichkeit ganz konkret selbst erschaffen &#8211; &#8222;die Deutschen sind sich hier weitgehend einig &#8211; 90 Prozent w\u00fcrden Hillary Clinton w\u00e4hlen&#8220;. Bellut argumentiert, &#8222;dass sich die US-Amerikaner am 8.11.2016 mit sehr gro\u00dfer Wahrscheinlichkeit&#8220; zwischen Clinton und Trump &#8222;entscheiden werden m\u00fcssen&#8220;. Das habe ich nie bezweifelt &#8211; das Problem aber liegt hier: Der Intendant meint, &#8222;somit r\u00fcckt auch in Deutschland das Duell Trump\/Clinton immer mehr in den medialen und \u00f6ffentlichen Fokus&#8220;. Nein, dieses Duell selbst ist kein Akteur, der gleichsam naturgesetzlich diesen Weg ginge. Es sind nicht zuletzt wir Medienmacher, die mediale Realit\u00e4t schaffen &#8211; nat\u00fcrlich nicht willk\u00fcrlich, aber ganz gewiss immer mit Spielr\u00e4umen. Die ZDF-Mitarbeiter r\u00fcckten an jener Stelle im Mai ihre einfachste Version des Wahlkampfzwischenstandes in den Fokus. Und blendeten den ziemlich \u00fcberraschend ziemlich erfolgreichen Sanders leider komplett aus.<\/p>\n<p><strong><em>Lieber kritische Nutzer als gar keine!<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Thomas Bellut bedankt sich aber immerhin h\u00f6flich &#8222;f\u00fcr die kritische Begleitung unserer Sendungen&#8220;. Er schreibt abschlie\u00dfend, er freue sich, wenn ich dem Sender &#8222;auch weiterhin als interessierter und durchaus kritischer Zuschauer erhalten&#8220; bleibe. Viel mehr darf man bei der aktuellen Verfasstheit der hiesigen \u00f6ffentlich-rechtlichen Sender vermutlich nicht erwarten als offizielle Reaktion der Leitung auf sachliche Kritik. Ich hoffe und gehe davon aus, dass intern solche Anst\u00f6\u00dfe durchaus differenzierter diskutiert werden. Wichtig w\u00e4re es sicher &#8211; nicht zuletzt im eigenen Interesse des ZDF.<\/p>\n<p><strong><em>Junge Leute wenden sich von TV-Nachrichten ab<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Denn dass das deutsche Fernsehen im Bereich Nachrichten &#8211; laut aktueller Zusammenfassung des Hans-Bredow-Institutes an der Uni Hamburg mit Blick auf den Reuters Institute Digital News Survey 2016 (siehe http:\/\/www.xing-news.com\/reader\/news\/articles\/322441?link_position=digest&#038;newsletter_id=14060&#038;xng_share_origin=email; Aufruf am 23.6.2016 um 21.30 Uhr) &#8211; gerade bei jungen Leuten deutlich verliert, verwundert auch daher kaum. \u00dcbrigens ganz im Gegensatz zum bald 75-j\u00e4hrigen Politiker Sanders, der als alter wei\u00dfer Mann ganz gegen vermeintliche Trends gerade bei jungen und klugen Leuten enorm punktet, nicht nur in den USA.<br \/>\nDie Nachrichtennutzung in der Gruppe der 18- bis 24-J\u00e4hrigen Deutschen ist laut Bredow-Institut\/Reuters im Vergleich zum Vorjahr mit deutlichem Abstand bei keinem Medium so stark zur\u00fcckgegangen wie beim Fernsehen (-18 Prozentpunkte). Dagegen hielten sich Radio (-7 Prozentpunkte), Printmedien (-8 Prozentpunkte) und Internet (-4 Prozentpunkte) vergleichsweise stabil. Vielleicht sollte auch die ZDF-Leitung kritische Nutzer, die eben nicht nur passive &#8222;Zuschauer&#8220; sind, doch mehr auf Augenh\u00f6he ernstnehmen &#8211; und sich weniger von einem gewissen Sendungsbewusstsein leiten lassen. Welches (nicht nur mir zumindest) leider immer noch und immer wieder ziemlich elit\u00e4r und arrogant erscheint. <\/p>\n<p><strong><em>Herr, gib uns Sprachfertigkeiten!<\/em><\/strong><\/p>\n<p>b) Sprachkritisch durch das Kaleidoskop betrachtet: Am 15.6.2016 um 9.25 Uhr sagte die RBB-Inforadio-Reporterin: &#8222;Die Mitarbeiter der Beh\u00f6rde hier konnten dem Ansturm nicht Herr werden.&#8220; <\/p>\n<p>Auch das &#8222;Herr werden&#8220; ist laut Bastian Sick (http:\/\/www.spiegel.de\/kultur\/zwiebelfisch\/zwiebelfisch-wir-gedenken-dem-genitiv-a-344543.html, Aufruf am 15.6.2016, 16.25 Uhr) eine verbale Konstruktion, in der der Genitiv (noch) herrscht, aber immer h\u00e4ufiger vom Dativ bedr\u00e4ngt wird. Als die Stadt Bern drastische Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung einer Kr\u00e4henplage beschloss, schrieb eine Hamburger Boulevardzeitung: &#8222;Um dem lauten Gekr\u00e4chze und all dem Dreck Herr zu werden, setzt die Stadt nun rote Laserstrahlen gegen die schwarzen V\u00f6gel ein.&#8220; Nicht erst seitdem zerbrechen sich Genitiv-Freunde den Kopf dar\u00fcber, wie man des Problems hinter dem Herrwerden noch Herr werden kann.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1.) ZDF-Intendant Dr. Thomas Bellut hat auf meine Eingabe vom Mai nun im Juni schriftlich geantwortet. Ich hatte kritisiert, dass in der Politbaromometerumfrage von drei wichtigen US-Kandidaten f\u00fcr die kommende Pr\u00e4sidentschaft Bernard &#8222;Bernie&#8220; Sanders schlicht nicht ber\u00fccksichtigt wurde. 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