{"id":690,"date":"2016-06-01T21:56:23","date_gmt":"2016-06-01T20:56:23","guid":{"rendered":"http:\/\/blogs.hmkw.de\/HierMagKritisiertWerden\/?p=690"},"modified":"2016-06-01T21:56:23","modified_gmt":"2016-06-01T20:56:23","slug":"wechselstuben-und-testballons","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/blogs.hmkw.de\/HierMagKritisiertWerden\/?p=690","title":{"rendered":"Wechselstuben und Testballons"},"content":{"rendered":"<p>1.) Und wieder ist jemand gewechselt &#8222;auf die andere Seite&#8220; (der Medaille), in diesem Falle von der Journalistin zur stellvertretenden Regierungssprecherin, wie Vizekanzler und SPD-Vorsitzender Sigmar Gabriel verk\u00fcndete (http:\/\/www.xing-news.com\/reader\/news\/articles\/292677?link_position=digest&#038;newsletter_id=13388&#038;xng_share_origin=email, Aufruf am 31.5.2016, 18.48 Uhr). Ulrike Demmer war nach Jura-Studium unter anderem f\u00fcr ZDF, Spiegel und Focus t\u00e4tig. Zuletzt leitete sie das Hauptstadtb\u00fcro des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND) der Mediengruppe Madsack. Gabriel erkl\u00e4rte: \u201eMit Ulrike Demmer wird eine erfahrene, vielfach preisgekr\u00f6nte und hervorragend vernetzte Journalistin neue stellvertretende Regierungssprecherin.\u201c Das meint der Politiker sicher nicht ironisch. Und er hat gewiss, wie Angela Merkel mit Steffen Seibert, aus Sicht der herrschenden Politik alles richtig gemacht mit dieser Wahl.<\/p>\n<p><strong><em>Magnet Auftragskommunikation<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Nein, es ist kein Neid auf solchen Karriereschritt, wenn man auf strukturelle Probleme der Verh\u00e4ltnisse zwischen Journalismus und Auftragskommunikation hierzulande hinweist: Formulieren wir es dezent am (leider eher seltenen) positiven Beispiel: Marietta Slomka wird in diesem Leben sicher nicht mehr Sprecherin von Sigmar Gabriel &#8211; einfach, weil sie in Interviews mit ihm schon einige Male ziemlich gut ihren Job gemacht hat &#8211; als Journalistin. Also distanziert und auch kritisch, manchmal sogar investigativ-nachbohrend. Damit ist mensch freilich nicht zum Pressesprecher geboren &#8230;<\/p>\n<p><strong><em>Zeitung f\u00fcr Deutschland und Alternative f\u00fcr Deutschland<\/em><\/strong><\/p>\n<p>2.) Alexander Gauland ist seit Jahrzehnten bundesdeutscher Polit- und Medienprofi, und er kommt (oder kam doch) in vieler Hinsicht ziemlich direkt aus der Mitte dieser Gesellschaft (CDU Hessen, Leiter der Staatskanzlei in Wiesbaden, Zeitungsherausgeberschaft etc.). Deswegen ist auch sein j\u00fcngster &#8222;Fall&#8220; mit ihm zugeschriebenen abwertenden \u00c4u\u00dferungen \u00fcber den Fu\u00dfballer und Bundesb\u00fcrger J\u00e9rome Boateng lehrreich. Die FAS schreibt: &#8222;Gauland sagte dieser Zeitung: \u201eDie Leute finden ihn als Fu\u00dfballspieler gut. Aber sie wollen einen Boateng nicht als Nachbarn haben.\u201c&#8220; (http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/inland\/afd-vize-gauland-beleidigt-jerome-boateng-14257743.html, Aufruf am 1.6.2016, 21.06 Uhr; vgl. http:\/\/www.tagesschau.de\/inland\/gauland-presse-regeln-101.html; Aufruf am 1.6.2016, 21.43 Uhr). Er habe in der vorigen Woche ein &#8222;als vertraulich klassifiziertes Hintergrundgespr\u00e4ch&#8220; mit den beiden FAS-Redakteuren gef\u00fchrt, schrieb Gauland laut &#8222;tagesschau&#8220; in einer Rundmail an seine Parteifreunde. Der AfD-Vize rede dann vom &#8222;Bruch aller Regeln&#8220; seitens der Zeitung, durch den der Partei ein Schaden entstanden sei. Er habe rechtliche Schritte gegen die &#8222;FAS&#8220; angek\u00fcndigt, um eine Unterlassungserkl\u00e4rung der Zeitung zu erwirken. <\/p>\n<p><strong><em>Vertraulichkeit und Tats\u00e4chlichkeit<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Zwei Aspekte aus dem Pressekodex sind interessant: Laut Ziffer 5 ist &#8222;die vereinbarte Vertraulichkeit grunds\u00e4tzlich zu wahren&#8220;. Und gem\u00e4\u00df Richtlinie 2.4.(Sorgfalt &#8211; Interview) gilt: &#8222;Ein Wortlautinterview ist auf jeden Fall journalistisch korrekt, wenn es das Gesagte richtig wiedergibt.&#8220; Beides wird absehbar eine Glaubensfrage bleiben &#8211; war komplett ein Hintergrundgespr\u00e4ch &#8222;unter 3&#8220; vereinbart? Also entsprechend dem Brauch vor allem vieler Berliner &#8222;Hauptstadtjournalisten&#8220; (Bundespressekonferenz) nur zur vertraulichen Information? Und was ist tats\u00e4chlich gesagt worden? Dass einer von beiden Seiten oder gar beiden Parteien einfach handwerkliche Fehler unterlaufen sind, halte ich f\u00fcr wenig wahrscheinlich. Beide Seiten d\u00fcrften auch hier vor allem strategisch agiert haben &#8211; wozu Testballons und Provokationen in Zeiten umk\u00e4mpfterer Ressourcen und daher d\u00fcnnerer Luft gewiss z\u00e4hlen.<\/p>\n<p><strong><em>&#8222;Boateng-\u00c4u\u00dferung&#8220;?<\/em><\/strong><\/p>\n<p>3.) Zum sprachkritischen &#8222;Kaleidoskop&#8220;: n-tv schlagzeilte am 31.5.2016 um 13.16 Uhr: &#8222;Weiter Wirbel um Boateng-\u00c4u\u00dferung&#8220;. Das ist \u00e4hnlich schief formuliert wie ihrerzeit die scheinbaren &#8222;D\u00f6ner-Morde&#8220;. Damals haben keine D\u00f6ner gemordet, und heute ist keine \u00c4u\u00dferung gemeint, die J\u00e9rome Boateng get\u00e4tigt h\u00e4tte. Warum schreibt man nicht &#8222;Gauland-\u00c4u\u00dferung&#8220;? Das erscheint mir deutlich pr\u00e4ziser als die gesendete Version.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1.) Und wieder ist jemand gewechselt &#8222;auf die andere Seite&#8220; (der Medaille), in diesem Falle von der Journalistin zur stellvertretenden Regierungssprecherin, wie Vizekanzler und SPD-Vorsitzender Sigmar Gabriel verk\u00fcndete (http:\/\/www.xing-news.com\/reader\/news\/articles\/292677?link_position=digest&#038;newsletter_id=13388&#038;xng_share_origin=email, Aufruf am 31.5.2016, 18.48 Uhr). 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