{"id":658,"date":"2016-05-18T11:33:11","date_gmt":"2016-05-18T10:33:11","guid":{"rendered":"http:\/\/blogs.hmkw.de\/HierMagKritisiertWerden\/?p=658"},"modified":"2016-05-18T11:41:16","modified_gmt":"2016-05-18T10:41:16","slug":"umfragen-oder-ansagen-jedenfalls-im-sanders-verlaufen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/blogs.hmkw.de\/HierMagKritisiertWerden\/?p=658","title":{"rendered":"Umfragen oder Ansagen? Jedenfalls im Sanders verlaufen &#8230;"},"content":{"rendered":"<p>1.) Offener Brief und Programmbeschwerde an die ZDF-Verantwortlichen<\/p>\n<p>Sehr geehrter Herr ZDF-Fernsehratsvorsitzender Polenz, sehr geehrter Herr Intendant Dr. Bellut, <\/p>\n<p>hiermit m\u00f6chte ich eine Programmbeschwerde einreichen mit Blick auf Ihre Sendung &#8222;Politbarometer&#8220; ausgangs des heute-journals am 13.5.2016, 22.28 Uhr im ZDF. Ich beziehe mich auf \u00a7 5, Absatz (1) des aktuellen ZDF-Staatsvertrages, den ich hier als wichtigen Programmgrundsatz verletzt sehe:<br \/>\n&#8222;In den Angeboten des ZDF soll ein objektiver<br \/>\n\u00dcberblick \u00fcber das Weltgeschehen, insbesondere ein<br \/>\numfassendes Bild der deutschen Wirklichkeit vermittelt<br \/>\nwerden. Die Angebote sollen eine freie individuelle<br \/>\nund \u00f6ffentliche Meinungsbildung f\u00f6rdern.&#8220;<\/p>\n<p><strong><em>Sanders ist w\u00e4hlbar<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Vorab m\u00f6chte ich der Transparenz wegen erkl\u00e4ren, dass ich Programm und Pers\u00f6nlichkeit von Bernard &#8222;Bernie&#8220; Sanders in vieler Hinsicht sehr \u00fcberzeugend finde und ihn, wenn ich das k\u00f6nnte, sicherlich auch w\u00e4hlen w\u00fcrde.<br \/>\nZur Sache: Moderator Matthias Fornoff erkl\u00e4rte ausgangs dieser Sendung, bei aller Uneinigkeit seien sich die Deutschen in einer Frage doch fast einig: Wenn sie gefragt werden, wen sie gerne als n\u00e4chsten US-Pr\u00e4sidenten s\u00e4hen, dann antworteten 90 Prozent von ihnen &#8222;Hillary Clinton&#8220;, &#8222;magere&#8220; drei Prozent &#8222;Donald Trump&#8220;. Zu sehen war dann, dass als dritte Antwortm\u00f6glichkeit vorgegeben war: &#8222;wei\u00df nicht&#8220;, was sieben Prozent angekreuzt h\u00e4tten. &#8222;Das ist mal deutlich&#8220;, sagte Forndran.<br \/>\nF\u00fcr mich ist das vor allem ein deutliches Beispiel, wie Medien Wirklichkeit \u00fcbervereinfachend (re-)konstruieren. Wieso wird die einfache und letzte weitere M\u00f6glichkeit, die es derzeit tats\u00e4chlich (noch) gibt, n\u00e4mlich &#8222;Bernie&#8220; Sanders, nicht einmal erw\u00e4hnt? In der aktuellsten vorliegenden US-weiten Umfrage (13.5.2016), in diesem Fall der &#8222;Huffingtonpost&#8220; (http:\/\/elections.huffingtonpost.com\/pollster#2016-general-election; Aufruf am 14.5.2016, 0.30 Uhr), liegt Hillary Clinton gegen\u00fcber Donald Trump nur &#8222;magere&#8220; sechs Prozentpunkte vorne (44:38), w\u00e4hrend &#8222;Bernie&#8220; Sanders gegen denselben Trump sogar mit 13 Prozentpunkten f\u00fchrt (51:38). Dieser Sanders scheint also kein irrelevantes Randph\u00e4nomen zu sein, zumindest in der &#8222;wirklichen&#8220; Realit\u00e4t. Er hat mit seinem Team bisher als Unabh\u00e4ngiger in 20 Bundesstaaten und bei den &#8222;Democrats abroad&#8220; die Vorwahlen der demokratischen Partei gewonnen. Und er sagt, er wolle weitermachen.<\/p>\n<p><strong><em>Vom Mitdenken und Antworten ausgeschlossen<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Wenn ich gefragt worden w\u00e4re (ich bin auch schon einmal interviewt worden von der Forschungsgruppe &#8222;Wahlen&#8220;), dann h\u00e4tte ich im Rahmen Ihres merkw\u00fcrdigen Rasters schlicht nicht antworten k\u00f6nnen, obwohl (oder eben: weil) ich recht genau Bescheid wei\u00df \u00fcber den laufenden US-Vorwahlkampf und dessen mediale Vermittlungen.<br \/>\nIch nehme diese scheinbare Kleinigkeit deswegen zum Anlass meiner Programmbeschwerde, weil ich hier wieder und weiterhin wie im Brennglas Aspekte eines durchaus elit\u00e4ren Sendens erkenne, die zu Beschimpfungen wie &#8222;L\u00fcgenpresse&#8220; zumindest beitragen (m\u00f6gen). Einerseits zeigt sich hier \u00fcberdeutlich, dass Umfragen in der Regel genau jene Resultate ergeben, welche die Fragesteller &#8222;erwarten&#8220;. Auch das strikt empirische Sozialforschen ist nie neutral und beeinflusst, ja bestimmt die Wirklichkeit, die es nur abzubilden behauptet. Aber dennoch w\u00e4re Objektivierung (wenn schon nicht Objektivit\u00e4t) bei solchen Fragen doch m\u00f6glich: Wenn hier im konkreten Beispiel auch der \u00fcberraschend erfolgreiche, aber nicht-etablierte Kandidat Sanders zum m\u00f6glichst objektiven \u00dcberblick per Perspektivenwechsel hinzuk\u00e4me, neben den Etablierten (Clinton als etablierte Politikerin, Trump als etablierter Milliard\u00e4r) und also in Erg\u00e4nzung zu den in vielen wichtigen, gro\u00dfen Medien durchaus \u00dcber-Repr\u00e4sentierten.<\/p>\n<p><strong><em>Eliten und Etablierte<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Grunds\u00e4tzlich gesagt, im Aufgreifen von Argumenten des Publizistik-Wissenschaftlers Otfried Jarren (Z\u00fcrich) (in seinem Aufsatz &#8222;Journalismus &#8211; unverzichtbar?!&#8220; aus der Fachschzeitschrift &#8222;Publizistik&#8220; vom 11.3.2015, S.113-122): Der moderne Journalismus war und ist aus nachvollziehbaren historischen und systematischen Gr\u00fcnden ein ziemlich elit\u00e4res Projekt, bezogen auf m\u00e4chtige wirtschaftliche, politische und kulturelle Tendenzen in den jeweiligen Gesellschaften. Das sollten gerade (wir als) Medienschaffende selbstkritisch erkennen und damit Demokratisierung als st\u00e4ndige Aufgabe begreifen. Anders formuliert: Journalisten sollten ihre Artikulationsfunktion (als oft und offenbar untersch\u00e4tzter Teil der \u00f6ffentlichen Aufgabe journalistischer Medien entsprechend den Landespresse- und sonstigen Mediengesetzen) hinsichtlich m\u00f6glichst vieler sozialer Str\u00f6mungen besser erf\u00fcllen als bisher gewohnt. Das hei\u00dft nicht, &#8222;L\u00fcgenpresse&#8220;-Rufern nach dem Munde zu reden &#8211; aber das sollte zum Beispiel hei\u00dfen, wichtige gesellschaftliche Entwicklungen wie das &#8222;Feel the Bern&#8220; nicht einfach (ob nun bewusst oder unbewusst) &#8222;auszublenden&#8220; (weil den ja hierzulande eh\u00b4 keiner kennen w\u00fcrde etc.).<br \/>\nWir als Journalisten sollten m\u00f6glichst umfassende und hinreichend differenzierte Angebote machen, die &#8211; siehe oben &#8211; &#8222;eine freie individuelle und \u00f6ffentliche Meinungsbildung f\u00f6rdern&#8220;. In dem Sinne sind Umfragen wie die hier von mir kritisierte sicher kein Schritt in Richtung von Kommunikation auf Augenh\u00f6he mit den Nutzern. Genau darin aber sieht \u00fcbrigens Jarren (und nicht nur er) eine der Zuk\u00fcnfte von Journalismus.<\/p>\n<p><strong><em>Zu wenig Platz zum Mitreden?<\/em><\/strong><\/p>\n<p>PS: Ich musste Ihnen diese Kritik auch als pers\u00f6nliche Mail senden, weil Ihr ZDF-Beschwerdeformular nur maximal 5000 Zeichen zul\u00e4sst. Vielleicht auch bezeichnend? Eine Schm\u00e4hkritik mag weniger als 5000 Zeichen umfassen, eine hoffentlich konstruktive Analyse in dem Falle aber mehr. Wie gesagt &#8211; wom\u00f6glich offener sein und auf die Prinzipien \u00d6ffentlichkeit und Gleichbehandlung setzen &#8230;.<\/p>\n<p><strong><em>Entspr\u00e4che das den Erfordernissen?<\/em><\/strong><\/p>\n<p>2.) Zum sprachkritischen Kaleidoskop: Noch ein Beitrag zum Thema &#8222;S\u00fcperkritisch&#8220;: In der MAZ vom 4.4.2016, Seit 11, hie\u00df es im Bericht von Nina May: &#8222;Es (das Gedicht von B\u00f6hmermann, SeK) entspr\u00e4che &#8222;nicht den Anspr\u00fcchen, die das ZDF an die Qualit\u00e4t von Satiresendungen stellt&#8220;, hei\u00dft es&#8220;.<br \/>\nSchade gerade auf der Medienseite und bei Medienkritik &#8211; es muss nat\u00fcrlich in dieser informationsbetonten Form hei\u00dfen: &#8222;entspreche&#8220;, also Konjunktiv I der indirekten Rede. &#8222;Entspr\u00e4che&#8220; w\u00e4re Konjunktiv II, was als Bewertung im Kommentar etc. viel eher passte (Konjunktiv II &#8211; oder eben: passen w\u00fcrde) &#8211; aber leider nicht hier, im sachlich sein sollenden Bericht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1.) 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