{"id":65,"date":"2010-11-16T15:10:00","date_gmt":"2010-11-16T15:10:00","guid":{"rendered":"http:\/\/writers.hmkw.de\/?p=65"},"modified":"2011-12-22T08:04:29","modified_gmt":"2011-12-22T08:04:29","slug":"65","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/blogs.hmkw.de\/HierMagKritisiertWerden\/?p=65","title":{"rendered":""},"content":{"rendered":"<div>\n<p>1.) Frauen scheinen soziale Netzwerke wie vor allem Facebook und Youtube deutlich mehr als M\u00e4nner zu nutzen. Laut dapd ergab eine Studie von Tomorrow Focus Media mit 1099 Teilnehmern im Oktober 2010, dass knapp 70 Prozent aller Netzwerker Nutzerinnen sind. Weniger \u00fcberraschend, dass die Nutzerschaft \u00fcberwiegend jung ist \u2013 die Unter-30-J\u00e4hrigen machen mehr als 60 Prozent aus. Sagen die Befragten (vgl. BLZ 16.11.2010, S.30).<\/p>\n<p>2.) Der Axel-Springer-Verlag, der sich laut Kress-Mediendienst 2010 auf wirtschaftlichem Rekordkurs befindet, will neue Messungen der Nutzerzahlen zur besseren Festlegung der Anzeigenpreise. Vorstandschef Mathias D\u00f6pfner sagte, ihn interessiere die \u201emultimediale Reichweite einer Marke und ihrer Inhalte auf allen Plattformen.\u201c Dar\u00fcber verhandele Springer mit der IVW, der Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbetr\u00e4gern. Springer strebe an, 2017 die H\u00e4lfte seiner Ums\u00e4tze im digitalen Bereich zu erwirtschaften (vgl. BLZ 9.11.2010, S.26).<\/p>\n<p>3.) Volker Lilienthal, seit 2009 Augstein-Stiftungsprofessor an der Universit\u00e4t Hamburg und einer der angesehensten investigativen Journalisten in Deutschland, sieht die wichtige \u201erezeptive\u201c Seite des Journalismus unter Druck (vgl. Freitag, 2.9.2010, S.15): Journalisten sollten zun\u00e4chst fragen und zuh\u00f6ren, also mit verschiedenen relevanten Quellen reden k\u00f6nnen. Diese rezeptiven Anteile werden laut Lilienthal immer mehr verk\u00fcrzt &#8211; \u201eweil Mitarbeiter fehlen und weil das Produzieren wichtiger wird\u201c. So m\u00fcssen mittlerweile viele Journalisten gleich (in des Wortes doppelter Bedeutung) f\u00fcr mehrere Plattformen oder Kan\u00e4le produzieren. Andererseits wirken neben diesen vor allem betriebswirtschaftlichen Ver\u00e4nderungen auch technologische: Galten die Journalisten fr\u00fcher klar als Gate-Keeper, als Torw\u00e4chter der gesellschaftlichen Themensetzung (des \u201eAgenda Setting\u201c), hat sich dieses Hierarchieverh\u00e4ltnis mit Blick auf das Publikum \u201eumgedreht\u201c (so Lilienthal) oder doch zumindest eingeebnet (SeK). Allerdings springt auch Volker Lilienthal zu kurz, wenn er meint, unsere \u201eWertehierarchie\u201c stimme nun insofern nicht mehr, als wir Nutzer erwarteten, \u201edass journalistische Produkte, die Gehirnschmalz verlangen, bevor sie gut und genie\u00dfbar sind, im Internet umsonst zu haben sein sollen.\u201c<\/p>\n<p>Denn journalistische Beitr\u00e4ge sind seit langem (sp\u00e4testens seit Mitte des 19. Jahrhunderts) durch ihren widerspr\u00fcchlichen Doppelcharakter als Kulturgut und als Ware bestimmbar (worauf unter anderem Medien\u00f6konomen wie Klaus-Dieter Altmeppen oder Marie-Luise Kiefer hinweisen). Und deshalb sind journalistische Beitr\u00e4ge schon lange wesentlich \u201eWerbetr\u00e4ger\u201c. Das d\u00fcrfte auch im Internet leidlich funktionieren, wenn zum Beispiel vor den von \u201eReuters\u201c f\u00fcr die Online-Seite der \u201eFinancial Times Deutschland\u201c produzierten aktuellen journalistischen AV-Bericht seitens der FTD ein Werbespot f\u00fcr eine Versicherung geschaltet wird. Das Problem liegt damit historisch und systematisch tiefer als auf der aktuellen Ebene technischer Digitalisierung \u2013 es geht um die Frage, ob Journalismus in demokratisch verfassten Gesellschaften prim\u00e4r selbst Zweck oder aber prim\u00e4r Mittel zu anderen Zwecken (Erwerb und Erhalt von Geld\/Macht\/Ansehen etc.) sein soll. \u00d6konomisierung und Digitalisierung machen diese Widerspr\u00fcche sichtbarer, lassen sie dr\u00e4ngender erscheinen als zu fr\u00fcheren Zeiten, da deutsche Tageszeitungen gut damit leben konnten, etwa zwei Drittel ihres Umsatzes durch Werbefl\u00e4chenverkauf und nur den Rest durch Verkauf ihrer Inhalte an Leserinnen und Leser zu erzielen. Damit waren diese journalistischen Medien eben auch (zu etwa Dritteln) abh\u00e4ngig von der werbetreibenden Wirtschaft. Dass sich dies \u00e4ndert, kann durchaus als Chance f\u00fcr unabh\u00e4ngigeren Journalismus begriffen werden: Wenn wir den Kulturgut-Aspekt des Journalismus &#8211; im Vergleich zum Waren-Aspekt &#8211; auf vielf\u00e4ltige Weise (wieder) st\u00e4rken k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>4.) Die Info-Radio-Moderatorin (vom RBB) Sabine Porn sagte am 14.11. im Rahmen einer Diskussion zu Wirtschaftsfragen zu ihren Gespr\u00e4chspartnern: \u201eLassen Sie uns nach Indien schauen, weil dort steht das Problem ganz massiv.\u201c Lassen Sie uns noch mal durchatmen und das ins Deutsche \u00fcbersetzen, weil das ist wichtig! Weil der Fehler wird h\u00e4ufig gemacht!<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1.) Frauen scheinen soziale Netzwerke wie vor allem Facebook und Youtube deutlich mehr als M\u00e4nner zu nutzen. 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