{"id":411,"date":"2014-10-29T21:31:20","date_gmt":"2014-10-29T20:31:20","guid":{"rendered":"http:\/\/blogs.hmkw.de\/HierMagKritisiertWerden\/?p=411"},"modified":"2014-11-05T19:27:39","modified_gmt":"2014-11-05T18:27:39","slug":"schnipsel-oder-brosamen-fuer-den-journalismus-ein-problem-der-westlichen-welt","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/blogs.hmkw.de\/HierMagKritisiertWerden\/?p=411","title":{"rendered":"Schnipsel oder Brosamen f\u00fcr den Journalismus &#8211; ein Problem der &#8222;westlichen&#8220; Welt?"},"content":{"rendered":"<p>Von Sebastian K\u00f6hler<\/p>\n<p>1.) Zwei wichtige neue Ph\u00e4nomene im Bereich Online-Journalismus: <\/p>\n<p>A) Viele deutsche Verlage sind beim Leistungsschutzrecht gegen\u00fcber &#8222;Google&#8220; eingeknickt (siehe http:\/\/www.golem.de\/news\/gratiseinwilligung-fuer-google-verlage-knicken-beim-leistungsschutzrecht-ein-1410-110035.html, Aufruf am 29.10.2014,  21.05 Uhr): Die meisten in der VG Media (klar: dieser Gesellschaft geht es um Verwertung) organisierten Verlage wollen keine verk\u00fcrzte Darstellung ihrer Links bei Google hinnehmen, sondern dort weiterhin ohne Verg\u00fctung durch &#8222;Google&#8220; mit Snippets (kurzen Text-Schnipseln als Teasern) und Vorschaubildern zu sehen sein. Im Streit mit zahlreichen deutschen Verlagen um das Leistungsschutzrecht hat Google sich damit vorerst durchgesetzt. Die Verleger &#8222;sehen sich angesichts der \u00fcberw\u00e4ltigenden Marktmacht von Google zu diesem au\u00dfergew\u00f6hnlichen Schritt gezwungen&#8220;, hie\u00df es in einer Erkl\u00e4rung. Unklar blieb zun\u00e4chst, welche der 230 vertretenen Websites die Einwilligung abgegeben haben. Die VG Media vertritt auch die gro\u00dfen deutschen Medien-Verlage wAxel Springer, Burda, Funke, Madsack und M. DuMont Schauberg. Der Pr\u00e4sident des Bundeskartellamts, Andreas Mundt, hatte ohnehin den Verlegern wenig Hoffnungen auf Lizenzzahlungen gemacht. &#8222;Es l\u00e4sst sich nur schwer aus dem Leistungsschutzgesetz ableiten, dass Google die Verlagsinhalte mehr zu nutzen hat und daf\u00fcr Geld zahlen muss&#8220;, sagte der Beh\u00f6rdenchef auf einer Veranstaltung der Medientage M\u00fcnchen. Mundt r\u00e4umte jedoch auch ein, dass angesichts starker Player in der Digital\u00f6konomie die grunds\u00e4tzliche Frage gestellt werden d\u00fcrfe, ob die Instrumente der Kartellw\u00e4chter ausreichend seien und &#8222;ob wir schnell genug sind&#8220;. Eine spannende Frage bleibt damit, wo (neue) finanzielle Ressourcen f\u00fcr Journalismus herkommen sollen, wenn sich &#8222;Player&#8220; wie Google davon kraft ihrer fast schon monopolistischen St\u00e4rke praktisch komplett &#8222;freihalten&#8220; k\u00f6nnen und d\u00fcrfen.<\/p>\n<p>B) Der Axel-Springer-Konzern (siehe http:\/\/www.wsj.de\/nachrichten\/SB10700330261767394000404580240290858238662, Aufruf am 29.10.2014, 20.50 Uhr) will &#8211; ebenso wie die &#8222;New York Times&#8220; &#8211; das Gesch\u00e4ft mit Bezahl-Inhalten im Internet ausbauen. Die beiden Unternehmen investieren gemeinsam 3 Millionen Euro in das niederl\u00e4ndische Nachrichten-Start-up Blendle, das sich selbst als \u201ciTunes f\u00fcr Journalismus\u201d bezeichnet. Die Online-Plattform Blendle, die erst vor sechs Monaten an den Start gegangen ist, bietet Nutzern die M\u00f6glichkeit, digitale Inhalte auf Artikel-Basis zu erwerben. Blendle kooperiert mit den meisten gro\u00dfen Zeitungs- und Magazinverlagen in den Niederlanden und Belgien. Zuletzt hat das Unternehmen einen Deal mit dem Herausgeber des Wirtschaftsmagazins The Economist unterzeichnet. Artikel kosten im Schnitt 0,20 Euro, wovon der Herausgeber 70 Prozent beh\u00e4lt. 30 Prozent gehen also an die Plattform. \u201cAls Herausgeber wollen wir unsere Leser \u00fcberzeugen, f\u00fcr guten Journalismus zu bezahlen, auch im digitalen Zeitalter\u201d, sagte Springer-Chef Matthias D\u00f6pfner. Blendle habe das Potenzial, junge Internetnutzer anzuziehen. Zwei Kritikpunkte bleiben a) etwaiges Insiderwissen der neuen Mit-Eigent\u00fcmer \u00fcber die Verkaufszahlen der journalistischen Konkurrenz und b) wom\u00f6gliche Vorzugsbehandlung der Inhalte der neuen Mit-Eigent\u00fcmer auf der Plattform. Der Doppelcharakter als Inhalteanbieter und Mit-Vertreiber d\u00fcrfte sich auf neuer Stufenleiter als widerspr\u00fcchlich erweisen.  <\/p>\n<p>2.) Zum sprachkritischen Kaleidoskop: Im Text eines Reuters-Berichtes am 28.10.2014 hie\u00df es einleitend: &#8222;Australien hat angesichts der Ebola-Epidemie seine Sicherheitsvorkehrungen weiter versch\u00e4rft. Als erstes westliches Land will die Regierung in Canberra vor\u00fcbergehend keine Visa f\u00fcr Reisende aus den drei vom Ausbruch der Seuche betroffenen westafrikanischen L\u00e4ndern mehr ausstellen.&#8220; Australien als &#8222;westliches Land&#8220;? Klar, wir k\u00f6nnen verstehen, was gemeint sein d\u00fcrfte &#8211; aber da steht eben nicht &#8222;der westlichen Welt&#8220; oder &#8222;der westlichen Wertegemeinschaft&#8220;, sondern da steht der zun\u00e4chst geografische Terminus &#8222;westlich&#8220;. Nun gibt es sowohl von Berlin aus noch \u00fcberhaupt geopolitisch gesehen kaum Gebiete, die relativ und absolut weiter s\u00fcd-\u00f6stlich l\u00e4gen als Australien. Ich denke, es geht, historisch vom britischen Empire herkommend, heutzutage unter dem kulturellen Begriff &#8222;westlich&#8220; im wesentlichen um den Kreis der 34 OECD-Staaten (also u.a. USA, Kanada, GB, Frankreich, Deutschland, Italien, Spanien, Japan, Israel, Schweiz, aber eben auch Australien und Neuseeland, S\u00fcdkorea, Chile und Mexiko). L\u00e4nder also, die politisch demokratisch verfasst sind und die wirtschaftlich durch kapitalistische Marktwirtschaft gepr\u00e4gt sind. Es geht NICHT um gro\u00dfe L\u00e4nder wie China, Russland, Brasilien, Indien, S\u00fcdafrika (BRICS-Staaten) und erst recht nicht um eher kleinere L\u00e4nder wie Iran, Venezuela, Bolivien, Ekuador, Syrien, Kuba oder gar Nordkorea. Was also k\u00f6nnten wir mit Blick auf Australien sagen? Zum Beispiel statt &#8222;westlich&#8220;: als erstes der entwickelten Industriel\u00e4nder. Das ist zwar mit Blick gerade auf die BRICS-Staaten grenzwertig, aber meines Erachtens trennsch\u00e4rfer und erkl\u00e4rungskr\u00e4ftiger als die &#8222;westlich&#8220; auf den Kopf gestellte Geografie.  <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Sebastian K\u00f6hler 1.) 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