{"id":280,"date":"2013-10-09T20:28:44","date_gmt":"2013-10-09T19:28:44","guid":{"rendered":"http:\/\/blogs.hmkw.de\/HierMagKritisiertWerden\/?p=280"},"modified":"2013-10-09T20:28:44","modified_gmt":"2013-10-09T19:28:44","slug":"umschreiben-und-grosschreiben-schlagen-und-strafen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/blogs.hmkw.de\/HierMagKritisiertWerden\/?p=280","title":{"rendered":"Umschreiben und Gro\u00dfschreiben, Schlagen und Strafen"},"content":{"rendered":"<p>Von Sebastian K\u00f6hler<\/p>\n<p>1.) Am 10.10.2013 sollte die deutsche Ausgabe der \u201eHuffington Post\u201c starten, in Zusammenarbeit mit Focus Online. Als \u201eAriannas Maskottchen\u201c schien Ex-ZDF-Moma-Moderator Cherno Jobatey bereit zu stehen (siehe http:\/\/kress.de\/mail\/tagesdienst\/detail\/beitrag\/123425-ariannas-maskottchen-cherno-jobatey-wird-huffpo-herausgeber.html, Aufruf am 9.10.2013, 20.42 Uhr). Die Autoren auch der deutschen Ausgabe der Online-Zeitung werden f\u00fcr ihre Beitr\u00e4ge kein Geld bekommen. Vielmehr wirbt die HuffPo auch in deutscher Sprache damit, dass die Blogger ihre Reichweite durch prominente Nachbarschaft (in den USA z.B. Kirk Douglas oder Barack Obama als Zugpferde, in Deutschland wohl u.a. Boris Becker oder Ursula von der Leyen) erh\u00f6hen k\u00f6nnen. Stefan Niggemeier (vgl. FAS, 6.10.2013, S.59) erkennt darin eine generelle Tendenz im journalistisch-medialen Bereich: Aufmerksamkeit (als symbolisch generalisiertes Medium im Feld der \u00d6ffentlichkeit) ersetzt die W\u00e4hrung\/das Zahlungsmittel \u201eGeld\u201c.  Ich denke, verwerten lie\u00dfe sich dann solches neue Kapital nicht unbedingt im Journalismus, aber vielleicht \u2013 auf Basis der \u00fcber die neue Aufmerksamkeit erreichten Bekanntheit \u2013 in der Auftragskommunikation (PR, Werbung, Marketing) oder in der Politik. Laut Medienkritiker  Niggemeier scheint das HuffPo-Erfolgsmodell des Gratis-Journalismus nicht mehr aufzuhalten. Zwar sollen bei der deutschsprachigen Huffington-Post auch etwa 15 redaktionelle, also bezahlte Stellen entstehen. Doch der Trend solcher Plattformen &#8211; in Erg\u00e4nzung zu digital-automatischen Nachrichten-Aggregatoren wie Google News &#8211; geht weg vom tradierten Journalismus (was Springer-Vorstandschef Mathias D\u00f6pfner als \u201eAnti-Gesch\u00e4ftsmodell\u201c kritisiert und wovon Niggemeier \u2013 zu Recht \u2013 meint, deshalb sei es noch nicht falsch) hin zur neuen Aufmerksamkeits\u00f6konomie: Der designierte deutsche HuffPo-Chefredakteur Sebastian Matthes (bisher WirtschaftsWoche) sagte im DradioWissen, man wolle Experten direkt mit den Publika kurzschlie\u00dfen (womit journalistische Vermittlungsrollen verzichtbarer w\u00fcrden): Spezialisten wie Wissenschaftlern, Hobby-K\u00f6chen, Designern, Architekten oder Sportlern mache die Plattform das Angebot, \u201eihre Meinung, ihre Ideen\u201c zu ver\u00f6ffentlichen. Das ganze hei\u00dft dann in der Selbstvermarktung \u201eEngagement-Plattform\u201c. W\u00e4hrend die Satire-Zeitschrift \u201eTitanic\u201c 2003 die journalistischen Basisqualifikationen noch als \u201eQuer-Lesen, Ab-Schreiben und Spesen-Rechnen\u201c gegei\u00dfelt hatte, d\u00fcrfte die Branche jetzt zwei Schritte weiter sein: Niggemeier zufolge geht es beispielsweise bei Focus Online vor allem um \u201eAbschreiben, Umschreiben, Gro\u00dfschreiben\u201c. Was bliebe als nicht-zynischer Ausblick? Zuk\u00fcnfte d\u00fcrfte Journalismus \u2013 in seinen vermittelnden Beitr\u00e4gen zu sozialer Selbstgestaltung, in seiner Ambivalenz zwischen Ware und Kulturgut \u2013 nicht allein auf der Basis von Gesch\u00e4ftsmodellen haben. Seien es alte oder neue.<br \/>\n2.) Zum sprachkritischen Kaleidoskop: Im Zusammenhang der Syrien-Krise war im September 2013 oft (und gerade nicht als Zitat) die Rede davon, dass die US-Regierung (samt einiger Verb\u00fcndeter) einen \u201eMilit\u00e4rschlag\u201c gegen die syrische F\u00fchrung durchf\u00fchren wolle, der als \u201eStrafe\u201c gegen eben dieses Regime zu verstehen sei (z.B. http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/ausland\/syrien-obama-schiebt-militaerschlag-auf-a-921541.html., http:\/\/www.welt.de\/debatte\/article119857443\/Syriens-Einlenken-verschafft-den-USA-Zeitgewinn.html, Aufruf am 17.9.2013, 10.18 Uhr). Mir scheinen beide Termini ziemlich einseitig wertend zu sein. Dass die jeweiligen PR-Strategen und -Taktiker sie der \u00d6ffentlichkeit anbieten, leuchtet ein. Nicht aber, dass Journalisten, zumal in den informationsbetonten Bereichen der Medien, diese Termini \u00fcbernehmen, als w\u00e4ren sie so sachlich wie beispielsweise die Wochentagsbezeichnungen.<br \/>\n1.) Ein Schlag ist eine raumzeitlich relativ eng begrenzte Aktion (\u00fcbrigens findet sich bei Obama selbst auch der Ausdruck \u201emilitary action\u201c). Ein Schlag trifft in der Regel genau ein bestimmtes Ziel, es d\u00fcrfte kaum Sch\u00e4den im Umkreis oder ganz woanders geben. Und das sollte sich sowohl auf den Geschlagenen als auch auf den Schl\u00e4ger beziehen. Zivile Opfer, Opfer auf der eigenen Seite oder bei Verb\u00fcndeten \u2013 keine Rede davon. W\u00fcrde das aber in der Praxis so kommen? Eine pure Glaubensfrage. Warum also als Journalist nicht relativ sachlich von \u201eMilit\u00e4reinsatz\u201c reden (und mensch k\u00f6nnte ja auch \u201eKrieg\u201c sagen)?<br \/>\n2.) Eine Strafe impliziert dreierlei: a) Es gibt eine zu bestrafende Handlung (hier ging es um den lange Zeit noch sehr mutma\u00dflichen Einsatz von chemischen Kampfstoffen bei Damaskus am 21.8.) und b) die Verantwortung f\u00fcr dieses strafbare Agieren ist unstrittig klar (und genau darum wurde und wird ja h\u00f6chst kontrovers gestritten, und zwar nicht zwischen der \u201eStaatengemeinschaft\u201c und irgendwelchen \u201eTerroristen\u201c, sondern direkt innerhalb der \u201einternationalen Staatengemeinschaft\u201c &#8211; sofern Russland, China, Brasilien, Indien, S\u00fcdafrika, Iran etc. auch dazugeh\u00f6ren sollten).  Last but not least ist der Bestrafer c) auch berechtigt, diese Strafe zu verh\u00e4ngen und zu exekutieren. Und sp\u00e4testens an diesem Punkt d\u00fcrfte sachlichen Betrachtern deutlich werden, dass \u201eStrafe\u201c in jenem Kontext nur als Zitat verwendet werden sollte. Denn mensch muss kein Jurist sein, um den v\u00f6lkerrechtlichen \u201eSprengstoff\u201c von Milit\u00e4reins\u00e4tzen &#8211; Schl\u00e4gen oder Kriegen &#8211; ohne UN-Mandat erkennen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Sebastian K\u00f6hler 1.) Am 10.10.2013 sollte die deutsche Ausgabe der \u201eHuffington Post\u201c starten, in Zusammenarbeit mit Focus Online. Als \u201eAriannas Maskottchen\u201c schien Ex-ZDF-Moma-Moderator Cherno Jobatey bereit zu stehen (siehe http:\/\/kress.de\/mail\/tagesdienst\/detail\/beitrag\/123425-ariannas-maskottchen-cherno-jobatey-wird-huffpo-herausgeber.html, Aufruf am 9.10.2013, 20.42 Uhr). 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