{"id":259,"date":"2013-06-26T21:37:00","date_gmt":"2013-06-26T20:37:00","guid":{"rendered":"http:\/\/blogs.hmkw.de\/HierMagKritisiertWerden\/?p=259"},"modified":"2013-06-26T21:37:00","modified_gmt":"2013-06-26T20:37:00","slug":"neuer-wind-oder-windiges-geschaftsmodell","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/blogs.hmkw.de\/HierMagKritisiertWerden\/?p=259","title":{"rendered":"Neuer Wind oder windiges Gesch\u00e4ftsmodell?"},"content":{"rendered":"<p>Von Sebastian K\u00f6hler<br \/>\n1.) Die Ruinierung des Journalismus \u2013 im doppelten Sinne des Genitivs, also durch andere und durch ihn selbst \u2013 zeigte sich auch am Beispiel der machtvoll durchgesetzten Abschaltung des nicht-kommerziellen Rundfunks in Griechenland Mitte Juni 2013. Der Journalist und Philosoph Arnold Sch\u00f6lzel bestimmt dies als Verwandlung des Journalismus in eine Mischung aus Verlautbarungs- und Unterhaltungsgewerbe (siehe  jW vom 14.6.,2013, S.8).<br \/>\n2.) Der Springer-Verlag will laut Vorstandschef Mathias D\u00f6pfner (M\u00e4rz 2013, vgl. MMM 4\/2013, S.20f.) \u201edas f\u00fchrende digitale Medienunternehmern in Deutschland\u201c werden (wer sollte das eigentlich bisher sein?). Erstmals hatte der Konzern 2012 laut eigenem Gesch\u00e4ftsbericht mehr als eine Milliarde Euro Umsatz im digitalen Gewerbe erzielt und damit mehr als in jedem anderen Arbeitsbereich. Zugleich steuerten digitale Medien mehr als die H\u00e4lfte aller Werbeerl\u00f6se bei. Bild.de erwies sich 2012 als Reichweitenf\u00fchrer bei den Nachrichtenwebsites (273 Millionen Besuche monatlich).<br \/>\nAuch daher hatte Springer im Juni 2013 das Abo-Angebot &#8222;Bild Plus&#8220; auf www.bild.de\u00a0gestartet (vgl. http:\/\/kress.de\/mail\/alle\/detail\/beitrag\/121646-trendforscher-sven-gabor-janszky-bezahl-modell-von-bildde-ist-intelligenter-dummenfang.html, Aufruf am 26.6.2013, 21.15 Uhr). Die Nutzer sollen dabei vor allem mit manchen exklusiven Inhalten und Bundesliga-Fu\u00dfball gelockt werden. Der Trendforscher Sven G\u00e1bor J\u00e1nszky h\u00e4lt das Modell der &#8222;Bild&#8220;-Leute nicht f\u00fcr den gro\u00dfen Wurf, bezeichnet es sogar als &#8222;intelligenten Dummenfang&#8220;. Denn Bild f\u00fchre ein Abo-Modell ein, bei dem die Bundesliga-Clips drei Euro kosten. Diese Clips k\u00f6nne man aber nur kaufen, wenn man ein normales Abo von mindestens f\u00fcnf Euro hat.<br \/>\nEine gewisse Pioniertat besteht darin, dass mit Bild erstmals ein Boulevard-Medium den riskanten Weg der teilweisen Verschl\u00fcsselung geht: \u201eFreemium\u201c (free and premium)-Modelle verbinden kostenfreie und zahlungspflichtige Angebote (bei Bild Plus soll das Verh\u00e4ltnis bei ca. 70 zu 30 Prozent liegen, MMM 4\/2013, S.20f.). Exklusive Inhalte w\u00e4ren vor allem bestimmte regionale und lokale News sowie besondere Promi-Meldungen in crossmedialer Breite und Tiefe, nicht zuletzt durch nutzergenerierte Inhalte.<br \/>\nDas Konzept von bild.de sei, so Janszky, also nicht neu, alle existierenden Bezahl-Modelle von Zeitungen im Internet funktionierten so. Der Leser m\u00fcsse selbst dann das volle Abonnement abschlie\u00dfen, wenn er die Zeitung nur an zwei Tagen in der Woche lese. An den Bed\u00fcrfnissen und dem Nutzungsverhalten der User gehe diese Strategie vorbei. Einen Teilerfolg h\u00e4lt J\u00e1nszky f\u00fcr den Verlag dennoch f\u00fcr sicher: &#8222;Zumindest der unausgesprochene Plan, die gedruckte Auflage zu stabilisieren, wird wohl funktionieren. Au\u00dferdem wird der Verlag ein zweites unausgesprochenes Ziel erreichen: Er wird erstmals die pers\u00f6nlichen Kontaktdaten vieler Leser der Kioskausgaben und der User des Onlineangebots erhalten, verbunden mit Informationen \u00fcber Themen und Inhalte, f\u00fcr die sich die jeweiligen Menschen interessieren. Diese Daten sind wertvoll und nutzbar gegen\u00fcber den Werbekunden und den eigenen Onlineangeboten.&#8220;<br \/>\nVermutlich seien die Zielgruppen inzwischen so differenziert, dass es den einen gro\u00dfen Wurf gar nicht geben k\u00f6nne. J\u00e1nszky empfiehlt den Verlagen, ihr bisheriges eigenes Gesch\u00e4ftsmodell anzugreifen, das ja fast 200 Jahre ziemlich erfolgreich war: Journalismus als Mittel zu dem Zweck zu verwenden, mit diesem Werkzeug Publika f\u00fcr Werbebotschaften zu schaffen. &#8222;Sie m\u00fcssen dazu \u00fcbergehen, online nicht mehr Werbung, sondern eigene Services und Produkte zu verkaufen.\u201c Springer und Burda seien Vorreiter dieser Strategie in Deutschland \u2013 beide gro\u00dfen Konzerne machten nur noch etwa ein Drittel ihres Gesch\u00e4ftes mit gedrucktem Papier.<br \/>\nDer Springer-Verlag verweist darauf, 2012 mit insgesamt 13.651 Besch\u00e4ftigten sogar 5,9 Prozent mehr Menschen angestellt zu haben als noch 2011. Gewerkschaftsvertreter wie Frank Werneke von der dju in Verdi kritisieren, dass, obgleich die Produkte des Konzerns \u201ehoch profitabel\u201c seien, sollten dennoch \u201eRedaktionen ausged\u00fcnnt, die Rendite durch das Setzen auf windige Internetgesch\u00e4ftsmodelle weiter gesteigert werden, die auf nutzergenerierten Inhalten statt auf Journalismus basieren.\u201c<br \/>\n3.) Zum sprachkritischen Kaleidoskop: In vielen Medien war dieser Tage die Rede davon, dass Merkel und Putin deutliche Meinungsverschiedenheit mit Blick auf &#8222;Beutekunst&#8220; h\u00e4tten. In diesem Zusammenhang ausschlie\u00dflich bezogen auf solche Kunstwerke, die im Ausgang des Zweiten Weltkrieges aus Deutschland in die Sowjetunion gebracht wurden. Was schwingt beim Wort &#8222;Beutekunst&#8220; mit? Also &#8211; was ist eine Beute, was bedeutet &#8222;erbeuten&#8220;? F\u00fcr die meisten sicherlich, dass auf Jagd gegangen und dort zielgerichtet etwas erlegt und dann entweder gleich verzehrt oder versteckt oder auch nach Hause mitgenommen wird. Das Wort &#8222;Beutekunst&#8220; erscheint mir ziemlich wertend, und auch daher w\u00fcrde ich es, wie selbst vom (Sympathien f\u00fcr die heutige russische Seite ziemlich unverd\u00e4chtigen) deutschen Au\u00dfenministerium empfohlen, bestenfalls in Anf\u00fchrungszeichen verwenden (siehe http:\/\/www.auswaertiges-amt.de\/DE\/Aussenpolitik\/KulturDialog\/<br \/>\nZieleUndPartner\/Kulturgueterrueckfuehrung_node.html, Aufruf am 24.6.2013, 12.46 Uhr). <\/p>\n<p>Es geht, m\u00f6glichst objektivierend ausgedr\u00fcckt und in diesem Falle auch in der Diktion des Westerwelle-Ministeriums, um &#8222;deutsche kriegsbedingt verlagerte Kulturg\u00fcter (&#8222;Beutekunst&#8220;)&#8220;. Klar ist &#8222;Beutekunst&#8220; k\u00fcrzer, aber &#8222;verlagerte Kulturg\u00fcter&#8220; ist ein Ausdruck, dem beispielsweise auch die russische Seite viel eher zustimmen und ihn in seri\u00f6sen Nachrichten verwenden d\u00fcrfte als das meines Erachtens wenigstens gedankenlose Spielen auf einer neuen alemannischen Opfer-Klaviatur &#8211; &#8222;Unsere deutsche Kunst wurde, warum auch immer, gejagt und erjagt und erbeutet. Holt sie dort raus!&#8220;.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Sebastian K\u00f6hler 1.) Die Ruinierung des Journalismus \u2013 im doppelten Sinne des Genitivs, also durch andere und durch ihn selbst \u2013 zeigte sich auch am Beispiel der machtvoll durchgesetzten Abschaltung des nicht-kommerziellen Rundfunks in Griechenland Mitte Juni 2013. 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