{"id":249,"date":"2013-05-01T16:25:26","date_gmt":"2013-05-01T15:25:26","guid":{"rendered":"http:\/\/blogs.hmkw.de\/HierMagKritisiertWerden\/?p=249"},"modified":"2013-05-01T16:25:26","modified_gmt":"2013-05-01T15:25:26","slug":"gehts-noch-um-die-nsu-verstrickungen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/blogs.hmkw.de\/HierMagKritisiertWerden\/?p=249","title":{"rendered":"Geht`s noch? Um die NSU-Verstrickungen?"},"content":{"rendered":"<p>Von Sebastian K\u00f6hler<br \/>\n1.I) Es schien genau so spannend, aber viel lustiger als bei einer Fu\u00dfball-Ansetzungsauslosung: Nachdem auch die Fachzeitschrift \u201eBrigitte\u201c am Montag, 29.4., in M\u00fcnchen ein gro\u00dfes Los gezogen hatte, brach sich die Skurrilit\u00e4t der Live-TV-Inszenierung in lautem Lachen Bahn. 50 Medien-Pl\u00e4tze f\u00fcr die Endrunde im juristischen Spiel zum NSU-Komplex wurden vergeben, und bei 324 zugelassenen Bewerbungen war klar, dass kaum alle der sogenannten deutschen Qualit\u00e4tsmedien von Fortuna ein Pl\u00e4tzchen w\u00fcrden zugewiesen bekommen.<br \/>\nVorab: Wenn es rechtzeitig und ernsthaft gewollt gewesen w\u00e4re, h\u00e4tte sich im sch\u00f6nen M\u00fcnchen &#8211; wo es ja fast alles gibt au\u00dfer Steuervermeidung &#8211; gewiss ein entsprechend gro\u00dfer und sicherer Saal f\u00fcr den Prozess gegen Beate Zsch\u00e4pe &#038; Co. finden lassen. Aber dass nun, also hinterher, die \u201eVerlierer\u201c wie FAZ und Zeit und Welt und Taz und Tagesspiegel etc. \u00f6ffentlich erw\u00e4gen, gegen das Losverfahren zu klagen, l\u00e4sst schon wieder auf die n\u00e4chste quotentr\u00e4chtige Skandalisierung schielen:  Wenn, w\u00e4re doch VOR dem Anwerfen der Lostrommel grunds\u00e4tzlicher und grundgesetzlicher Einspruch sinnvoll gewesen.  So pr\u00e4sentieren sich die prominentesten Verlierer als eher schlechte, und prominente Gewinner wie die dpa k\u00f6nnen sich als \u201edie Guten\u201c darstellen: Die dpa-Gruppe erkl\u00e4rte, sie stelle einen ihrer Berichterstatterpl\u00e4tze im NSU-Prozess anderen Nachrichtenagenturen zur Verf\u00fcgung. Sie werde den Platz, welcher der dpa English Services GmbH zugelost worden war, den Agenturen Agence France-Presse (AFP) und Thomson Reuters (ja, f\u00fcr die arbeite auch ich als Journalist) f\u00fcr eine gemeinsame Poolberichterstattung anbieten. Wer aber den Grundkurs \u201e\u00d6ffentlichkeitsarbeit\u201c nicht komplett verschlafen hat, tut nicht blo\u00df Gutes, sondern spricht zuv\u00f6rderst deutlich dar\u00fcber. So wie hier Noch-dpa-Leiter Wolfgang B\u00fcchner, der ja  nun als erster Chef sowohl f\u00fcr Printausgabe als auch f\u00fcr Onlineauftritt zum \u201eSpiegel\u201c wechselt (http:\/\/kress.de\/mail\/tagesdienst\/detail\/beitrag\/121079-nach-losentscheid-im-nsu-prozess-dpa-bietet-anderen-nachrichtenagenturen-platz-an.html, Aufruf am 1.5. um 14.30 Uhr):<br \/>\n&#8222;Wir verzichten damit zwar auf die M\u00f6glichkeit, zeitlich parallel auf Deutsch und auf Englisch direkt aus dem Oberlandesgericht M\u00fcnchen berichten zu k\u00f6nnen. Wir freuen uns jedoch, wenn die dpa auf diese Weise dazu beitragen kann, dass weitere weltweit t\u00e4tige Nachrichtenanbieter \u00fcber diesen wichtigen Prozess aus erster Hand berichten k\u00f6nnen. Denn die Vielfalt des Nachrichtenangebotes ist auch vielen unserer Kunden wichtig &#8211; im globalen Ma\u00dfstab ebenso wie auf dem deutschen Markt&#8220;.<br \/>\nDas klingt angesichts der gerade wieder (siehe dapd-Insolvenz) geschm\u00e4lerten Vielfalt in der Nachrichten-Agenturlandschaft in Deutschland nicht schlecht. Ich sehe die Vielfalt der Berichterstattung aber viel mehr in einer anderen Richtung gef\u00e4hrdet: Es scheint mir immer mehr um Oberfl\u00e4chlichkeiten des Verhandlungsprozederes zu gehen und tendenziell (noch) weniger um strukturelle Fragen jener Art, wie es m\u00f6glich gewesen sein soll, dass ein Netzwerk von mehreren anscheinend \u00e4u\u00dferst gewaltt\u00e4tigen Rechtsextremisten mehr als zehn Jahre in Deutschland komplett unbehelligt von allen m\u00f6glichen Beh\u00f6rden h\u00f6chst kriminell t\u00e4tig war? Solche Fragen und versuchte Antworten darauf w\u00e4ren sicher auch spannend, aber nat\u00fcrlich nicht so lustig und einfach zu haben wie eine TV-Tombola.<\/p>\n<p>2.) Zum sprachkritischen Kaleidoskop: Im RBB-Inforadio sagte Martin R\u00f6wer in einem Bericht nach einer Entscheidung des Europ\u00e4ischen Menschenrechtsgerichtshofes mit explizit kritischem Blick auf die derzeitige politische F\u00fchrung in der Ukraine am 29.4. um 14.55 Uhr: \u201eEs ist sehr zu bezweifeln, ob Julia Timoschenko nun freigelassen wird\u201c. Ich zweifle sehr, dass der Reporter \u201eob\u201c und \u201edass\u201c sinnvoll einsetzt, also im Sinne sprachlicher Vielfalt unterscheiden kann: Dabei sollte es gar nicht so schwer sein: 1.) Ich wei\u00df, dass Du  kommst. Oder auch: Ich wei\u00df, dass Du nicht kommst. 2.) Ich wei\u00df nicht, ob Du kommst. 3.) Es ist sicher, dass Timoschenko in Haft sitzt. 4.) Es ist v\u00f6llig offen, ob Timoschenko jemals freigelassen wird. Und damit w\u00e4re es aus der Sicht des Journalisten  eben sehr zweifelhaft (im Sinne von: deutlich weniger als 50 Prozent Wahrscheinlichkeit daf\u00fcr), DASS Frau Timoschenko nun freigelassen wird. Ergo: Mit einem dass-Satz wird in der Regel eine Aussage als gegeben dargestellt. Mit einem ob-Satz soll ausgedr\u00fcckt werden, dass (sic!) es im Sinne einer ca. 50\/50-Offenheit fraglich\/unsicher\/unbekannt ist, ob (sic!) die folgende Aussage (Proposition) als gegeben oder nicht gegeben betrachtet werden soll. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Sebastian K\u00f6hler 1.I) Es schien genau so spannend, aber viel lustiger als bei einer Fu\u00dfball-Ansetzungsauslosung: Nachdem auch die Fachzeitschrift \u201eBrigitte\u201c am Montag, 29.4., in M\u00fcnchen ein gro\u00dfes Los gezogen hatte, brach sich die Skurrilit\u00e4t der Live-TV-Inszenierung in lautem Lachen &hellip; <a href=\"http:\/\/blogs.hmkw.de\/HierMagKritisiertWerden\/?p=249\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[89,60,87,61,65,88],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/blogs.hmkw.de\/HierMagKritisiertWerden\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/249"}],"collection":[{"href":"http:\/\/blogs.hmkw.de\/HierMagKritisiertWerden\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/blogs.hmkw.de\/HierMagKritisiertWerden\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/blogs.hmkw.de\/HierMagKritisiertWerden\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/blogs.hmkw.de\/HierMagKritisiertWerden\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=249"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/blogs.hmkw.de\/HierMagKritisiertWerden\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/249\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":250,"href":"http:\/\/blogs.hmkw.de\/HierMagKritisiertWerden\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/249\/revisions\/250"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/blogs.hmkw.de\/HierMagKritisiertWerden\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=249"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/blogs.hmkw.de\/HierMagKritisiertWerden\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=249"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/blogs.hmkw.de\/HierMagKritisiertWerden\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=249"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}