{"id":24,"date":"2011-07-22T14:04:15","date_gmt":"2011-07-22T14:04:15","guid":{"rendered":"http:\/\/writers.hmkw.de\/?p=24"},"modified":"2011-12-22T08:04:13","modified_gmt":"2011-12-22T08:04:13","slug":"dinosaurier-und-seelenklempner","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/blogs.hmkw.de\/HierMagKritisiertWerden\/?p=24","title":{"rendered":"Dinosaurier und Seelenklempner"},"content":{"rendered":"<div>\n<ol>\n<li>Die Debatten \u00fcber die <strong>Abh\u00f6rskandale<\/strong> um das Haus <strong>Murdoch<\/strong> verlaufen selber tendenziell boulevard-journalistisch, also stark auf den Ebenen von Emotionalisierung, Personalisierung und Visualisierung. Welche Reaktionen zeigt der Senior, wie glaubw\u00fcrdig wirkt der Junior, und wann bekommen wir Frau Brooks wieder zu sehen? Auch ein so verdienter Enth\u00fcller wie Carl Bernstein schaut derzeit vor allem auf die prominenten Personen, wenn er in \u201eNewsweek\u201c kommentiert, der Fall k\u00f6nne sich zu \u201e<a title=\"Opens external link in new window\" href=\"http:\/\/www.newsweek.com\/2011\/07\/10\/murdoch-s-watergate.html\" target=\"_blank\">Murdoch&#8217;s Watergate<\/a>\u201c ausweiten (20.7.2011, 16:05 Uhr).<br \/>\nDoch sind die Kirchs und Springers, oder eben die Murdochs und Maxwells dieser Konzern-Medienwelt nicht ohnehin Dinosaurier? Geschichte wird nat\u00fcrlich immer von konkreten Menschen gemacht, aber unter vorgefundenen sozialen Umst\u00e4nden, in Wechselwirkung mit den gesellschaftlichen Feldern, die die Menschen pr\u00e4gen und welche wiederum von jenen gepr\u00e4gt werden (k\u00f6nnte Pierre Bourdieu argumentieren). Deshalb sollten wir die strukturellen Aspekte dieser Krise viel mehr debattieren als nur die pers\u00f6nlichen.<br \/>\nAus betriebswirtschaftlicher Sicht schlagen Medien-Analysten von Firmen wie \u201e<a title=\"Opens external link in new window\" href=\"http:\/\/www.endersanalysis.com\/search\/luceneapi_node\/rupert%20murdoch\" target=\"_blank\">Enders Analysis<\/a>\u201c vor, der Aufsichtsrat von \u201eNews Corp\u201c k\u00f6nne zur Schadensbegrenzung (nat\u00fcrlich nur f\u00fcr die Firma, vom Schaden f\u00fcr die Gesellschaft ist bei Betriebswirten selten die Rede) einfach die Unternehmensspitze auswechseln. Denn selbstverst\u00e4ndlich sei der Konzern wichtiger als einzelne Pers\u00f6nlichkeiten (vgl. Berliner Zeitung, 19.7.2011, S.2).<br \/>\nUngewollt m\u00f6gen solche \u201e<strong>Analysen<\/strong>\u201c auf dialektischem Wege zur gesellschaftlichen Aufkl\u00e4rung beitragen \u2013 denn was w\u00e4re an Demokratisierung gewonnen, wenn Rupert Murdoch (oder wer auch immer) nur als Person aus der Schusslinie ginge? Nicht zuletzt Journalisten sollten hier nicht nur auf, sondern auch unter die Oberfl\u00e4chen schauen.<\/li>\n<li>Seit 1995 erscheint ein <strong>Ranking der 50 umsatzst\u00e4rksten Medienkonzerne<\/strong> der Erde. Das <a title=\"Opens external link in new window\" href=\"http:\/\/www.mediadb.eu\/\" target=\"_blank\">Institut f\u00fcr Medien- und Kommunikationspolitik<\/a> (IfM) unter <strong>Lutz Hachmeister<\/strong> hat die Tabelle f\u00fcr das Jahr 2010 ( vorgelegt (<a href=\"http:\/\/www.mediadb.eu\/rankings\/intl-medienkonzerne-2011.html\" target=\"_blank\">www.mediadb.eu\/rankings\/intl-medienkonzerne-2011.html<\/a>). Laut IfM wurden die Konzentrationsregeln vor allem in den USA und Gro\u00dfbritannien seit Jahren immer lockerer gehandhabt, was gerade dazu f\u00fchrte, dass Murdochs Konzern binnen 15 Jahren vom globalen f\u00fcnften auf den dritten Platz aufsteigen konnte (Jahresumsatz 2010: 24,7 Milliarden Euro), hinter Comcast (41,4 \u2013 integrierter Medienkonzern mit Arenen und Ticketsystemen) und Walt Disney (28,7). <a title=\"Opens external link in new window\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Lutz_Hachmeister\" target=\"_blank\">Hachmeister<\/a> f\u00e4nde es im Sinne globaler Konkurrenzf\u00e4higkeit deutscher Medienkonzerne dabei ganz sinnvoll, wenn sich \u201eein Haus wie Springer (\u2026) die nun m\u00f6glicherweise zum Verkauf stehenden britischen Murdoch-Zeitungen sicherlich zumindest ansehen\u201c w\u00fcrde (vgl. <a title=\"Opens external link in new window\" href=\"http:\/\/www.berlinonline.de\/berliner-zeitung\/archiv\/.bin\/dump.fcgi\/2011\/0718\/medien\/0004\/index.html\" target=\"_blank\">BLZ<\/a> vom 18.07.2011).<br \/>\nKlar &#8211; wenn sich die \u201eSun\u201c auf BILD-Niveau bewegt, geht die Sonne auf in Sachen Medienvielfalt und relevanter Journalismus.<\/li>\n<li>In der Meldungsspalte auf <strong>Seite Eins <\/strong>steht in der <strong>Berliner Zeitung<\/strong> vom 18.7.2011: \u201eVor dem f\u00fcr Donnerstag anberaumten Euro-Sondergipfel w\u00e4hnt Kanzlerin Angela Merkel (CDU) die Gemeinschaftsw\u00e4hrung nicht in der Krise\u201c.<br \/>\nLeider ist f\u00fcr den Text keinerlei Quelle (mehr) auszumachen, doch d\u00fcrfte dem keine Agenturmeldung zugrunde liegen. Der Satz h\u00e4tte nat\u00fcrlich genau so lauten d\u00fcrfen, allerdings im Meinungsteil der Zeitung. Denn \u201ew\u00e4hnen\u201c ist als Verb aus dem Wortfeld \u201esagen\u201c \u00e4hnlich ausdr\u00fccklich wertend wie zum Beispiel \u201ehalluzinieren\u201c.<\/li>\n<li>Doch <strong>das Gegenteil ist ebenso falsch<\/strong> \u2013 und dieser Tage weit mehr geh\u00f6rt als die gerade skizzierte Tendenz, in Form von Aussagen wie: \u201eKanzlerin Merkel glaubt nicht an eine Krise des Euro\u201c. Der Journalist als Hirnchirurg, Neurobiologe oder Seelenklempner wei\u00df sicher ganz genau, wie es in Frau Merkels Oberst\u00fcbchen aussieht.<br \/>\nAlle anderen aber, denen diese Einsicht fehlt, k\u00f6nnten besser formulieren \u2013 Merkel sagt, sie glaube nicht an eine Krise des Euro.<\/li>\n<\/ol>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Debatten \u00fcber die Abh\u00f6rskandale um das Haus Murdoch verlaufen selber tendenziell boulevard-journalistisch, also stark auf den Ebenen von Emotionalisierung, Personalisierung und Visualisierung. 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