{"id":238,"date":"2013-01-30T17:28:39","date_gmt":"2013-01-30T16:28:39","guid":{"rendered":"http:\/\/blogs.hmkw.de\/HierMagKritisiertWerden\/?p=238"},"modified":"2013-01-30T17:28:39","modified_gmt":"2013-01-30T16:28:39","slug":"gelder-landen-sicher-goldgrube-oder-milliardengrab","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/blogs.hmkw.de\/HierMagKritisiertWerden\/?p=238","title":{"rendered":"Gelder landen sicher \u2013 Goldgrube oder Milliardengrab?"},"content":{"rendered":"<p>Von Sebastian K\u00f6hler<\/p>\n<p>1.) Die Journalistenorganisation \u201eReporter ohne Grenzen\u201c, die sich seit 1985 erkl\u00e4rterma\u00dfen f\u00fcr Informationsfreiheit weltweit einsetzt, hat ihre aktuelle Rangliste der Pressefreiheit (also: der Freiheit journalistischer Medien wie auch Radio etc.) ver\u00f6ffentlicht (http:\/\/www.reporter-ohne-grenzen.de\/ranglisten\/rangliste-2012\/, Aufruf am 30.1.2013, 11.18 Uhr). Globale Spitzenreiter bleiben Finnland, die Niederlande und Norwegen, Schlusslichter bei RoG sind weiterhin Syrien, Turkmenistan, Nordkorea und auf dem letzten Platz Eritrea. Die Medienfreiheit  in Deutschland rutschte um einen Platz nach hinten nunmehr auf Rang 17. Problematisch erscheint laut der Menschenrechtsorganisation hierzulande vor allem die abnehmende Vielfalt der journalistischen Medien: Aus erkl\u00e4rtem Geldmangel arbeiteten immer weniger Zeitungen mit eigener Vollredaktion, mehrere Redaktionen wurden 2012 komplett geschlossen. Gleichzeitig investierten Unternehmen und PR-Agenturen steigende Summen, um ihre Inhalte zu publizieren. Zudem gelangten Journalisten oft nur schwer an Informationen von Beh\u00f6rden. Mit Sorge beobachtet RoG die Diskussionen um ein neues Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung und Drohungen extremistischer Gruppen gegen kritische Redaktionen. Etwas \u00fcberraschend mag sein, dass RoG &#8211; im Unterschied zu deutschen Journalisten-Berufsorganisationen &#8211; die gesetzlichen Neuregelungen von Schwarz-Gelb (zur Erg\u00e4nzung von \u00a7 353 StGB) im Jahr 2012 klar positiv bewertet. Diese neuen Bestimmungen sollen  Journalisten in Deutschland etwas weniger als bisher der Gefahr von Redaktionsdurchsuchungen und Beschlagnahmen aussetzen  (nun nur noch bei Verdacht der Anstiftung zum Geheimnisverrat, nicht mehr aber bei blo\u00dfer Beihilfe). Allerdings werden auch in der neuen Gesetzesfassung Journalisten weiterhin nicht als professionelle Tr\u00e4ger von Berufsgeheimnissen anerkannt, was unter anderem die dju in Verdi moniert (http:\/\/dju.verdi.de\/pressemitteilungen\/showNews?id=9efb322c-79cd-11e1-7f66-001ec9b05a14,, Aufruf am 30.1.2013, 11.44 Uhr).<br \/>\n2.) Nun gibt es auch eine ziemlich deutsche Version des \u201eCrowdfounding\u201c journalistischer Arbeit, also des m\u00f6glichst weit reichenden Sammelns von Spenden zur Finanzierung nach einem Aufruf, an einem relativ aufw\u00e4ndigen Recherche- oder Reportage-Projekt in einer bestimmten Frist mitzuwirken (vgl. \u201eWenn das Netz bezahlt\u201c von Marin Majica in BLZ, 29.1.2013, S.25): Die Plattform \u201eKrautreporter.de\u201c versteht sich (nat\u00fcrlich) nicht als \u201edie Rettung des Journalismus\u201c, sondern als eine M\u00f6glichkeit seiner Weiterf\u00fchrung. Wichtig erscheint mir erstens, dass die Spender eher als aktive Nutzer auftreten (sollen), also nicht als passive M\u00e4zene. Man kauft laut Krautreporter-Kopf Sebastian Esser weniger ein Produkt, als dass die Nutzer selber Teil der Produktions-Prozesse werden (k\u00f6nnen). Und zweitens f\u00fchren diese Aufrufe und Interaktionen sicher zu (noch) mehr Selbstmarketing \u2013 Journalisten werden zu Marken und Marktschreiern ihrer selbst. Das l\u00e4sst es spannend erscheinen, ob der Journalismus auf diesen Kraut-Wegen neue Balancen seiner Doppel-K\u00f6pfigkeit als Ware und Kulturgut findet.<br \/>\n3.) \u201eEl Pa\u00eds\u201c, vielleicht die wichtigste spanischsprachige Tageszeitung weltweit, erschien mir lange Zeit ein sehr lesenswertes, linksliberales Blatt. Die Krise hat auch bei \u201eEl Pa\u00eds\u201c ziemlich das Land verw\u00fcstet \u2013 voriges Jahr hatte der Verlag erkl\u00e4rt, 30 Prozent der Belegschaft zu entlassen und der verbleibenden Kernbelegschaft die Geh\u00e4lter pauschal um 15 Prozent zu k\u00fcrzen. So falsch das sein mag, so falsch war der Foto-Scoop, den die Zeitung am 23.\/24. Januar landen wollte, mit der scheinbar ersten globalen Ver\u00f6ffentlichung eines Fotos des erkrankten Hugo Ch\u00e1vez, des Pr\u00e4sidenten Venezuelas, nach dessen erneuter Krebsoperation am 11.12.12 auf Kuba. Nicht nur die Regierung Venezuelas nannte das Vorgehen, ein Foto aus einem offenbar bereits 2008 auf YouTube hochgeladenen Video einer anderen Person  als \u201eCh\u00e1vez exklusiv\u201c von einer Bildagentur zu kaufen und sogleich weiterzuverkaufen, \u201egrotesk\u201c &#8211;  Argentiniens Pr\u00e4sidentin Cristina Fern\u00e1ndez de Kirchner sprach von einer absichtlichen \u201eSchurkerei\u201c (vgl. http:\/\/latina-press.com\/news\/144162-venezuela-el-pais-veroeffentlicht-fake-foto-von-hugo-chavez\/, Aufruf am 30.1.2013, 16.07 Uhr). Die Redaktion brauchte nach Erscheinen des Bildes in Print- und Onlineausgabe ca. 40 Minuten, um dann zu erkl\u00e4ren, es sei vers\u00e4umt worden, Ort und Datum der Entstehung des Bildes zu \u00fcberpr\u00fcfen.  &#8222;Das Geheimnis der Krankheit von Ch\u00e1vez&#8220; hie\u00df die \u00dcberschrift zum Bild, das die Auflage anscheinend um jeden Preis hochtreiben sollte (vgl. http:\/\/www.jungewelt.de\/2013\/01-26\/014.php?sstr=el|pais,Aufruf am 30.1.2013, 16.24 Uhr). Doch das \u201emea culpa\u201c der Redaktion wurde auf geheimnisvolle Art zum Rundumschlag: Die Verantwortlichen von El Pa\u00eds lie\u00dfen mehrfach erkl\u00e4ren, dass die restriktive Informationspolitik der Regierungen Kubas und Venezuelas zumindest mitverantwortlich gewesen sei f\u00fcr den Skandal (vgl.  http:\/\/internacional.elpais.com\/internacional\/2013\/01\/26\/actualidad\/1359234203_875647.html, Aufruf am 30.1.2013, 16.37 Uhr).  Klar \u2013 wenn offizielle Stellen keine Bilder bieten, muss man das selbst in die Hand nehmen. Auch Pippi Langstrumpf singt: \u201eIch mach mir die Welt, wie sie mir gef\u00e4llt\u201c. Oder wie der Redaktions-Chor von El Pa\u00eds (falls es den \u2013 noch \u2013 gibt) hinzutr\u00e4llern d\u00fcrfte: \u201eVor allem, wenn es zahlungskr\u00e4ftige Nachfrage danach gibt!\u201c<br \/>\n4.) Wenn die Dauer-\u201cbau\u201c-stelle Gro\u00dfflughafen Berlin-Brandenburg (sprachkritisch durch unser Kaleidoskop betrachtet) eines NICHT ist, dann das vielbeschworene \u201eMilliardengrab\u201c (siehe hingegen z.B.  http:\/\/www.focus.de\/finanzen\/news\/berlin-hat-kein-geld-fuer-den-flughafen-milliardengrab-ber-droht-im-november-die-insolvenz_aid_811043.html\u00b4, Aufruf am 30.1.2013, 16.45 Uhr). Die \u201egeplanten\u201c Kosten des Projektes stiegen (http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Flughafen_Berlin_Brandenburg, Aufruf am 30.1.2013, 16.51 Uhr) von 1,7 Milliarden Euro (2004) auf jetzt mindestens 4,3 Milliarden Euro (2012). Nein, diese Gelder wurden und werden NICHT verbrannt (auch wenn der Flughafen so \u00e4hnlich hei\u00dfen soll), und sie verschwanden und verschwinden auch nicht in irgendeinem schwarzen Loch. Sie werden einfach von uns Steuerzahlerinnen und Steuerzahlern eingezogen und dann verteilt, neu verteilt, umverteilt. Gro\u00dfe Konzerne (z.B. Global Player wie Siemens und Bosch) sowie mittelst\u00e4ndische Unternehmen (unter anderem Baufirmen aus der Region) sind und bleiben im Gesch\u00e4ft. Anstatt nur auf die regierenden und sich abwechselnden \u201ePfeifen\u201c (so ein Unionspolitiker gegen Wowereit und Platzeck, siehe http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/streit-um-flughafengesellschaft-csu-bezeichnet-platzeck-als-pfeife-a-876685.html, Aufruf am 30.1.2013, 17.14 Uhr) an der Aufsichtsratsspitze einzuschlagen, w\u00e4re es journalistisch verdienstvoll, genau zu recherchieren und zu publizieren, wo die Gelder (nach dem Geld-Erhaltungssatz \u2013 Geld erh\u00e4lt sich zwar nicht genauso wie Energie, aber jemand Bestimmtes erh\u00e4lt es meistens) durch die &#8211; doch leicht hirn-verbrannten &#8211; Vernebelungen von \u201eMilliardengrab\u201c und \u201eschwarzem Loch\u201c hindurch schon gelandet (sic!) sind und noch landen werden \u2013 ich vermute, es geht auch da um ziemlich handfeste materielle Interessen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Sebastian K\u00f6hler 1.) 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