{"id":227,"date":"2012-12-19T23:20:34","date_gmt":"2012-12-19T22:20:34","guid":{"rendered":"http:\/\/blogs.hmkw.de\/HierMagKritisiertWerden\/?p=227"},"modified":"2012-12-19T23:20:34","modified_gmt":"2012-12-19T22:20:34","slug":"klartext-und-klarnamen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/blogs.hmkw.de\/HierMagKritisiertWerden\/?p=227","title":{"rendered":"Klartext und Klarnamen"},"content":{"rendered":"<p>Von Sebastian K\u00f6hler<\/p>\n<p>1.)\u00a0\u00a0\u00a0 Der bekannte Facebook-Kritiker und hauptberufliche Datenschutzbeauftragte des Landes Schleswig-Holstein, Thilo Weichert, hat ein internationales Einschreiben mit R\u00fcckschein an Facebook-Boss Mark Zuckerberg geschickt. Darin wird Facebook laut Mediendienst kress (http:\/\/kress.de\/mail\/alle\/detail\/beitrag\/119384-wegen-verfuegungen-zur-klarnamenpflicht-facebook-wirft-weichert-steuergeld-verschwendung-vor.html, Aufruf am 19.12.2012, 10.31 Uhr) verpflichtet, &#8222;f\u00fcr nat\u00fcrliche Personen, die in Schleswig-Holstein Telemedien unter www.facebook.com\u00a0nutzen m\u00f6chten&#8220;, sicherzustellen, dass sie sich anstelle der Eingabe von Echtdaten unter Eingabe eines Pseudonyms registrieren k\u00f6nnen. Konten registrierter Personen, die wegen des Grundes der Nichtangabe oder der nicht vollst\u00e4ndigen Angabe\u00a0ihrer Echtdaten bei der Registrierung gesperrt seien m\u00fcssten entsperrt werden. Dazu m\u00fcsse Facebook die Nutzer vor der Registrierung &#8222;in einfacher, verst\u00e4ndlicher und leicht zug\u00e4nglicher Form sowie in deutscher Sprache&#8220; \u00fcber die M\u00f6glichkeiten der Registrierung unter Angabe eines Pseudonyms unterrichten. Sollte Facebook den &#8222;Anordnungen&#8220; nicht innerhalb von zwei Wochen\u00a0nachkommen, werde gegen den Konzern ein Zwangsgeld in H\u00f6he von 20.000 Euro verh\u00e4ngt. Facebook versto\u00dfe gegen das deutsche Telemediengesetz, wenn es sich weigere, pseudonyme Konten zuzulassen, hei\u00dft es in einer Stellungnahme des Unabh\u00e4ngigen Landeszentrums Schleswig-Holstein (ULD). Dieses Regelung in\u00a0\u00a7 13 Abs. 6 TMG stehe\u00a0mit europ\u00e4ischem Recht in Einklang und diene u. a. dazu, im Internet die Grundrechte und insbesondere das Grundrecht auf Meinungsfreiheit zu wahren. Der Gesetzgeber habe damit klargestellt, dass sich Nutzer von Internetdiensten wie Facebook dort weitgehend unbeobachtet und ohne Angst vor unliebsamen Folgen bewegen k\u00f6nnen. Ein Facebook-Sprecher sagte hingegen der dpa: &#8222;Wir sind der Ansicht, dass die Verf\u00fcgungen vollkommen unbegr\u00fcndet und eine Verschwendung deutscher Steuergelder sind.&#8220; Facebook werde energisch dagegen vorgehen. Das Unternehmen agiere konform mit europ\u00e4ischen Datenschutzbestimmungen. Es liege in der Hand der Dienstleister, also von Facebook selbbst, Gesch\u00e4ftsbedingungen bez\u00fcglich Anonymit\u00e4t festzulegen. Facebook habe schon immer eine Klarnamenpolitik verfolgt, &#8222;weil wir glauben, dass die Verwendung der wahren Identit\u00e4t eine bestimmte Sicherheit mit sich bringt, und dass unsere Nutzer von dieser Sicherheit profitieren&#8220;, so der Sprecher. Profitieren ist nat\u00fcrlich ein gutes Stichwort \u2026.<br \/>\n2.)\u00a0\u00a0\u00a0 Im\u00a0&#8222;Tagesspiegel&#8220; hat sich\u00a0dapd-Investor Ulrich Ende, 60,\u00a0\u00fcber die Fehler der Vergangenheit und die Zukunft der Nachrichtenagentur ge\u00e4u\u00dfert. Ende sagte, er sehe sich eher als Journalist denn als Investor. Die dapd sei in den vergangenen zwei Jahren auf eine wirtschaftlich unsinnige Weise aufgebl\u00e4ht worden.\u00a0&#8222;Aber\u00a0dass es mit der dpa quasi eine genossenschaftliche, allumfassende erste Kraft gibt und sich dahinter alle anzustellen haben, das kann doch auch nicht sein , was der deutsche Journalismus will&#8220;, sagte Ende und machte damit deutlich, dass Konkurrenz hier auch weiter das Gesch\u00e4ft beleben soll. (vgl. http:\/\/www.tagesspiegel.de\/medien\/nach-der-insolvenz-unsinnig-aufgeblaeht\/7533642.html, Aufruf am 19.12.2012, 10.40 Uhr).<br \/>\n3.)\u00a0\u00a0\u00a0 Auch angesichts der aktuellen Entwicklungen bei Facebook oder N24 wird die Frage wichtiger, woher der Journalismus als professionelles, als f\u00fcr soziale Demokratisierung besonders relevantes Berufsfeld seine \u00f6konomischen Ressourcen beziehen soll. Und zwar als Problem der \u201eschwierigen Finanzierung des Journalismus\u201c, wie es die Wiener Medien\u00f6konomin Marie-Luise Kiefer formuliert. Systematisch und historisch kann demzufolge der Journalismus von den Medien und insbesondere von den tradierten Massenmedien unterschieden werden (Kiefer spricht sogar von \u201eTrennung\u201c). Zwar schienen beide \u00fcber Jahrhunderte symbiotisch verbunden, doch hebt sich der Journalismus von den Medien als demokratisch \u201efundamentale Institution\u201c ab. Als Alternative vor allem zur privatwirtschaftlichen Finanzierung und damit Verwertung des Journalismus l\u00e4sst sich f\u00fcr eine \u00f6ffentliche Finanzierung dieser Institution pl\u00e4dieren. Das verlangt &#8211; nicht zuletzt im Unterschied zu den entprofesionalisierenden Tendenzen zum Beispiel des Bloggens, des B\u00fcrgerjournalismus oder des service-orientierten Vermischens von Journalismus und PR \u2013 laut Kiefer nach einer gewissen \u201eFormalisierung\u201c des Journalismus in Richtung erneuerter Professionalisierung, als konzern- UND staatsferner sozialer, selbstverwalteter Organisation. Das wirft mehr Fragen auf, als es Antworten gibt \u2013 aber allein die Suche nach neuen Gesch\u00e4ftsmodellen (Kosten senken, Einnahmen steigern) scheint mir deutlich zu kurz gesprungen.<br \/>\n4.)\u00a0\u00a0\u00a0 Und noch eine Prise oder Sur-Prise Sprachkritik im Kaleidoskop: Im ZDF-Teletext, Tafel 140, war am 12.12.2012 um 21.45 Uhr zu lesen: \u201e(Hugo Ch\u00e1vez) ist bekannt f\u00fcr seine US-feindlichen Bemerkungen\u201c. Da eine \u00e4hnliche Formulierung in der Art \u201eGeorge W. Bush ist bekannt f\u00fcr seine Venezuela-feindlichen Bemerkungen\u201c genauso wahrscheinlich h\u00e4tte produziert werden k\u00f6nnen, wollen wir hier nicht mit etwaigen ZDF-feindlichen \u00c4u\u00dferungen \u00d6l (und schon gar nicht aus Venezuela) ins mediale Feuer gie\u00dfen. Aber im Ernst: Sollten Nachrichtenredaktionen nicht besser texten: \u201eEr ist bekannt f\u00fcr seine kritischen \u00c4u\u00dferungen gegen\u00fcber der US-Regierung\u201c? Denn weder scheint es Ch\u00e1vez gegen die gesamten USA (insbesondere nicht gegen die \u201enormale\u201c US-Bev\u00f6lkerung) zu gehen, noch w\u00e4re \u201efeindlich\u201c ein relativ sachliches Attribut, sondern ein doch ziemlich stark wertendes.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Sebastian K\u00f6hler 1.)\u00a0\u00a0\u00a0 Der bekannte Facebook-Kritiker und hauptberufliche Datenschutzbeauftragte des Landes Schleswig-Holstein, Thilo Weichert, hat ein internationales Einschreiben mit R\u00fcckschein an Facebook-Boss Mark Zuckerberg geschickt. 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