{"id":223,"date":"2012-12-12T20:28:08","date_gmt":"2012-12-12T19:28:08","guid":{"rendered":"http:\/\/blogs.hmkw.de\/HierMagKritisiertWerden\/?p=223"},"modified":"2012-12-12T20:48:13","modified_gmt":"2012-12-12T19:48:13","slug":"was-kostet-die-welt-und-was-will-die-pedal-polizei","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/blogs.hmkw.de\/HierMagKritisiertWerden\/?p=223","title":{"rendered":"Was kostet die Welt? Und was will die Pedal-Polizei?"},"content":{"rendered":"<p>Von Sebastian K\u00f6hler<\/p>\n<p><span style=\"font-size: small;\">1.) Journalistische Beitr\u00e4ge waren seit langem (sp\u00e4testens seit Mitte des 19. Jahrhunderts) durch ihren widerspr\u00fcchlichen Doppelcharakter als Kulturgut und als Ware bestimmbar (worauf unter anderem aufgekl\u00e4rte Medien\u00f6konomen wie Klaus-Dieter Altmeppen oder Marie-Luise Kiefer hinweisen, vgl. mein Blog vom 16.11.2010). Diese Beitr\u00e4ge bleiben daher wesentlich \u201eWerbetr\u00e4ger\u201c, also Mittel zum Zweck, m\u00f6glichst kaufkr\u00e4ftige Publika massenhaft und dennoch zielgenau zu erreichen bzw. \u00fcberhaupt erst zu produzieren. Doch die bisherige, \u00fcberwiegend privatwirtschaftliche Finanzierung des Journalismus ist selbst aus \u00f6konomischer Sicht ein \u201esehr spezielles Arrangement\u201c (siehe KIEFER 2011 \u2013 Kiefer, Marie-Luise: Die schwierige Finanzierung des Journalismus. In: M &amp; K \u2013 Medien- und Kommunikationswissenschaft, Herausgegeben vom Hans-Bredow-Institut Hamburg, Heft 1\/2011, S.5-22.), das zudem mittlerweile auch von klassisch-liberalen \u00d6konomen infragegestellt wird, was die \u201eallokative Effizienz\u201c angeht: Denn die Auswahl der Inhalte und Formen folgt \u201eweniger der Wertsch\u00e4tzung des Publikums als den <\/span><span style=\"font-size: small;\">Zielgruppenpr\u00e4ferenzen der Werbewirtschaft\u201c. Immer problematischer wird, dass journalistische Beitr\u00e4ge zu gelingender gesamtgesellschaftlicher Kommunikation als \u00f6ffentliche \u201eG\u00fcter\u201c oder \u201eDienstleistungen\u201c (KIEFER 2011-19) zwar Finanzierungen bed\u00fcrfen, diese \u00fcber hochkonzentrierte M\u00e4rkte als \u201eRefinanzierungsmechanismus jedoch nicht ausreichend erreicht werden\u201c k\u00f6nnten.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: small;\">L\u00e4sst sich Journalismus mehr als Zweck denn nur als Mittel zum Zweck neu bestimmen? Also: Wof\u00fcr wird er gesellschaftlich selbst ben\u00f6tigt, au\u00dfer daf\u00fcr, mit ihm Geld verdienen oder Macht erhalten zu k\u00f6nnen? Mittlerweile zeigen sich auch \u00fcberzeugte Betriebswirte wie Medienberater Peter Littger oder der Leiter Digitale Medien bei der \u201eNZZ\u201c Peter Hogenkamp nach dem Durchdeklinieren dreier versuchter Gesch\u00e4ftsmodelle der Online-Monetarisierung wie Paid Content, Werbefinanzierung oder umfassender Versandhandel (wie bei der \u201eBild-Bibel\u201c) nicht mehr g\u00e4nzlich abgeneigt gegen\u00fcber Vorschl\u00e4gen in Richtung einer \u201eJournalismus-Flatrate\u201c als allgemeiner Abgabe, wohin gehend ja seit Jahren auch Vorschl\u00e4ge von z.B. J\u00fcrgen Habermas diskutiert werden (siehe NDR-Sendung \u201eZapp\u201c vom 28.11.2012). <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: small;\">2.) Weiter beim Durchdeklinieren neuer oder eben alter Gesch\u00e4ftsmodelle bleibt Mathias D\u00f6pfner, der Vorstandsvorsitzende der Axel-Springer AG: Die dort erscheinende <\/span>Tageszeitung &#8222;Die Welt&#8220; startete am Mittwoch ihr angek\u00fcndigtes Bezahlmodell f\u00fcr das Internet. Nunmehr werden laut Meldung von Reuters (11.12.12, 8 Uhr) auf der Seite \u201ewelt.de\u201c f\u00fcr einen Nutzer 20 Artikel kostenlos pro Monat sein, ab dem 21. angeklickten Beitrag greift ein Bezahlsystem \u00e4hnlich einem Abonnement. &#8222;Wir suchen nach einem Gesch\u00e4ftsmodell f\u00fcr die digitale Welt&#8220;, hatte D\u00f6pfner am Montagabend bei der Vorstellung des Projekts in Berlin gesagt: &#8222;Wir wollen, dass Qualit\u00e4tsjournalismus ein Gesch\u00e4ftsmodell bleibt.&#8220; Der bei Springer f\u00fcr die &#8222;Welt&#8220;-Gruppe und Technik verantwortliche Vorstand Jan Bayer betonte, bei den Werbeerl\u00f6sen sei welt.de bereits erfolgreich, &#8222;nun wollen wir die Vertriebserl\u00f6se als zweite S\u00e4ule ausbauen&#8220;. Die &#8222;Welt&#8220; ist die erste \u00fcberregionale Tageszeitung in Deutschland, die f\u00fcr ihren Internet-Auftritt ein Bezahlsystem einf\u00fchrt. &#8222;Wir werden an Reichweite verlieren&#8220;, r\u00e4umte Romanus Otte, der bei der &#8222;Welt&#8220;-Gruppe f\u00fcr den digitalen Auftritt verantwortlich ist, ein. &#8222;Nerv\u00f6s machen wird uns das aber nicht.&#8220; Auch Bayer betonte, das Bezahlsystem bei \u201ewelt.de\u201c sei ein langfristiges Projekt: &#8222;Es geht uns nicht um schnelle Erfolge.&#8220; Die Startseite bei welt.de bleibt den Angaben zufolge kostenfrei. Artikel, auf die von Suchmaschinen, sogenannten sozialen Netzwerken oder anderen Seiten verlinkt wird, k\u00f6nnen demnach ebenfalls weiter kostenlos gelesen werden. Und Abonnenten einer Zeitung der &#8222;Welt&#8220;-Gruppe erhalten unbegrenzt freien Zugang. Zahlen zu den Erwartungen an das Bezahlsystem wollten Springer-Vertreter nicht nennen. D\u00f6pfner r\u00e4umte ein, dass die Skepsis dar\u00fcber gro\u00df sei, ob das Projekt ein Erfolg werde. Offen scheint, wie andere Nachrichten-Portale wie \u201eSpiegel Online\u201c auf den Vorsto\u00df reagieren. Bei Springer gibt es zudem bereits Pl\u00e4ne, auch bei \u201eBild.de\u201c eine Art Bezahlschranke einzubauen. Der Start dazu ist im n\u00e4chsten Jahr geplant. Erwartet wird, dass der Zeitpunkt der Einf\u00fchrung mit dem Erwerb der Internet-Rechte f\u00fcr die Fu\u00dfball-Bundesliga ab der n\u00e4chsten Saison in Zusammenhang steht.<\/p>\n<p>3.) Zum sprachkritischen Kaleidoskop: Die M\u00e4rkische Allgemeine (MAZ), seit 1.1.2012 im Besitz der Mediengruppe Madsack (Hannover), die wiederum laut der Fachzeitschrift \u201eMedia Perspektiven\u201c derzeit das sechstgr\u00f6\u00dfte deutsche Verlagshaus ist (siehe <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Verlagsgesellschaft_Madsack\">http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Verlagsgesellschaft_Madsack<\/a>, Aufruf am 12.12.2012, 20.04 Uhr), hatte in ihrer Extra-Ausgabe vom 27.10.2012 auf Seite 1 die gro\u00dfe \u00dcberschrift: \u201ePedalpolizei will Rad-Rowdys stellen\u201c. Gleich zwei sch\u00f6ne Alliterationen, also Sprachspiele mit W\u00f6rtern, die den gleichen Anfangsbuchstaben haben, zumal klingt es treffend lautmalerisch \u2013 was g\u00e4be es da noch zu diskutieren? Nur die Sache selbst \u2013 denn was die vier Beamten wirklich wollen, das darf und soll ihr Geheimnis bleiben. Wir k\u00f6nnen nicht in deren K\u00f6pfe hineinschauen. Worauf sich Journalisten zumal im Bereich der Nachrichten konzentrieren sollten, ist das, was intersubjektiv beobachtbar ist, also hier konkret: was gesagt wurde. Und dann wird es in der Tat ziemlich einfach: \u201ePedal-Polizei: Wollen Rad-Rowdys stellen\u201c Ist nur drei Zeichen l\u00e4nger, aber neben der Form sollte dann auch noch der Inhalt stimmen, oder?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Sebastian K\u00f6hler 1.) Journalistische Beitr\u00e4ge waren seit langem (sp\u00e4testens seit Mitte des 19. 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