{"id":218,"date":"2012-12-05T17:52:40","date_gmt":"2012-12-05T16:52:40","guid":{"rendered":"http:\/\/blogs.hmkw.de\/HierMagKritisiertWerden\/?p=218"},"modified":"2012-12-12T19:35:56","modified_gmt":"2012-12-12T18:35:56","slug":"kleinfabriken-und-giganten","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/blogs.hmkw.de\/HierMagKritisiertWerden\/?p=218","title":{"rendered":"Kleinfabriken und Giganten"},"content":{"rendered":"<p>Von Sebastian K\u00f6hler<br \/>\n1.) Das Nutzen sogenannter sozialer Netzwerke (diese Namensgebung ist ein genialer PR-Coup, denn was gibt es Besseres als \u201esozial\u201c und \u201eNetzwerken\u201c) dient gerade auf Gesch\u00e4fts-Plattformen wie Facebook z.B. laut dem Z\u00fcricher Medienforscher Felix Stalder der Verschleierung neuer Macht- und Ausbeutungsverh\u00e4ltnisse. Denn verschleiert wird durch die weiterhin bestehende Augenh\u00f6he, also Horizontalit\u00e4t auf Seiten der vielen Nutzer, dass gleichzeitig neue, hochgradig vertikale Machtzentren auf Eigent\u00fcmer- und Managementseiten entstehen (vgl. mein Blog vom 9.5.2012). Das sieht der aufgekl\u00e4rte Konservative Frank Schirrmacher, einer der FAZ-Herausgeber, \u00e4hnlich: Er kritisiert es als \u201eIdeologie von Netzintellektuellen\u201c, dass sich jede und jeder selbst erm\u00e4chtige als \u201eStimme \u00f6ffentlicher Meinung und individueller Partizipation\u201c (http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/feuilleton\/medien\/zukunft-des-journalismus-das-heilige-versprechen-11970610.html#Drucken. Aufruf am 29.11.2012, 08.26 Uhr.). Das Problem betriebswirtschaftlich beschr\u00e4nkter Aktualisierungen aus viel reicheren Spektra kulturell-technischer M\u00f6glichkeiten beschreibt auch Schirrmacher angesichts der \u201eeminenten intellektuellen und kreativen Potentiale\u201c. Die werden aber nicht ann\u00e4hernd in ganzer Bandbreite verwirklicht, weil angesichts der gesamtgesellschaftlichen Kapitalisierung \u201e\u00f6konomisch total erfolglose geistige Kleinfabriken\u201c einerseits und neue \u201eindustrielle Giganten\u201c wie Google, Facebook, Amazon oder Apple andererseits einander gegen\u00fcberstehen. Ideologisch behauptet wird ein kulturell.-technologischer Determinismus, sozial wirkt aber vor allem betriebswirtschaftliche Konzentration bis hin zu neuen Monopolisierungstendenzen. Schirrmacher: \u201eDie Technologie ist nicht in der Lage, die partizipativen und emanzipatorischen Prozesse auszul\u00f6sen, die in der Betriebsanleitung versprochen wurden\u201c . Wir kommen darauf zur\u00fcck.<\/p>\n<p>2.) Derzeit findet in Dubai der Weltgipfel der Internationalen Fernmelde-Union (ITU) mit Vertretern beinahe aller L\u00e4nder der Erde statt. Auf der Tagesordnung stand eine \u00dcberarbeitung der internationalen Telekommunikationsregulierungen, die bisher im wesentlichen aus dem Jahre 1988 datierten, also rund 25 Jahre alt waren und vor allem aus der Vor-WWW-Zeit stammten. Staaten wie Russland, China und einige Schwellenl\u00e4nder wollten per Konferenzbeschluss zumindest einige der globalen Internet-Verwaltungsaufgaben k\u00fcnftig an die UNO-Sonderorganisation ITU \u00fcbergeben sehen. Bislang war daf\u00fcr weitestgehend die in den USA ans\u00e4ssige ICANN als sogenannte \u201eNichtregierungsorganisation\u201c zust\u00e4ndig. Der US-Delegation in Dubai nun geh\u00f6rten auch Vertreter von &#8211; durch ihre eigent\u00fcmliche Netznutzung enorm profitierenden &#8211; Gro\u00dfkonzernen wie Google und Microsoft an. Delegations-Leiter Terry Kramer sagte (siehe Tageszeitung junge Welt vom 4.12.2012, S.9), unterschiedliche Regeln f\u00fcr den Umgang mit dem Internet in den verschiedenen L\u00e4ndern m\u00fcssten mit allen Mitteln verhindert werden: Denn solche Regulierungen \u00f6ffneten \u201edie T\u00fcr f\u00fcr eine Zensur der Inhalte\u201c. Dagegen \u00e4u\u00dferte der Chefstratege der ITU, Alexander Ntoko, das sei \u201ePropaganda\u201c: Konzerne wie Google zeigten sich nur deshalb so beunruhigt, weil es ihnen um die Bewahrung ihrer Gesch\u00e4ftsmodelle gehe (siehe \u201eFreiheit f\u00fcr wen?\u201c In: Der Spiegel, Heft 49\/2012, S.84ff.). Google fuhr &#8211; \u00e4hnlich wie bei seinem Kampf gegen ein Leistungsschutzrecht in Deutschland &#8211; eine Kampagne unter dem Label von offener Welt und Freiheit f\u00fcr alle auf verschiedenen seiner Netz-Kan\u00e4le. Dabei durfte auffallen, dass Google nicht irgendeine Weltmacht ist, sondern auch laut Spiegel \u00fcber beispiellose Meinungsmacht und Kampagnenf\u00e4higkeit verf\u00fcgt, die alle nationalen oder auch supranationalen Grenzen sprengen. Das \u00f6ffentlichkeitswirksame Novum: Konzerne wie Google oder auch Facebook versuchen immer erfolgreicher, f\u00fcr ihre \u201eureigenen Gesch\u00e4ftsinteressen\u201c (vgl. ebd.) auch und gerade die Nutzer einzusetzen. Es geht um das \u201eCrowdsourcing\u201c der konzern-eigenen Lobby-Arbeit, um \u201eGraswurzel-Lobbying\u201c (ebd.). Der hier ausgerufene Kampf gegen Zensur ist vor allem einer der Verteidigung der eigenen Gesch\u00e4ftsfreiheit und damit einer zugunsten der eigenen \u201emonopolartigen Markt- und Meinungsmacht\u201c.<\/p>\n<p>3.) Statt Emanzipation der vielen und ihrer Teilnahme und Teilhabe am Netzverkehr l\u00e4uft Wesentliches der globalen Digitalisierung auf neue Beschr\u00e4nkungen und Festlegungen der Nutzer auf blo\u00dfe Konsumenten-Rollen hinaus: FAZ-Herausgeber Schirrmacher sieht statt Partizipation vor allem \u201eBelohnungssysteme\u201c und \u201eEmpfehlungsbuttons\u201c (SCHIRRMACHER 2012). Soziales Verhalten und soziale Beziehungen (in ihrer Subjektivit\u00e4t und Intersubjektivit\u00e4t) werden zur Ware und daher m\u00f6glichst mehrfach und zugleich maximal als Daten verwertet. Schirrmacher: \u201eInteressanter als die Frage, was das neue iPhone100 kann, ist die Frage, welchen weiteren Aspekt sozialen Verhaltens Apple damit vermarkten kann\u201c.<br \/>\nDie Kapitalverh\u00e4ltnisse expandieren unter den Labels des \u201esocial networking\u201c in extensiver und intensiver Richtung. Man k\u00f6nnte daher auch eine neue, l\u00e4ngere Welle innerhalb des f\u00fcnften \u201eKondratjew-Zyklus\u201c (informationstechnologisch gepr\u00e4gter globaler Kapitalismus seit ca. 1990) bestimmen. Ein wichtiger Aspekt dabei scheint die vermehrte Einbeziehung von \u201eSelbstausbeutung\u201c (Schirrmacher) oder eben Ausbeutung sozialen Netzwerkens bzw. Netzverkehrs, sofern Gewinn als Profit wesentlich durch die Aneignung des von anderen\/durch andere geschaffenen Mehrwertes, also in der Ausbeutung fremder Arbeit entsteht und verwirklicht wird. Mit Blick auf die \u00d6ffentlichkeiten mit ihrem symbolisch-generalisierten Medium der Aufmerksamkeit l\u00e4sst sich in neuer Weise von einer \u201eAufmerksamkeits\u00f6konomie\u201c (Schirrmacher) sprechen: Die \u00d6konomisierung als Kapitalisierung eignet sich sowohl tradierte als auch neue Felder von \u00d6ffentlichkeit an und unterwirft sie ihren Zweck- und Ma\u00dfbestimmungen. Mit Habermas k\u00f6nnte dies auch als Kolonialisierung neuer und weiterer lebensweltlicher Bereiche gelesen und kritisiert werden. Klar scheint, wer von einer \u201eAtomisierung\u201c (Schirrmacher) \u00f6ffentlicher Diskurse am meisten profitiert und noch mehr profitieren w\u00fcrde. Dagegen bedarf es auch laut Frank Schirrmacher Debatten \u00fcber wirtschaftliche Interessen und \u00f6konomische Modelle, und dagegen bedarf es, dar\u00fcber hinaus, Debatten \u00fcber Wiederbelebungen und Neubelebungen von Politik und Kultur, von Politiken und Kulturen im Lokalen, Regionalen, Nationalen und Internationalen bis zum Globalen, um angesichts m\u00f6glicher Vielfalt nicht der Betriebswirtschaft allein die Welt, die \u00d6ffentlichkeiten und den Netzverkehr zu \u00fcberlassen.<\/p>\n<p>4.) Zum sprachkritischen Kaleidoskop: Moderatorin Irina Grabowski sprach im RBB-Inforadio am Morgen des 25.5.2012: \u201eF\u00fcr den Fiskalpakt ist die Bundesregierung bei der Abstimmung im Bundestag auf die Stimmen der Opposition angewiesen.\u201c. Wieso mit bestimmtem Artikel? Auch f\u00fcr die Annahme dieses Gesetzes w\u00e4re es in einer parlamentarischen Demokratie merkw\u00fcrdig, wenn 100 Prozent der Abgeordneten zustimmen m\u00fcssten. Es ist kein Geheimnis, dass in diesem Falle genau zwei Drittel der Stimmen ben\u00f6tigt wurden. Da stimmte also etwas nicht in der Formulierung der Journalistin \u2026.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Sebastian K\u00f6hler 1.) Das Nutzen sogenannter sozialer Netzwerke (diese Namensgebung ist ein genialer PR-Coup, denn was gibt es Besseres als \u201esozial\u201c und \u201eNetzwerken\u201c) dient gerade auf Gesch\u00e4fts-Plattformen wie Facebook z.B. laut dem Z\u00fcricher Medienforscher Felix Stalder der Verschleierung neuer &hellip; <a href=\"http:\/\/blogs.hmkw.de\/HierMagKritisiertWerden\/?p=218\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[4,71,69,72,12],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/blogs.hmkw.de\/HierMagKritisiertWerden\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/218"}],"collection":[{"href":"http:\/\/blogs.hmkw.de\/HierMagKritisiertWerden\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/blogs.hmkw.de\/HierMagKritisiertWerden\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/blogs.hmkw.de\/HierMagKritisiertWerden\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/blogs.hmkw.de\/HierMagKritisiertWerden\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=218"}],"version-history":[{"count":3,"href":"http:\/\/blogs.hmkw.de\/HierMagKritisiertWerden\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/218\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":222,"href":"http:\/\/blogs.hmkw.de\/HierMagKritisiertWerden\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/218\/revisions\/222"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/blogs.hmkw.de\/HierMagKritisiertWerden\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=218"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/blogs.hmkw.de\/HierMagKritisiertWerden\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=218"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/blogs.hmkw.de\/HierMagKritisiertWerden\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=218"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}