{"id":216,"date":"2012-11-28T18:37:46","date_gmt":"2012-11-28T17:37:46","guid":{"rendered":"http:\/\/blogs.hmkw.de\/HierMagKritisiertWerden\/?p=216"},"modified":"2012-11-28T18:37:46","modified_gmt":"2012-11-28T17:37:46","slug":"qualitatsjournalismus-ein-weiser-schimmel-steigt-auf","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/blogs.hmkw.de\/HierMagKritisiertWerden\/?p=216","title":{"rendered":"Qualit\u00e4tsjournalismus &#8211; ein wei\u00dfer Schimmel steigt auf?"},"content":{"rendered":"<p>Von Sebastian K\u00f6hler<\/p>\n<p>1.) Betrachten wir die Verh\u00e4ltnisse von tradierten Medien und Netzverkehr und die Rolle des Journalismus da wie dort, finden wir im ohnehin h\u00f6chst lesenswerten Universal-Nachdenkbuch \u201eDer Implex\u201c von Dietmar Dath und Barbara Kirchner \u00fcber sozialen Fortschritt (Suhrkamp Frankfurt\/M. 2012, S.317) einen feinen Impuls: Erkl\u00e4rungskr\u00e4ftiger als Walter Benjamins Motiv, wonach in den alten Medien die neuen steckten, erscheint den Autoren &#8211; bei aller sonstigen N\u00e4he zu Argumenten Benjamins &#8211; die These von Herbert Marshall McLuhan, der zufolge der Inhalt neuer Medien die alten seien (seinerzeit Theater im Fernsehen, Fortsetzungsroman in der Zeitung etc.). Kein Wunder daher, dass sich der Netzverkehr am tradierten Journalismus bedient und ihn in den neuen Formen und Verbreitungswegen des Internets zum Inhalt macht. Der hier freilich in der Turing-Galaxis, gemessen an den Ma\u00dfst\u00e4ben aus Print-\u00c4ra und Gutenberg-Galaxis, viel schwerer einzeln verwertbar erscheint denn bisher als Doppelcharakter von Ware und Kulturgut \u00fcberwiegend aus privatwirtschaftlichen Verlagsh\u00e4usern. So l\u00e4sst sich medientheoretisch zum Beispiel der Kern der aktuellen Konflikte zwischen Konzernen wie Google und Konzernen wie Springer besser verstehen.<br \/>\n2.) Google rief in dieser Woche die Nutzer auf, \u201eDein Netz\u201c zu verteidigen insbesondere gegen die aufziehenden Bezahl-Anspr\u00fcche tradierter Zeitungsverlage in Deutschland unter dem gerade im Bundestag debattierten verlegernahen Label \u201eLeistungsschutzrecht\u201c. (http:\/\/kress.de\/mail\/alle\/detail\/beitrag\/119052-grosse-kampagne-gegen-das-leistungsschutzrecht-google-ruft-nutzer-auf-ihr-netz-zu-verteidigen.html, Aufruf am 28.11.12, 17.30 Uhr). Nun w\u00e4re es ja sch\u00f6n, wenn das Netz \u201eunser\u201c w\u00e4re \u2013 aber wie die Dinge liegen, ist es doch weit mehr und eher das Netz von Google als z.B. \u201emeines\u201c.  Die beiden gro\u00dfen Verlegerverb\u00e4nde in Deutschland reagierten erwartbar: Sie verurteilen das Agieren des &#8211; bei den allgemeinen Suchmaschinen mit Abstand marktbeherrschenden &#8211; Internet-Konzerns Google als eine \u201eKampagne gegen das Leistungsschutzrecht\u201c und &#8222;\u00fcble Propaganda&#8220; . Google arbeite mit perfiden Methoden, um Angst zu verbreiten ( http:\/\/kress.de\/mail\/alle\/detail\/beitrag\/119061-reaktion-auf-google-kampagne-zum-lsr-bdzv-und-vdz-sprechen-von-uebler-propaganda.html, Aufruf am 28.11.12, 18.09 Uhr). Zwischen der Scylla der neuen Konzerne wie Google oder Facebook und der Charybdis der alten Verleger-Platzhirsche versucht Berufsvertreter Michael Konken zu segeln, der DJV-Vorsitzende: Wichtig sei, dass die Interessen der Journalistinnen und Journalisten als der Urheber der publizistischen Leistungen fair ber\u00fccksichtigt werden.<br \/>\n3.) Der Vorstandsvorsitzende des Springer-Verlages, Mathias D\u00f6pfner, schreibt in der \u201eWelt\u201c, der Journalismus habe seine besten Zeiten noch vor sich (http:\/\/www.welt.de\/debatte\/article111363883\/Der-Journalismus-hat-das-Beste-noch-vor-sich.html, Aufruf am 28.11.12, 18.20 Uhr):  D\u00f6pfner meint dort: \u201eUnabh\u00e4ngig recherchierter Journalismus hat seinen Preis und seinen Wert.\u201c Abgesehen von Fragen nach Gebrauchswert oder Tauschwert erhebt sich hier das Problem des \u201ewei\u00dfen Schimmels\u201c: Denn was sollte Journalismus sonst  sein, wenn nicht von vornherein und jedenfalls recherchiert, und das bitte auch m\u00f6glichst unabh\u00e4ngig? Das sind Aspekte der journalistischen Basis-Arbeit, die anscheinend weder die Chefs von Springer noch die von Google besonders interessieren.<br \/>\n4.) In der 14-Uhr-Ausgabe vom Do., 22.11.2012, der &#8222;Tagesschau in 100 Sekunden&#8220; hie\u00df es, beide Konfliktparteien in Nahost &#8222;halten sich scheinbar an die Waffenruhe&#8220;. Mir schien, dort war ganz klar &#8222;anscheinend&#8220; (oder &#8222;offenbar&#8220; etc.) gemeint &#8211; &#8222;scheinbar&#8220; hie\u00dfe ja, es w\u00e4re nicht so, und der An-Schein tr\u00fcge. Doch das war hier anscheinend nicht gemeint, oder? Ich schrieb eine Mail an die Redaktion von \u201eARD aktuell\u201c in Hamburg, und der Erste Chefredakteur Dr. Kai Gniffke antwortete \u201emit herzlichem Gru\u00df: \u201eBingo, Herr Professor K\u00f6hler, anscheinend haben wir hier ungenau formuliert.\u201c. Und wenn der Schein nicht tr\u00fcgt, ist es nicht sinnlos, sich auch per R\u00fcckmeldung am Journalismus zu beteiligen \u2013 Interaktivit\u00e4t und Austausch auf Augenh\u00f6he hier nicht nur als tr\u00fcgererischer Schein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Sebastian K\u00f6hler 1.) 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