{"id":212,"date":"2012-11-14T18:22:13","date_gmt":"2012-11-14T17:22:13","guid":{"rendered":"http:\/\/blogs.hmkw.de\/HierMagKritisiertWerden\/?p=212"},"modified":"2012-11-14T18:22:13","modified_gmt":"2012-11-14T17:22:13","slug":"viele-enttauschte-der-journalist-als-fan","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/blogs.hmkw.de\/HierMagKritisiertWerden\/?p=212","title":{"rendered":"Viele Entt\u00e4uschte? Der Journalist als Fan"},"content":{"rendered":"<p>Von Sebastian K\u00f6hler<br \/>\n1.) Mit der traditionsreichen \u201eFrankfurter Rundschau\u201c scheint es zuende zu gehen. Einer der fr\u00fcheren Chefredakteure, der ausgewiesene Linksliberale Wolfgang Storz (leitete das Blatt von 2002 bis 2006), sieht das besondere Problem der \u201eFR\u201c darin (vgl. junge Welt, 14.11.2012, S.2), dass gerade unter den neuen Mehrheitseigent\u00fcmern seit 2010, der Verlagsgruppe Dumont-Schauberg, ein ziemlich aussichtsloser Spagat versucht worden sei: Sowohl die regionale Berichterstattung im Rhein-Main-Gebiet als auch die \u00fcberregionale sollten mit sinkenden Ressourcen sogar ausgebaut werden \u2013 Storz sieht darin die FR-Krankheit, auf zwei schwachen Beinen stehen zu sollen. Zudem habe es unter den K\u00f6lner Verlegern eine Abkehr von der klar linksliberalen Profilierung gegeben: \u201eStammleser wurden vertrieben, neue aber nicht hinzugewonnen\u201c (kann man denn auch weggewinnen? Aber okay \u2013 hier nicht der Hauptpunkt \u2013 SeK). Die \u201eBerliner Zeitung\u201c aus demselben Gro\u00dfverlag scheint nun auch zu wackeln, der Financial Times Deutschland geht es ebenfalls schon l\u00e4nger kaum gut. L\u00e4uft es in der Tendenz auf die Print- oder Online-Modelle von Wochenzeitungen wie \u201eZeit\u201c und \u201eFreitag\u201c hinaus? Mehr Zeit, mehr Hintergrund, mehr Meinung? Als Slow-Journalism, w\u00e4hrend die schnelle Variante \u00fcber Internet-Plattformen oder TV-Nachrichtenticker geschieht? Der Journalismus als demokratisierende, kritische Tendenz d\u00fcrfte neue Finanzierungs- und Organisationsmodelle ben\u00f6tigen, jenseits der klassischen privat-unternehmerischen Strukturen, die vor allem auf monet\u00e4ren Umsatz und Gewinn zielen. Denn \u2013 Ironie dieser Geschichte &#8211; auch die SPD-nahe Holding DDVG als Minderheiten-Gesellschafter hat die \u201eFR\u201c nicht gerettet.<br \/>\n2.) Gerade war sie, am 18.10., 90 Jahre alt, da steckt die BBC in einer der tiefsten Krisen ihrer Geschichte (vgl. BLZ, 12.11.12., S.8). Sie gilt weltweit vielerorts noch immer als Vorbild eines \u00f6ffentlichen Rundfunks (Radio, TV, Internet), der relativ unabh\u00e4ngig von Konzern-Chefs und Regierungs-Politikern journalistisch vermittelt. Nun hat die BBC den Generaldirektor und die beiden Nachrichtenchefs verloren durch eine weiterhin ziemlich un\u00fcbersichtliche Reihung mehrerer Skandale : Der Konkurrent ITV hatte seit 3.10. den jahrelangen Kindesmissbrauch durch den 2011 verstorbenen BBC-Star-Moderator Jimmy Savile enth\u00fcllt, der sich w\u00e4hrend seiner aktiven Zeiten anscheinend sogar fast vor laufenden Kameras der P\u00e4dophilie schuldig gemacht haben d\u00fcrfte. Aber bis zum 3.10. wollte es keiner gesehen haben, auch und gerade bei der BBC nicht. Wie um diesen Lapsus wieder auszugleichen, sendete das TV-Nachrichtenmagazin \u201eNewsnight\u201c einen  offenbar falschen Bericht \u00fcber einen fr\u00fcheren Tory-Politiker, der nun in der BBC als Kindersch\u00e4nder dargestellt wurde. Das war dann des Schlechten zu viel. Die BBC am Tiefpunkt. Und kaum einer spricht noch von den Skandalen um Rupert Murdochs Medienkonzern News International\u2026.<br \/>\n3.) Die deutsche Nachrichten-Agenturlandschaft zeigt sich weiter heftig bewegt (http:\/\/kress.de\/mail\/alle\/detail\/beitrag\/118880-nachrichtenagenturen-ap-und-dpa-vereinbaren-langfristige-kooperation.html, Aufruf am 14.11., 18.01 Uhr): AP und dpa gaben bekannt, langfristig kooperieren zu wollen. Das d\u00fcrfte weder Reuters noch AFP freuen, aber erst recht nicht die in Insolvenz befindliche dapd: Die hatte bisher intensiv mit AP zusammengearbeitet, war dapd doch 2010 aus der Fusion von deutschem Dienst von AP mit der Agentur ddp hervorgegangen. Und dapd hatte sich ganz deutlich gerade gegen\u00fcber der dpa zu profilieren versucht.<br \/>\n4.) Im \u201eSpiegel\u201c stand neulich (43\/2012, Seite 163): \u201cIn diesen Tagen wurde der Bundestrainer in einer Pressekonferenz gefragt, ob er \u201eein anderer\u201c geworden sei, wie Kritiker nach der f\u00fcr viele entt\u00e4uschenden Europameisterschaft behauptet hatten.\u201c Dieser Satz wirft nicht unbedingt \u201eviele\u201c, aber doch zumindest eine Frage auf: Worauf bezieht sich das Wort \u201eviele\u201c? Auf die Kritiker? Das w\u00e4re vom Satzbau her (also syntaktisch) naheliegend, erscheint aber mit Blick auf die Bedeutung (also semantisch) kaum sinnvoll. Bezieht es sich uneingeschr\u00e4nkt und \u00fcber den Satz-Kontext hinaus auf \u201ealle\u201c? Nein, sicher nicht auf &#8211; zum Beispiel &#8211; die vielen Fans der spanischen oder italienischen Auswahl. Denn die d\u00fcrften von Verlauf und Ergebnis der EM kaum entt\u00e4uscht gewesen sein. Vermutlich sind einfach viele Fans der deutschen Mannschaft gemeint. Sollte Autor J\u00f6rg Kramer selber auch einer sein und ihm deswegen an dieser Stelle ein wenig die professionelle Distanz zum Gegenstand fehlen? Viel-leicht ein Fall f\u00fcr den Zwiebelfisch im Hause Spiegel? Oder d\u00fcrften Spiegel-Leser an der Stelle nicht mehr als \u201eviele\u201c wissen?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Sebastian K\u00f6hler 1.) Mit der traditionsreichen \u201eFrankfurter Rundschau\u201c scheint es zuende zu gehen. 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