{"id":210,"date":"2012-11-07T16:49:18","date_gmt":"2012-11-07T15:49:18","guid":{"rendered":"http:\/\/blogs.hmkw.de\/HierMagKritisiertWerden\/?p=210"},"modified":"2012-11-07T16:49:18","modified_gmt":"2012-11-07T15:49:18","slug":"pressefreiheit-durchgewunken","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/blogs.hmkw.de\/HierMagKritisiertWerden\/?p=210","title":{"rendered":"Pressefreiheit durchgewunken?"},"content":{"rendered":"<p>Von Sebastian K\u00f6hler<\/p>\n<p>1.) Der griechische Journalist Kostas (manche Quellen schreiben auch Costas) Vaxevanis wurde in der vorigen Woche in Athen angeklagt, nachdem er in seinem Wochen-Magazin \u201eHot Doc\u201c die Namen von mehr als 2000 Griechen ver\u00f6ffentlicht hatte, die mutma\u00dflich geheime Konten in der Schweiz f\u00fchren, um Steuern zu hinterziehen (vgl. Printausgabe The Guardian, England, 2.11.2012, S.3).  2010 hatte die damalige franz\u00f6sische Finanzministerin Christine Lagarde ihrem griechischen Amtskollegen eine Liste mit solchen Namen \u00fcbergeben, um m\u00f6gliche F\u00e4lle von Steuerhinterziehung zu untersuchen. Die jetzige Ver\u00f6ffentlichung dieser Liste durch &#8222;Hot Doc&#8220; hatte die Politik- und Wirtschaftseliten Griechenlands aufgescheucht. Das griechische Gericht sprach den Journalisten frei, und der sagte zu dem Fall in Anlehnung an Georg Orwell: \u201eJournalismus bedeutet, etwas zu ver\u00f6ffentlichen, was jemand anderes nicht ver\u00f6ffentlicht sehen m\u00f6chte. Alles andere ist \u00d6ffentlichkeitsarbeit\u201c (\u00dcbersetzung aus dem Englischen SeK).  Es gibt zum Gl\u00fcck also beides noch in Griechenland &#8211; unabh\u00e4ngige Journalisten und unabh\u00e4ngige Richter. Das Land scheint mir alles andere als verloren.<br \/>\n2.) Keine gute Nachricht f\u00fcr die insolvente Nachrichten-Agentur dapd: Die WAZ-Gruppe, die als drittgr\u00f6\u00dftes Verlagshaus Deutschlands gilt, hat sich laut Mediendienst kress entschieden, wieder zur Nutzung der dpa-Angebote zur\u00fcckzukehren und somit dapd den R\u00fccken zu kehren. Das ist besonders spannend, weil die WAZ-Gruppe 2009 im Zuge von Ausgaben-K\u00fcrzungsvorhaben recht spektakul\u00e4r von der dpa hin zu dapd gewechselt war. Dort firmiert der  Essener Konzern als prestigetr\u00e4chtiger Kunde, der f\u00fcr etwa vier Prozent des Umsatzes der Agentur sorgen soll (vgl. http:\/\/kress.de\/mail\/tagesdienst\/detail\/beitrag\/118734-post-aus-essen-waz-gruppe-will-dapd-den-laufpass-geben.html, Aufruf am 7.11.12 um 16.13 Uhr).<br \/>\n3.) Gute Nachrichten, was die eigenen Bilanzen angeht, hingegen aus dem Hause \u201eSpringer\u201c: Vorstandschef Mathias D\u00f6pfner hat angesichts der dritten Quartalsbilanz dieses Jahres erneut ein Rekordergebnis f\u00fcr das Gesamtjahr in Aussicht gestellt (siehe http:\/\/kress.de\/mail\/alle\/detail\/beitrag\/118745-axel-springers-neun-monats-bilanz-digital-geschaeft-traegt-immer-staerker-zum-konzernergebnis-bei.html, Aufruf am 7.11.12 um 16.24 Uhr):  Vor allem die Digitalgesch\u00e4fte scheinen sehr gut zu laufen, aber auch die inl\u00e4ndischen Printmedien (z.B. BILD) spielen laut D\u00f6pfner &#8211; trotz sinkender Werbe-Einnahmen, also durch Kostensenkungen und entsprechend h\u00f6here Verkaufserl\u00f6se &#8211; Gewinne vor Steuern und Abschreibungen in H\u00f6he von  mehr als 20 Prozent ein. Die Konzernoberen sprechen von weiterhin hoher Ertragskraft und sehen als ein weiteres Mittel dazu die angek\u00fcndigte \u201eRedaktionsgemeinschaft\u201c von Welt-Gruppe, Hamburger Abendblatt und Berliner Morgenpost.<br \/>\n4.) Zum sprachkritischen Kaleidoskop: Die Kollegen des deutschen Textdienstes von Reuters berichteten am Montag, 5.12., um 13.41 Uhr, die spanische Regierung lege sich bei der Nominierung des Luxemburger Notenbankchefs Yves Mersch f\u00fcr das EZB-Direktorium quer: Im Text hie\u00df es weiter hinten: \u201cDie Euro-Staaten waren sich in der Personalfrage eigentlich bereits seit Juli einig. Nun versagte Spanien einem &#8222;schriftlichen Verfahren&#8220; seinen Segen, in dem Mersch eigentlich durchgewunken werden sollte.\u201d Ein Wunk mit dem Zaunpfahl sprachlicher Schmalspuren? Der Duden r\u00e4t mittlerweile online zur Hauptvariante \u201cdurchgewinkt\u201d. \u201cdurchgewunken\u201d sei auch, aber vor allem umgangssprachlich m\u00f6glich, mittlerweile sogar h\u00e4ufig anzutreffen (http:\/\/www.duden.de\/rechtschreibung\/winken, Aufruf am 5.11.12, 14.24 Uhr).<br \/>\nViel strenger winkt der philologische Zeigefinger von Bastian Sick: \u201cDas Verb &#8222;winken&#8220; wird regelm\u00e4\u00dfig konjugiert: ich winke, ich winkte, ich habe gewinkt. Die Form &#8222;gewunken&#8220; ist landschaftlich verbreitet, aber streng genommen ein Irrtum. Zwar hei\u00dft es &#8222;sinken, sank, gesunken&#8220; und &#8222;trinken, trank, getrunken&#8220;, doch nicht &#8222;winken, wank, gewunken&#8220;. Die Formen von &#8222;winken&#8220; werden wie die Formen von blinken, hinken und schminken regelm\u00e4\u00dfig gebildet. http:\/\/www.spiegel.de\/kultur\/zwiebelfisch\/zwiebelfisch-abc-gewinkt-gewunken-a-311683.html, Aufruf am 5.11.2012, 14.18 Uhr)\u201d Dasselbe gilt laut Sick f\u00fcr Zusammensetzungen wie eben: Der Lastwagen wurde durchgewinkt. Mir scheint ein \u00e4hnliches Argument mit Blick auf die sprachliche Vielfalt wichtig: Sofern die deutsche Sprache folgerichtig und formenreich mit schwachen und starken Verben aufgebaut ist, ist der Leitformen-Weg von \u201cwinken\u201d \u00fcber \u201cwank\u201d oder \u201cwankte\u201d zu \u201cgewunken\u201d schon besetzt durch ein anderes regelm\u00e4\u00dfiges, schwaches Verb: wanken- wankte \u2013 gewankt. Kurzschl\u00fcssige Verengungen unserer sprachlichen M\u00f6glichkeiten sollten nicht einfach \u201cdurchgewunken\u201d werden. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Sebastian K\u00f6hler 1.) 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