{"id":196,"date":"2012-07-04T20:39:34","date_gmt":"2012-07-04T19:39:34","guid":{"rendered":"http:\/\/blogs.hmkw.de\/HierMagKritisiertWerden\/?p=196"},"modified":"2012-07-04T20:39:34","modified_gmt":"2012-07-04T19:39:34","slug":"%e2%80%9eneuzugange-auch-bei-den-nsu-ermittlungen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/blogs.hmkw.de\/HierMagKritisiertWerden\/?p=196","title":{"rendered":"\u201eNeuzug\u00e4nge\u201c auch bei den NSU-Ermittlungen"},"content":{"rendered":"<p>Blog vom 4.7. von Sebastian K\u00f6hler <\/p>\n<p>1.) Da wir uns im Kurs auch gerade an Glossen zum Thema \u201eNSU-Ermittlungen\u201c versuchten, hier eine Version aus einem der beiden Zentralorgane f\u00fcr Satire in Deutschland: Titanic-Chefredakteur Leo Fischer schreibt in seinem aktuellen Editorial (Heft 4\/2012, S.3.): \u201eLiebe Leser, es scheint, dass die Beh\u00f6rden nun endlich, endlich beginnen, aus den Taten der Zwickauer Zelle ihre Lehren zu ziehen: es tut sich was in Sachen Extremismusbek\u00e4mpfung! So m\u00f6chte beispielsweise Bundesinnenminister Hans-Penis Friedrich die Salafisten st\u00e4rker ins Visier nehmen: Mittlerweile ist erwiesen, dass Mitglieder des NSU immer wieder auch die N\u00e4he zu radikalen wie auch moderaten Muslimen suchten. Zwar nur, um sie umzubringen \u2013 doch auch bei Mord gilt der Satz: Es braucht immer zwei dazu!\u201c Wiederum eine geradezu idealtypische Glosse, einzig den \u201ePenis\u201c hielte ich f\u00fcr verzichtbar \u2013 wegen: \u201eso kurz wie m\u00f6glich\u201c. <\/p>\n<p>2.) Das Thema der medial ventilierten Skandale bleibt medien- und kommunikationwissenschaftlich pr\u00e4sent: \u201eDer entfesselte Skandal\u201c hei\u00dft im Fr\u00fchjahr 2012 das Buch von Bernhard P\u00f6rksen und Hanne Detel: \u201eEntfesselung\u201c soll hierbei mit Blick auf die Betroffenen einen totalen Kontrollverlust bedeuten im Unterschied zu fr\u00fcheren Skandalen in raum-zeitlich \u00fcberschaubareren, linearen Medienwelten. Auch haben den Autoren zufolge Journalisten kein Monopol mehr auf  Enth\u00fcllungen \u2013 jeder kann mit Mobilger\u00e4ten jederzeit und praktisch in Echtzeit zum Enth\u00fcller werden. Tradierte Trennungen von Sendern und Empf\u00e4ngern werden aufgehoben.  Private Relevanz (Unterhaltsamheit, Interessantheit) wird noch dominanter im Vergleich mit \u00f6ffentlicher Relevanz (gesellschaftliche Wirksamkeit und Bestimmtheit) (vgl. BLZ 9.5.2012, S.26).<br \/>\nDie beiden Autoren erkl\u00e4ren (vgl. Freitag 18\/2012, S.6f.), wie es zum \u201ej\u00fcngsten Ger\u00fccht\u201c komme: Verschiedene Formen von Ger\u00fcchten seien wie Organismen, die unterschiedlich gut an ihre kommunikativen Umwelten angepasst sind. In Prozessen fortlaufender Optimierung setze sich schlie\u00dflich die wirksamste Variante durch.  Solche Informationseinheiten hat der Soziobiologe und Evolutionsforscher Richard Dawkins als \u201eMem\u201c bezeichnet: Ein solches Mem sei ein \u00f6ffentlich pr\u00e4sentes, sich ver\u00e4nderndes \u201eKonzept\u201c, das der Selektion unterworfen ist. Um sich in der Aufmerksamkeitskonkurrenz durchzusetzen, muss das jeweilige Mem interessant, leicht verst\u00e4ndlich und anschlussf\u00e4hig sein. Ein blo\u00dfes Ger\u00fccht entfesselt sich explosionsartig zum Mem, wenn es einen bestimmten \u201eNachrichtenwert\u201c erreicht, wobei Faktoren dazu aus Nachrichten- und Narrationsforschung bekannt sind: Konflikthaltigkeit, \u00dcberschaubarkeit, Personalisierung etc. Um eine \u201eAura des Authentischen\u201c, eine \u201eFiktion des Faktischen\u201c zu schaffen, werden oft Zeugen pr\u00e4sentiert oder Details genannt, die mit dem Sachverhalt selbst wenig zu tun haben. Will sich ein Betroffener gegen solche j\u00fcngsten Ger\u00fcchte wehren, bleibt er in einem Paradox gefangen: Er muss, wie in einer Art Gegendarstellung, zun\u00e4chst die zu dementierende Behauptung wiederholen. So kehrt in der Form der blo\u00dfen Negation auch das Ger\u00fccht selbst wieder in die \u00d6ffentlichkeit  zur\u00fcck.<\/p>\n<p>3.) Es ist mal wieder die Zeit der \u201eNeuzug\u00e4nge\u201c, zwischen den Spielzeiten. Beim FC Bayern wurde laut Focus online (http:\/\/www.focus.de\/sport\/fussball\/bundesliga1\/xherdan-shaqiri-kein-olympia-fuer-fc-bayern-_aid_775928.html, Aufruf am 4.7.2012, 12.55 Uhr) unter anderem der Schweizer Xherdan Shaqiri vorgestellt, nat\u00fcrlich als \u201eNeuzugang\u201c. Und nicht als wei\u00dfer Schimmel, was \u00e4hnlich \u201erichtig\u201c  gewesen w\u00e4re. Denn selbstverst\u00e4ndlich ist der Kicker ein \u201eZugang\u201c und kein \u201eNeuzugang\u201c. Oder gibt es auch \u201eAltzug\u00e4nge\u201c? Claudio Pizarro, k\u00f6nnte man meinen, mag beim FC Bayern als solcher gelten, nicht prim\u00e4r wegen seines Alters, sondern weil er ja schon fr\u00fcher mal beim deutschen Rekordmeister spielte und jetzt erneut den Bayern zuging. Aber deswegen ist der Peruaner weder \u201eNeuzugang\u201c noch \u201eAltzugang\u201c, sondern einfach ein \u201eZugang\u201c. Ist k\u00fcrzer und richtiger als der notorisch aufgeblasene \u201eNeuzugang\u201c.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Blog vom 4.7. von Sebastian K\u00f6hler 1.) 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