{"id":18,"date":"2011-11-10T14:01:54","date_gmt":"2011-11-10T14:01:54","guid":{"rendered":"http:\/\/writers.hmkw.de\/?p=18"},"modified":"2011-12-22T08:04:13","modified_gmt":"2011-12-22T08:04:13","slug":"wir-gedenken-dem-genitiv-und-einem-moderator","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/blogs.hmkw.de\/HierMagKritisiertWerden\/?p=18","title":{"rendered":"Wir gedenken dem Genitiv &#8211; und einem Moderator?"},"content":{"rendered":"<div>\n<ol>\n<li><strong>Das gr\u00f6\u00dfte deutsche Verlagshaus, der <a title=\"Opens external link in new window\" href=\"http:\/\/www.axelspringer.de\/\" target=\"_blank\"><strong>Axel-Springer-Konzern<\/strong><\/a>, ist nach eigenen Angaben weiterhin wirtschaftlich erfolgreich<\/strong>, und zwar noch st\u00e4rker, als von Branchenkennern ohnehin erwartet (vgl. BLZ vom 8.11., S.26): Zwar seien auch im dritten Quartal 2011 die Erl\u00f6se der Inlands-Printmedien (BILD, Welt etc.) leicht r\u00fcckl\u00e4ufig gewesen, daf\u00fcr hat Springer aber laut Vorstandschef <strong>Mathias D\u00f6pfner<\/strong> in den Bereichen Auslandsgesch\u00e4ft (Erl\u00f6szuwachs um 35,5 % gegen\u00fcber dem Vorjahr) und Internet (34,4 % Zuwachs) enorm zugelegt. Mit derart gef\u00fcllten Kassen zeigt sich der Konzern weiterhin an der \u00dcbernahme von Teilen der <a title=\"Opens external link in new window\" href=\"http:\/\/www.waz-mediengruppe.de\/\" target=\"_blank\">WAZ-Gruppe<\/a> sehr interessiert, namentlich an deren 50-Prozent-Anteil an der \u00f6sterreichischen <a title=\"Opens external link in new window\" href=\"http:\/\/www.krone.at\/\" target=\"_blank\">Kronenzeitung <\/a>(dort die auflagenst\u00e4rkste Boulevard-Zeitung), aber auch an den deutschen Programmzeitschriften der WAZ-Gruppe (Gong, Bild+Funk, TVdirekt) und an den Online-Aktivit\u00e4ten jenes Verlages. Und jetzt zu etwas v\u00f6llig Anderem (\u201eNow for something completely different\u201c, wie es bei Monty Python hei\u00dft): Wie der Branchendienst Kress meldet (siehe <a title=\"Opens external link in new window\" href=\"http:\/\/kress.de\/mail\/alle\/detail\/beitrag\/112962-novellierung-der-pressefusionskontrolle-zeitungsverlegern-reicht-regierungsentwurf-nicht.html\" target=\"_blank\">www.kress.de<\/a>, vom 10.11.2011), reicht den gro\u00dfen deutschen Verlagen das bisherige Entgegenkommen der Bundesregierung im Fall \u201eK\u00fcnftige Pressefusionen\u201c nicht: Die Koalition aus Union und FDP hat zwar mehrfach erkl\u00e4rt, die Regeln f\u00fcr Pressefusionen lockern zu wollen &#8211; doch den Zeitungsverlegern gehen die geplanten \u00c4nderungen nicht weit genug. Laut dem <a title=\"Opens external link in new window\" href=\"http:\/\/www.bdzv.de\/\" target=\"_blank\">Zeitungsverlegerverband BDZV<\/a> sieht der Gesetzesentwurf vor, dass die f\u00fcr Presseunternehmen geltende Aufgreifschwelle von Faktor 20 auf Faktor acht reduziert wird. Damit w\u00fcrden Verlage mit einem gemeinsamen Umsatz von bis zu 62,5 Mio Euro bei einer Fusion k\u00fcnftig keiner Kontrolle durch das Kartellamt mehr unterliegen. Derzeit liegt diese Grenze bei 25 Mio Euro, mit dem erkl\u00e4rten Ziel (besonders auf diesem Feld, mehr noch als in anderen M\u00e4rkten), Vielfalt zu st\u00e4rken. Ironie der Geschichte jetzt \u2013 die Verleger fordern aktuell Erleichterungen f\u00fcr ihre Gesch\u00e4fte ebenfalls mit dem Argument, nur so Vielfalt sichern zu k\u00f6nnen. Da f\u00e4llt mir zuf\u00e4llig der Satz des durchaus konservativen FAZ-Gr\u00fcndungsherausgebers Paul Sethe ein, ver\u00f6ffentlicht 1965 in einem Leserbrief im \u201e<a title=\"Opens external link in new window\" href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/\" target=\"_blank\">Spiegel<\/a>\u201c: \u201ePressefreiheit ist die Freiheit von 200 reichen Leuten, ihre Meinung zu verbreiten\u201c. So viel heute zum Thema Medienvielfalt (die ich in jeder Hinsicht erstrebenswert finde).<\/li>\n<li><strong>Ken Jebsen<\/strong><strong> ist ein polarisierender Radio-Moderator<\/strong>. Er spricht sehr schnell und pointiert, l\u00e4sst mit seinen Inhalten und Formen aufh\u00f6ren. Seit dem 28. April 2001 moderiert und produziert er laut Wikipedia f\u00fcr die <strong><a title=\"Opens external link in new window\" href=\"http:\/\/www.fritz.de\/\" target=\"_blank\">RBB-Jugendwelle \u201eFritz\u201c<\/a><\/strong> die von ihm konzipierte Radioshow KenFM. Am vergangenen Sonntag war erstmals seit langer Zeit kein KenFM zu h\u00f6ren, sondern vier Stunden lang nur Musik, ohne Moderation (andere Radiowellen wie BB Radio werben ja damit \u2013 \u201eZehn Hits ohne BlaBla\u201c \u2013 ich denke, so, als Playlist f\u00fcr alle, schaltet sich das Radio ganz sicher selbst ab). Was schien passiert? Der Publizist <strong>Henryk M. Broder <\/strong>hatte (laut Berliner Zeitung vom 8.11., S.22) in einer Mail an die Senderverantwortlichen dem Moderator Antisemitismus vorgeworfen, festgemacht an dem Jebsen zugerechneten Mail-Satz: \u201eich weis wer den holocaust als PR erfunden hat\u201c. Senderchef <strong>Stefan Warbeck<\/strong> sagte, Jebsen sei \u201ehier in eine Auseinandersetzung verwickelt, die auch den Sender und das Programm\u201c betreffe. Jebsen wiederum erkl\u00e4rte, Grund f\u00fcr das Abschalten seiner Sendung seien \u201epolitische Diskrepanzen\u201c. Sein Team sei wohl f\u00fcr manchen \u201ezu politisch\u201c. Er sei vielleicht irre, aber kein Antisemit. Er sagte aber (bisher) nicht, dass die umstrittene Mail-Passagen nicht von ihm stammten. Auf <a title=\"Opens external link in new window\" href=\"http:\/\/www.facebook.de\/\" target=\"_blank\">Facebook <\/a>und <a title=\"Opens external link in new window\" href=\"http:\/\/www.twitter.com\/\" target=\"_blank\">Twitter <\/a>laufen heftige Debatten \u00fcber Zensur und politische (Un-)Korrektheit. Nun erkl\u00e4rte der <a title=\"Opens external link in new window\" href=\"http:\/\/%28http\/\/presseservice.rbb-online.de\/presseinformationen\/unternehmen\/2011\/11\/20111109_ken_jebsen_bleibt_moderator_bei_fritz.phtml\" target=\"_blank\">RBB<\/a>, Jebsen werde am kommenden Sonntag wie gewohnt bei Fritz zu h\u00f6ren sein. Die Vorw\u00fcrfe gegen den Moderator, er verbreite antisemitisches Gedankengut und verleugne den Holocaust, halte die Anstalt f\u00fcr unbegr\u00fcndet. RBB-Programmdirektorin <strong>Claudia Nothelle<\/strong> wird in der Presseerkl\u00e4rung zitiert: \u201eKen Jebsen ist ein Moderator, der die jungen H\u00f6rerinnen und H\u00f6rer f\u00fcr Politik und Demokratie begeistern und sie zum Mitwirken anregen will. Wir mussten aber leider erkennen, dass er in manchen F\u00e4llen die Grenze \u00fcberschritten hat. Pointierte Meinung passt in die Sendung &#8211; aber nicht, ohne die journalistischen Standards einzuhalten.\u201c Bleibt zu hoffen, dass hier nicht einer der wenigen sowohl ansprechenden als auch relativ anspruchsvollen Moderatoren in der deutschen Radio-Landschaft zumindest leiser geschaltet werden soll.<\/li>\n<li>Und schlie\u00dflich<strong> ein Blick ins sprachkritische Kaleidoskop<\/strong>: In einem Essay, also einer der anspruchsvollsten journalistisch-publizistischen Darstellungsformen hinsichtlich Inhaltes und \u00c4sthetik, stand in der Berliner Zeitung vom 5.11., Seite 29: \u201eSie erfanden (\u2026), aus der damaligen allgemeinen Gesellschaftskrise heraus, eine Form von b\u00fcrgerlicher Gemeinschaft, mit der sie den Problemen gemeinsam Herr zu werden hofften.\u201c Es ging inhaltlich um das etwaige Ende von Demokratie \u2013 leider aber unter dem Strich auch hier um einen weiteren Sargnagel f\u00fcr den Genitiv (fr\u00fcher auch und heute veraltet: Genetiv), also den zweiten Fall der deutschen Grammatik. Denn auch wenn wir uns DEM Dativ immer mehr bewusst werden &#8211; zumindest in Essays sollte doch auch heute noch ab und zu DEM Genitiv gedacht werden. Eben Vielfalt statt Einfalt. Oder um es mit Herrn Sick (sic!) zu sagen: \u201eDer Dativ ist dem Genitiv sein Tod\u201c (Ende DEM Zitat).<\/li>\n<\/ol>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das gr\u00f6\u00dfte deutsche Verlagshaus, der Axel-Springer-Konzern, ist nach eigenen Angaben weiterhin wirtschaftlich erfolgreich, und zwar noch st\u00e4rker, als von Branchenkennern ohnehin erwartet (vgl. 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