{"id":158,"date":"2012-02-26T13:53:28","date_gmt":"2012-02-26T12:53:28","guid":{"rendered":"http:\/\/blogs.hmkw.de\/HierMagKritisiertWerden\/?p=158"},"modified":"2012-06-13T09:12:11","modified_gmt":"2012-06-13T08:12:11","slug":"alter-wein-in-griechischen-schlauchen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/blogs.hmkw.de\/HierMagKritisiertWerden\/?p=158","title":{"rendered":"Alter Wein in neuen Gef\u00e4\u00dfen?"},"content":{"rendered":"<p>Blog vom 26.2.2012:<\/p>\n<p>Zur phrasenhaften Konjunktur aktueller PR- oder Propaganda-Floskeln<\/p>\n<p>Von Sebastian K\u00f6hler<\/p>\n<p>Man kann die anhaltenden krisenhaften Prozesse in der politischen \u00d6konomie Europas als Finanzkrise oder weitergehend als Wirtschaftskrise bezeichnen. Meistens werden sie aber als Schulden- oder Staatsschuldenkrise benannt, oder eben als \u201eGriechenkrise\u201c, womit vor allem die Schuldfrage gekl\u00e4rt scheint. Immer wieder tauchen hier im deutschen Journalismus drei Redewendungen auf, die vorgeben, objektivierend zu beschreiben. Aber wir k\u00f6nnten auch anders:<br \/>\n1.) Die Griechen m\u00fcssten endlich die jeweils neueste Fassung von \u201eSparprogramm\u201c um- und durchsetzen (zum Beispiel: \u201eParlament billigt Sparprogramm\u201c, In: http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/europas-schuldenkrise\/griechenland-parlament-billigt-sparprogramm-11647542.html, Aufruf am 26.2.2012, 12.00 Uhr). \u201eSparen\u201c ist etwas intuitiv Gutes, etwas im Massenbewusstsein positiv Besetztes \u2013 Kinder bekommen es gelehrt, sie sollen es f\u00fcr ihr Leben lernen. Der Alltagsgebrauch legt nahe, etwas derzeit eher Nicht-Notwendiges beiseite zu legen, um sich sp\u00e4ter etwas Gr\u00f6\u00dferes, Wichtiges leisten zu k\u00f6nnen. Bei Wikipedia hei\u00dft es genau in diesem Sinne: \u201eSparen ist das Zur\u00fccklegen momentan freier Mittel zur sp\u00e4teren Verwendung. H\u00e4ufig wird durch wiederholte R\u00fccklage \u00fcber l\u00e4ngere Zeit ein Betrag aufsummiert, der dann f\u00fcr eine gr\u00f6\u00dfere Anschaffung verwendet werden kann.\u201c In: http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Sparen, Aufruf am 26.2.2012, 12.08 Uhr). Selbst bei nur kurzer Reflexion dessen, was in Griechenland in der Sache passiert (oder passieren soll), wird klar, dass es keineswegs um diese \u201eguten\u201c Aspekte des Sparens geht. Hier wird sozial umverteilt, und vom \u201eErsparten\u201c d\u00fcrften die \u201eSparer\u201c kaum irgendetwas haben. Viel sachlicher ist es, statt dessen von Sozialk\u00fcrzungs- oder Massensteuer-Erh\u00f6hungsprogrammen zu reden. Wenn sich manche Journalisten nicht das Denken und die Distanzierung in alle Richtungen \u201esparen\u201c w\u00fcrden.<br \/>\n2.) \u201eRettungsschirme\u201c (siehe u.a. im Focus \u201eEuro-Rettungsschirm: Abgeordneter fordert Ende der Griechenland-Hilfen\u201c; In: http:\/\/www.focus.de\/politik\/weitere-meldungen\/euro-rettungsschirm-abgeordneter-fordert-ende-der-griechenland-hilfen_aid_717241.html, Aufruf am 26.2.2012, 12.52 Uhr) klingen doppelt gut: \u201eRetten\u201c ist etwas Gro\u00dfartiges, sehr Menschliches, und \u201eSchirme\u201c sch\u00fctzen vor vielen Gefahren \u2013 Absturz, Regen, Sonnenbrand. Aber warum hei\u00dfen die Milliarden-Summen, die EU, IWF und Europ\u00e4ische Zentralbank auch aus unser aller Steuergeldern daf\u00fcr bereitstellen, dass die Gl\u00e4ubiger der griechischen Staatsschulden (z.B. ausl\u00e4ndische Banken und Versicherungen) hinreichend bedient werden, nicht einfach und sachlich zum Beispiel \u201eMilliarden-Summen\u201c? Sondern werden &#8211; in direkter \u00dcbernahme der Pressemitteilungssprache von EU, IWF und EZB &#8211; als \u201eRettungsschirme\u201c auch journalistisch verkauft ? Rette sich, wer kann, vor solchen schlichten \u201eCopy-and-Paste\u201c-Medien.<br \/>\n3.) Mit den \u201eRettungsschirmen\u201c landen wir auch gleich auf der n\u00e4chsten Samariterbasis, bei den allgegenw\u00e4rtigen \u201eHilfspaketen\u201c (siehe Welt online: \u201eDas Griechen-Hilfspaket birgt etliche Fallstricke\u201c; In: http:\/\/www.welt.de\/wirtschaft\/article13888187\/Das-Griechen-Hilfspaket-birgt-etliche-Fallstricke.html, Aufruf vom 26.2.2012, 13.10 Uhr). Die erscheinen ja &#8211; sofern hier eine Steigerung m\u00f6glich ist &#8211; fast noch sympathischer als die beiden erw\u00e4hnten Sprechblasen. Da schwingt ganz vorne \u201eSchenken und Gutes tun\u201c mit, und genau das ist auch der erste Treffer bei einer Google-Suche nach \u201eHilfspaket\u201c (Aufruf am 26.2.2012, 13.23 Uhr: http:\/\/www.google.de\/#hl=de&amp;sclient=psy-ab&amp;q=hilfspaket&amp;pbx=1&amp;oq=hilfspaket&amp;aq=f&amp;aqi=g4&amp;aql=&amp;gs_sm=3&amp;gs_upl=1012l4756l0l5404l10l7l0l3l3l2l1149l3654l0.2.1.1.0.1.0.2l10l0&amp;bav=on.2,or.r_gc.r_pw.r_qf.,cf.osb&amp;fp=35a09eb17a7bb46f&amp;biw=1467&amp;bih=696). \u201eHelfen\u201c ist mindestens so fein wie \u201eSparen\u201c und \u201eRetten\u201c, und \u201ePakete\u201c haben im Deutschen, u.a. als Care-Pakete oder West-Pakete, eine ziemlich tadellose umgangssprachliche Wortgeschichte. Doch warum wird auch hier kaum blo\u00df von Milliardensummen oder auch n\u00fcchtern von Stabilisierungsma\u00dfnahmen geredet? Soll bei solchen zusammengesetzten Termini \u201edoppelt gut\u201c besser halten, weil die entsprechenden \u201emarktkonformen\u201c (Angela Merkel im September 2011; vgl. http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=10611, Aufruf vom 26.2.2012, 13.47 Uhr) Politiken sowohl der Mehrheit der Griechen als auch nicht gerade kleinen Schichten in Deutschland und anderswo sonst noch schwerer zu vermitteln w\u00e4ren? Ohne die Hilfe von derart bedeutungsschweren, aber eben einseitig belasteten Sprach-Paketen?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Blog vom 26.2.2012: Zur phrasenhaften Konjunktur aktueller PR- oder Propaganda-Floskeln Von Sebastian K\u00f6hler Man kann die anhaltenden krisenhaften Prozesse in der politischen \u00d6konomie Europas als Finanzkrise oder weitergehend als Wirtschaftskrise bezeichnen. 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