{"id":153,"date":"2012-01-19T21:09:42","date_gmt":"2012-01-19T21:09:42","guid":{"rendered":"http:\/\/blogs.hmkw.de\/HierMagKritisiertWerden\/?p=153"},"modified":"2012-01-19T21:09:42","modified_gmt":"2012-01-19T21:09:42","slug":"gibt-es-ein-leben-nach-dem-vorleben","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/blogs.hmkw.de\/HierMagKritisiertWerden\/?p=153","title":{"rendered":"Gibt es ein Leben nach dem Vorleben?"},"content":{"rendered":"<p>Blog vom 18.1.2012: Gibt es ein Leben nach dem Vorleben?<br \/>\n1.) Man muss, wie gesagt, Christian Wulff und seine Aff\u00e4ren nicht verteidigen, um Kai Diekmann und das Haus Springer weiterhin kritisch zu fragen, warum dort der umstrittene Anruf des Bundespr\u00e4sidenten vom 12.12. nicht \u201ezeitnah\u201c ver\u00f6ffentlicht wurde. Und inwiefern sich der Verlag insgesamt nun zu Recht als H\u00fcter von Pressefreiheit und Aufkl\u00e4rung feiern l\u00e4sst. Die Tageszeitung \u201etaz\u201c&#8216; hakte bei Diekmann nach (http:\/\/www.taz.de\/Diekmann-an-taz\/!85638\/, Aufruf vom 17.1.2012, 18.10 Uhr), es gab einige neckische Scheingefechte zwischen beiden Seiten, aber der spannenden Frage nach dem Zustand der \u201einneren Pressefreiheit\u201c, also der Autonomie der Redakteure und der Redaktion im jeweiligen Hause, kam man kaum n\u00e4her auf die Spur.<br \/>\nNamhafte Journalisten wie Hans-Ulrich J\u00f6rges vom \u201eStern\u201c oder Steffen Klusmann von der \u201eFTD\u201c kritisieren mittlerweile vor allem die mediale Kritik an Wulff. Wenn allerdings J\u00f6rges auf dem Deutschen Medienkongress in Frankfurt am Main tats\u00e4chlich gesagt hat (laut epd und z.B. BLZ vom 18.1.2012, S.30): \u201eDie Ger\u00fcchte \u00fcber ein angebliches Vorleben von Bettina Wulff sind in den Medien auf eine rufm\u00f6rderische Art und Weise thematisiert worden\u201c, dann sollten wir in aller Ruhe festhalten, dass Bettina Wulff ganz sicher ein \u201eVorleben\u201c vor dem jetzigen an der Seite von Christian Wulff hatte. Die Frage bleibt, ob das schlicht beider Privatsache ist (was ja als die faire und journalistisch-professionelle Sichtweise erscheint), oder ob dieser Aspekt nicht doch auch \u00f6ffentlich-relevante Facetten aufweisen k\u00f6nnte, Stichwort Unabh\u00e4ngigkeit oder eben etwaige Erpressbarkeit. Da sollten nicht nur Bild und taz im Interesse selbstkritischer gesellschaftlicher Kommunikation dranbleiben und nicht dem n\u00e4chsten Schiff, das durchs Dorf gekentert wird, fast alle Ressourcen hinterherwerfen.<br \/>\n2.) Es tut sich was im deutschen Fernsehen, aber eher hinter den Kulissen. ARD und ZDF k\u00e4mpfen sichtlich um j\u00fcngere Nutzer (also j\u00fcnger als ca. 60 Jahre, wie wir neulich bei einer Exkursion zum ZDF in Berlin auch aus erster Hand best\u00e4tigt bekamen). Sie versuchen vor allem \u00fcber ihre digitalen Ableger wie EinsFestival und ZDFneo, sogar noch j\u00fcngere Leute als 59-J\u00e4hrige zu erreichen. Denn die Hauptprogramme bleiben traditionsbewusst \u2013 aus Furcht, anderenfalls Stammseher zu vergraulen. Und nun f\u00e4llt ihnen ein anderes Urgestein anscheinend in den R\u00fccken \u2013 Kurt Beck, seit Ewigkeiten Landesvater in Mainz und ca. ebenso lange schon Chef der Rundfunkkommission der L\u00e4nder, hat im Fachmedium \u201ePromedia\u201c erkl\u00e4rt, dass die \u00f6ffentlich-Rechtlichen gerade solche neuen Programme doch aus Kostengr\u00fcnden streichen k\u00f6nnten (http:\/\/www.goldmedia.com\/blog\/2011\/12\/beck-schlagt-einstellung-von-vier-der-sechs-digitalkanale-von-ard-und-zdf-vor-ministerprasident-kurt-beck-im-gesprach-mit-der-promedia\/#more-4508, Aufruf am 18.1.2012, 14.08 Uhr, vgl. BLZ vom 17.1.2012, S.26).  Dabei liegt im Abschalten des analogen Satellitensignals in Deutschland ab April eine Chance gerade f\u00fcr die neueren Digitalkan\u00e4le, Reichweite und vielleicht auch Marktanteile auszubauen, also \u201eQuote\u201c zu machen (was ja f\u00fcr die \u00f6ffentlich-Rechtlichen anscheinend immer wichtiger wird). Klar, dass gerade RTL und ProSieben gegen solche Experimente von ARD und ZDF sind. Denn deren bisherige Alterspyramide ist ja f\u00fcr diese privat-Rechtlichen geradezu der Goldesel oder eben die Goldelse. Dass diese Versuchsballons der Verj\u00fcngung zwischen \u201eFestival\u201c und \u201eNeo\u201c nicht in den Himmel fliegen, d\u00fcrfte auch daher klar sein \u2013 nicht zuletzt, weil die Rundfunkgeb\u00fchren bis 2016 laut der zust\u00e4ndigen Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der (\u00f6ffentlich-rechtlichen) Rundfunkanstalten nicht steigen, sondern maximal bei den bisherigen 17,98 Euro f\u00fcr Radio und TV bleiben sollen (vgl. .http:\/\/wissen.dradio.de\/nachrichten.59.de.html?drn:news_id=62315, Aufruf 18.1.2012, 15.53 Uhr) Allerdings, soviel \u201eneo\u201c bleibt uns auf alle F\u00e4lle erhalten, nicht mehr als ger\u00e4tebezogene Geb\u00fchr, sondern neuerdings als Haushaltsabgabe.<br \/>\n3.) In den Zeilen zuvor taucht relativ h\u00e4ufig das Wort \u201eanscheinend\u201c auf \u2013 und das ist nur scheinbar ein Zufall. Sondern ein Fall f\u00fcr unser sprachkritisches Kaleidoskop \u2013 ein Evergreen gerade in TV und Radio: Im ZDF-heute-journal hie\u00df es zum t\u00f6dlichen Waffengebrauch in einem Gericht in Bayern am 11.1.: \u201eWie kann es sein, dass der Angeklagte scheinbar ohne Kontrolle eine Waffen mit in das Gericht nehmen konnte?\u201c Scheinbar besteht also kein Unterschied zwischen \u201escheinbar\u201c und \u201eanscheinend\u201c. Aber eben nur scheinbar.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Blog vom 18.1.2012: Gibt es ein Leben nach dem Vorleben? 1.) 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