{"id":1154,"date":"2018-11-21T22:54:49","date_gmt":"2018-11-21T20:54:49","guid":{"rendered":"http:\/\/blogs.hmkw.de\/HierMagKritisiertWerden\/?p=1154"},"modified":"2018-11-21T22:54:49","modified_gmt":"2018-11-21T20:54:49","slug":"bild-der-frau-kein-west-oestlicher-divan","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/blogs.hmkw.de\/HierMagKritisiertWerden\/?p=1154","title":{"rendered":"Bild der Frau?  Kein west-\u00f6stlicher Divan"},"content":{"rendered":"<p>1.) Meine aktuelle Medienkritik der Woche: &#8222;100 Jahre Frauenwahlrecht&#8220;, das war auch in den ARD-Tagesthemen am 12.11.2018 (https:\/\/www.ardmediathek.de\/tv\/Tagesthemen\/tagesthemen\/Das-Erste\/Video?bcastId=3914&#038;documentId=57608738, Aufruf am 18.11.2018, 17.15 Uhr) ein wichtiges Thema, mit zwei Filmbeitr\u00e4gen und einem Kommentar. In den gesamten knapp zehn Minuten zum Thema &#8222;Frauenrechte&#8220; taucht allerdings kein einziger Halbsatz auf zum Thema &#8222;Frauen in der DDR&#8220;. Dabei geht es den &#8222;Tagesthemen&#8220; durchaus um Themen wie Berufst\u00e4tigkeit von Frauen oder auch Schwangerschaftsabbruch (was auch hier &#8222;nat\u00fcrlich&#8220; stark negativ wertend &#8222;Abtreibung&#8220; genannt wird). Aber kein Wort dar\u00fcber und anscheinend auch kein Gedanke daran, dass es gerade mit Blick auf Gleichstellung der Frauen in der DDR andere und oft klar fortschrittlichere Entwicklungen gab als in der BRD. Da d\u00fcrfen im TV-Beitrag drei glasklare &#8222;Westfrauen&#8220; (Rita S\u00fc\u00dfmuth, Susanne Omran, Carina Beck) stellvertretend f\u00fcr drei Generationen deutscher Frauen reden. Und kein Seitenblick nach oder von &#8222;Osten&#8220; relativiert die bundesdeutsche &#8222;Erfolgsgeschichte&#8220;. <\/p>\n<p>Selbst die den Gr\u00fcnen nahestehende Heinrich-B\u00f6ll-Stiftung, die kaum der DDR-Nostalgie verd\u00e4chtig ist, schreibt in einer Studie aus dem Jahre 2016 (https:\/\/www.boell.de\/de\/2016\/11\/09\/familienpolitik-ost-und-westdeutschland-und-ihre-langfristigen-auswirkungen, Aufruf am 18.11.2018, 17.30 Uhr): <\/p>\n<p>&#8222;Schon kurz nach der Gr\u00fcndung der DDR wurde 1950 ein \u201cGesetz \u00fcber den Mutter- und Kinderschutz und die Rechte der Frau\u201d erlassen,[&#8230;] das mit der Tradition des Nationalsozialismus, die Frau prim\u00e4r \u00fcber ihre Mutterrolle zu definieren, klar brach. So schrieb \u00a714 vor, dass:<\/p>\n<p>    \u201c\u2026die Eheschlie\u00dfung f\u00fcr die Frau keine Einschr\u00e4nkung oder Schm\u00e4lerung ihrer Rechte zur Folge hat\u201d und noch expliziter in \u00a715: \u201cDurch die Eheschlie\u00dfung darf die Frau nicht gehindert werden, einen Beruf auszu\u00fcben oder einer beruflichen Ausbildung und ihrer gesellschaftlichen und politischen Fortbildung nachzugehen; auch wenn hierdurch eine zeitweilige \u00f6rtliche Trennung der Eheleute bedingt wird.\u201d&#8220;<\/p>\n<p>Und weiter im Text der B\u00f6ll-Stiftung: &#8222;Auch die Rechte von Frauen, die uneheliche Kinder geboren hatten, wurden mit diesem Gesetz von 1950 in \u00a717(1) gest\u00e4rkt: \u201cDie nicht eheliche Geburt ist kein Makel. Der Mutter eines nicht ehelichen Kindes stehen die vollen elterlichen Rechte zu, die nicht durch die Einsetzung eines Vormundes f\u00fcr das Kind geschm\u00e4lert werden d\u00fcrfen.\u201d Diese Regelungen standen in direktem Gegensatz zu den zeitgleich in der BRD geltenden Gesetzen, die teilweise noch jahrzehntelang etwa Ehefrauen und Alleinerziehende diskriminierten.&#8220; Soweit der O-Ton von der B\u00f6llstiftung.<\/p>\n<p>Schwangerschaftsabbr\u00fcche waren in der DDR bereits ab 1972 ohne weitere Bedingungen bis zur zw\u00f6lften Schwangerschaftswoche m\u00f6glich &#8211; und das, obwohl ja permanenter Arbeitskr\u00e4ftemangel herrschte. Auch die &#8222;Pille&#8220; gab es kostenlos f\u00fcr jede Frau, die so eine Schwangerschaft verh\u00fcten wollte. <\/p>\n<p>Die soziale Norm der Vollzeiterwerbst\u00e4tigkeit galt auch f\u00fcr M\u00fctter, so dass die meisten nach Ablauf des Babyjahres wieder arbeiten gingen. Nur so war die hohe Erwerbsbeteiligung von 91 Prozent bis zum Wendejahr 1989 erreichbar \u2013 die h\u00f6chste Quote weltweit, wie sich auch in der Studie der B\u00f6ll-Stiftung nachlesen l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Es gibt also beim Thema &#8222;Gleichstellung der Frauen&#8220; ziemlich unterschiedliche Erfahrungen zwischen Ost- und Westdeutschen. Damit sollte man in einer offenen Gesellschaft und in pluralistischen Medien umgehen k\u00f6nnen. Doch am Beispiel dieser &#8222;Tagesthemen&#8220; zeigt sich, dass es in \u00f6ffentlich-rechtlichen Medien offenbar weiterhin ein massives (und vielleicht sogar wachsendes) Repr\u00e4sentationsproblem gibt, was die Artikulation von DDR-Erfahrungen und damit von ostdeutschen Sichtweisen (denn es geht ja auch um nach 1990 Geborene) betrifft. Das scheint bedenklich, da es gleichsam Sinnbild ist f\u00fcr verschiedene spiegelbildliche &#8222;Filterblasen&#8220;, die sich meines Erachtens gegenseitig verst\u00e4rken. Die Zustimmungsraten zur AfD im Osten und zu den Gr\u00fcnen im Westen korrelieren in gewisser Weise, und das scheint kein Zufall. Gesamtgesellschaftliche Kommunikation kann so kaum gelingen.<\/p>\n<p>2.) Zum stilkritischen Kaleidoskop: Das Portal &#8222;B\u00f6rse Online&#8220; meldete am 13.8.2018 (https:\/\/www.boerse-online.de\/nachrichten\/devisen\/tuerkische-lira-setzt-talfahrt-fort-1027452076, Aufruf am 18.11.2018, 18.30 Uhr): &#8222;Experten gehen davon aus, dass eine deutliche Zinserh\u00f6hung um mehrere Prozentpunkte den Lira-Verfall bremsen k\u00f6nnte. Mit ein Ausl\u00f6ser f\u00fcr den Lira-Verfall waren allerdings Sorgen \u00fcber die Unabh\u00e4ngigkeit der Notenbank: Erdogan hat sich selbst wiederholt als \u201cGegner der Zinsen\u201d bezeichnet und angek\u00fcndigt, eine gr\u00f6\u00dfere Kontrolle \u00fcber die Geldpolitik auszu\u00fcben.&#8220; <\/p>\n<p>&#8222;Mit ein Ausl\u00f6ser&#8220; liest sich merkw\u00fcrdig doppelt-gemoppelt: &#8222;Ein Ausl\u00f6ser&#8220; reicht doch v\u00f6llig! Oder w\u00fcrden wir beispielweise schreiben nach dem 3:0-Sieg der DFB-M\u00e4nner gegen das russische Team: &#8222;Mit ein Torsch\u00fctze der deutschen Mannschaft war Leroy San\u00e9&#8220;? <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1.) 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