{"id":1024,"date":"2018-01-17T22:14:32","date_gmt":"2018-01-17T20:14:32","guid":{"rendered":"http:\/\/blogs.hmkw.de\/HierMagKritisiertWerden\/?p=1024"},"modified":"2018-01-17T22:16:49","modified_gmt":"2018-01-17T20:16:49","slug":"fake-oder-fakt","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/blogs.hmkw.de\/HierMagKritisiertWerden\/?p=1024","title":{"rendered":"Fake oder Fakt?"},"content":{"rendered":"<p>1.) &#8222;Alternative Fakten&#8220; ist in Deutschland zum &#8222;Unwort&#8220; des Jahres 2017 bestimmt worden (http:\/\/www.zeit.de\/gesellschaft\/zeitgeschehen\/2018-01\/alternative-fakten-unwort-des-jahres-2017-sprache, Aufruf 16.1.2018, 19.20 Uhr).<br \/>\nDer Ausdruck geht auf \u00c4u\u00dferungen von Kellyanne Conway zur\u00fcck. Damit hatte die Beraterin von Donald Trump die ersichtlich falsche Tatsachenbehauptung bezeichnet, zur Amtseinf\u00fchrung des US-Pr\u00e4sidenten Anfang 2017 seien so viele Feiernde vor Ort in Washington auf der Stra\u00dfe gewesen wie nie zuvor bei entsprechender Gelegenheit. Laut Jury steht der Ausdruck &#8222;f\u00fcr die sich ausbreitende Praxis, den Austausch von Argumenten auf Faktenbasis durch nicht belegbare Behauptungen zu ersetzen&#8220;. Also f\u00fcr einen, das Paradoxon sei gestattet, &#8222;absoluten Relatvismus&#8220;, dem scheinbar alles irgendwie gleicherma\u00dfen g\u00fcltig ist. Aber nat\u00fcrlich und naheliegender Weise vor allem das, was in der eigenen &#8222;Blase&#8220; ventiliert wird. Was das eigene Weltbild best\u00e4tigt und verst\u00e4rkt. <\/p>\n<p><strong>Wem nutzen Kampagnen gegen &#8222;Fake News&#8220;?<\/strong><\/p>\n<p>Aber man sollte bei aller berechtigten Kritik an &#8222;Fake News&#8220; und &#8222;Alternative Facts&#8220; nicht das Kind mit dem Bade aussch\u00fctten. Michael Meyen weist zu Recht darauf hin (Michael Meyen: Fake Debate: Wem \u201eFake News\u201c wirklich helfen. In: Michael Meyen (Hrsg.): Medienrealit\u00e4t 2018.  https:\/\/medienblog.hypotheses.org\/1009, Aufruf 16.1.2018, 19.20 Uhr), dass die Kampagnen gegen \u201eFake News\u201c (\u00e4hnlich wie das Schlagwort \u201easoziale Medien\u201c) vor allem denen helfen, die (so oder so, ob nun das Trump-Lager oder die Clinton-Tendenz) an der Macht sind, und ihren &#8222;traditionellen Sprachrohren&#8220;, hei\u00dfen sie nun Fox News oder aber New York Times. Das stimmt laut Meyen auch deshalb, weil diese Debatten ablenken von Problemen, \u00fcber die wir sprechen sollten im Sinne sozialer und \u00f6kologischer Demokratisierung. \u00dcber die Qualit\u00e4t des Journalismus zum Beispiel, \u00fcber seine Finanzierung via Werbung und Verkauf, die vieles von dem zumindest nicht erleichtert, was wir von ihm erwarten d\u00fcrfen (\u00d6ffentlichkeit herstellen, die M\u00e4chtigen kritisieren und kontrollieren), und nicht zuletzt \u00fcber die Besitzverh\u00e4ltnisse. Ich halte in dieser Hinsicht f\u00fcr wichtig: Einerseits lassen sich l\u00e4ngst auch in den Metropolen des Turbokapitalismus wachsende soziale Spaltungen beobachten. Andererseits (und das mag damit zusammenh\u00e4ngen) kann man den medialen &#8222;Mainstream&#8220; als sogar noch homogener beschreiben denn bisher. Aus diesen sich verst\u00e4rkenden Spannungen scheinen sowohl &#8222;von oben&#8220; als auch &#8222;von unten&#8220; (leider) eher destruktive Tendenzen zu erwachsen, im Sinne von Autoritarismus und Exklusion. Und dann haben es &#8222;Fake News&#8220; oder &#8222;Alternative Fakten&#8220; relativ leicht, zumindest gro\u00dfe Reichweiten zu erzielen.<\/p>\n<p><strong>Fake News als bew\u00e4hrte Profit-Strategie<\/strong><\/p>\n<p>Christian Fuchs (Westminster University London) erkl\u00e4rt, inwiefern Fake News als Gefahr f\u00fcr Demokratisierung gesehen werden k\u00f6nnen (https:\/\/camri.ac.uk\/blog\/Articles\/fake-news-not-just-word-year-danger-democracy-can-overcome-adequate-legal-media-reforms\/, Aufruf 17.1.2018, 15.18 Uhr). Sie sind zun\u00e4chst nichts Neues, wie die Serie der Boulevardzeitung &#8222;New York Sun&#8220; aus dem Jahre 1835 zeigt, in der sehr massenwirksam von einer vermeintlichen Entdeckung menschlichen und tierischen Lebens auf dem Mond geschrieben wird (&#8222;The Great Moon Hoax&#8220;). &#8222;Fakes News&#8220; waren und sind Fuchs zufolge vor allem eine spezielle Profit-Strategie. Relativ neu aber seien nun die Herstellungs- und Verteilungswege: Weniger in und aus tradierten Medien, zunehmend in und aus und f\u00fcr Netzumgebungen, vor allem im Kontext bestimmter Plattformen (&#8222;Social Media&#8220;). Dort ist vieles m\u00f6glich:<br \/>\nFuchs verweist auf das Online-Software-Werkzeug &#8222;Twitter Audit&#8220;, demzufolge von den rund 43 Millionen Followern Donald Trumps auf Twitter rund 45 Prozent &#8222;fake accounts&#8220; seien.<\/p>\n<p><strong>Alternativen zur Fake-News-Kultur<\/strong><\/p>\n<p>Sich mit diesen gewiss nicht neuen, aber neuerdings aus dem Netz heraus ziemlich reichweitenstarken Ph\u00e4nomenen auseinanderzusetzen, das sollte allerdings weder alleinige Aufgabe von Staat und Gesetz noch von Konzern und Algorithmus sein, sondern im Sinne sozialer und \u00f6kologischer Demokratisierung eine Daueraufgabe f\u00fcr gestaffelte \u00d6ffentlichkeiten mit aktiven Nutzern auf allen Ebenen. Dabei h\u00e4tten auch Intermedi\u00e4re wie Google und Facebook ihre Beitr\u00e4ge zum Zustandekommen solch vielf\u00e4ltiger \u00d6ffentlichkeiten zu leisten, indem sie Menschen daf\u00fcr angemessen bezahlen, dass diese professionell Inhalte auf den gro\u00dfen Plattformen kuratieren bzw. die entsprechenden Debatten moderieren. Christian Fuchs weist zu Recht darauf hin, dass intermedi\u00e4re Konzerne gem\u00e4\u00df ihrer betriebswirtschaftlichen Rationalit\u00e4t Automatisierung und &#8222;Big Data&#8220; \u00fcber menschliche Praxis stellen, man aber m\u00f6glichst viele Menschen weit mehr einbeziehen solle, um nicht &#8222;profits over democracy&#8220; (noch mehr) zu etablieren. Fuchs zufolge mag gerade hier hier im Zusammenspiel zwischen Journalisten und Nutzern Neues entstehen: Gesetze sollten Medienkonzerne weltweit zwingen, zum Beispiel Journalisten als angemessen bezahlte &#8222;Fact-Checker&#8220; zu besch\u00e4ftigen. Wenn dann entsprechend viele oder auch qualifizierte Nutzer eine bestimmte Interaktion ausl\u00f6sen, dann k\u00f6nnte weit besser als bisher &#8222;demokratisch&#8220; (und nicht gewinn- oder machtorientiert) mit-bestimmt werden, was angemessen sei und was nicht. <\/p>\n<p>\u00d6ffentliche oder \u00f6ffentlich-rechtliche Internetplattformen  (wie Club 2.0) erscheinen dabei als sinnvolle Alternative zu Intermedi\u00e4ren: Sie sollten m\u00f6glichst werbefrei und entschleunigt sein, um damit politische Debatten und Demokratisierungen auf neue Weise zu erm\u00f6glichen. <\/p>\n<p><strong>Wer ist hier (nicht) ganz sauber?<\/strong><\/p>\n<p>2.) Zur Sprach- und Stilkritik: Geht es um &#8222;Alternative Fakten&#8220;, wenn tagesschau.de am 10.Januar schreibt: &#8222;Der Diesel kann auch sauber&#8220;? <\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blogs.hmkw.de\/HierMagKritisiertWerden\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Diesel.jpg\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/blogs.hmkw.de\/HierMagKritisiertWerden\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Diesel.jpg\" alt=\"\" width=\"1080\" height=\"1920\" class=\"alignnone size-full wp-image-1028\" srcset=\"http:\/\/blogs.hmkw.de\/HierMagKritisiertWerden\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Diesel.jpg 1080w, http:\/\/blogs.hmkw.de\/HierMagKritisiertWerden\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Diesel-169x300.jpg 169w, http:\/\/blogs.hmkw.de\/HierMagKritisiertWerden\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Diesel-768x1365.jpg 768w, http:\/\/blogs.hmkw.de\/HierMagKritisiertWerden\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Diesel-576x1024.jpg 576w\" sizes=\"(max-width: 1080px) 100vw, 1080px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Der Beitrag <a href=\"http:\/\/www.tagesschau.de\/inland\/diesel-emissionen-101.html\">Hier geht es auf die Seite tagesschau.de<\/a> ist allein von der Themensetzung her sehr fragw\u00fcrdig, weil nicht deutlich wird, wie die Studie an der Hochschule zustande gekommen ist. Oft stehen hinter solchen Studien Auftraggeber mit bestimmten Interessen. Eher unwahrscheinlich zum Beispiel, dass die HTW Saar sich extra daf\u00fcr den getesteten BMW 520d gekauft hat &#8211; die unverbindliche Preisempfehlung liegt bei 48.600 Euro. Insgesamt hat der Beitrag meines Erachtens eine klare PR-, wenn nicht sogar Werbe-Tendenz in Richtung &#8222;Pro Auto&#8220; und nicht zuletzt &#8222;Pro Diesel&#8220;. Die \u00dcberschrift ist &#8222;sauber&#8220; formuliert: Das Wort &#8222;sauber&#8220; m\u00fcsste doch zumindest in Anf\u00fchrungszeichen stehen. Oder eben in Form des Komparativs, also &#8222;sauberer&#8220;. Oder passender: &#8222;etwas weniger dreckig&#8220;. <\/p>\n<p>Ich hatte genau das per Mail an Dr. Kai Gniffke geschrieben, den Leiter der Redaktion ARD-aktuell in Hamburg. Mein Schluss-Satz lautete: &#8222;Insgesamt stimmt mich dieser Beitrag sehr nachdenklich. Ich bitte um Ihr Feedback, weil es ja um Journalismus im Sinne von \u00d6ffentlichkeit und Gemeinwohlbezug geht, gerade im Bereich  der \u00f6ffentlich-rechtlichen Anstalten.&#8220; Leider kam dieses Mal nur eine automatische, also nichtssagende Antwort. <\/p>\n<p>Wenn allerdings am selben Tag im Teletext des ARD-Ersten um 22.50 Uhr auf Tafel 107 die \u00dcberschrift sauber getextet lautet: &#8222;Union und SPD f\u00fcr saubere Autos&#8220;, dann d\u00fcrfen wir begr\u00fcndet w\u00fcnschen: Gute Fahrt in Richtung Auftragskommunikation (nat\u00fcrlich, ohne direkten Auftraggeber, wir wissen es), wie von selbst f\u00fcr Regierung und (im dem Falle: deutsche Auto-)Konzerne. Oder wie man es vielleicht &#8222;am saubersten&#8220; formulieren w\u00fcrde: &#8222;Mit Voll-Gas in die ganz, ganz gro\u00dfe Koalition.&#8220;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1.) &#8222;Alternative Fakten&#8220; ist in Deutschland zum &#8222;Unwort&#8220; des Jahres 2017 bestimmt worden (http:\/\/www.zeit.de\/gesellschaft\/zeitgeschehen\/2018-01\/alternative-fakten-unwort-des-jahres-2017-sprache, Aufruf 16.1.2018, 19.20 Uhr). Der Ausdruck geht auf \u00c4u\u00dferungen von Kellyanne Conway zur\u00fcck. Damit hatte die Beraterin von Donald Trump die ersichtlich falsche Tatsachenbehauptung bezeichnet, zur &hellip; <a href=\"http:\/\/blogs.hmkw.de\/HierMagKritisiertWerden\/?p=1024\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/blogs.hmkw.de\/HierMagKritisiertWerden\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1024"}],"collection":[{"href":"http:\/\/blogs.hmkw.de\/HierMagKritisiertWerden\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/blogs.hmkw.de\/HierMagKritisiertWerden\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/blogs.hmkw.de\/HierMagKritisiertWerden\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/blogs.hmkw.de\/HierMagKritisiertWerden\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1024"}],"version-history":[{"count":9,"href":"http:\/\/blogs.hmkw.de\/HierMagKritisiertWerden\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1024\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1034,"href":"http:\/\/blogs.hmkw.de\/HierMagKritisiertWerden\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1024\/revisions\/1034"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/blogs.hmkw.de\/HierMagKritisiertWerden\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1024"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/blogs.hmkw.de\/HierMagKritisiertWerden\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1024"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/blogs.hmkw.de\/HierMagKritisiertWerden\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1024"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}