{"id":1005,"date":"2017-11-28T20:45:22","date_gmt":"2017-11-28T18:45:22","guid":{"rendered":"http:\/\/blogs.hmkw.de\/HierMagKritisiertWerden\/?p=1005"},"modified":"2017-11-28T20:45:22","modified_gmt":"2017-11-28T18:45:22","slug":"so-ticken-journalistinnen-hierzulande-derzeit","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/blogs.hmkw.de\/HierMagKritisiertWerden\/?p=1005","title":{"rendered":"So ticken JournalistInnen hierzulande derzeit"},"content":{"rendered":"<p>1.) Forschende von der LMU M\u00fcnchen stellten dieser Tage ihre Zusammenfassuung einer repr\u00e4sentativen Befragung von 775 Journalisten (per Telefon oder online zwischen November 2014 und August 2015) vor, die zu einer Bestandsaufnahme des Journalismus in Deutschland verdichtet wurde. Die Ergebnisse zeigen laut den Autoren, dass die Zahl der Journalisten weiter geschrumpft ist, wovon insbesondere hauptberufliche freie Journalisten betroffen sind. Zudem steige das Durchschnittsalter deutscher Journalisten weiter. Politisch st\u00fcnden die Befragten weiterhin eher im linksliberalen Spektrum und offenbar vor allem den B\u00fcndnisgr\u00fcnen nahe. Die Akademisierung des Berufs schreite fort. Der Anteil von Journalistinnen sei im Zeitvergleich weiter angestiegen, wobei in h\u00f6heren Positionen immer noch weniger Frauen anzutreffen seien. Die professionelle Autonomie sei in der Selbstwahrnehmung weiterhin sehr hoch. Nach wie vor sei das berufliche Selbstverst\u00e4ndnis dominiert von einer neutralen Vermittlerrolle; diese Sicht habe w\u00e4hrend der vergangenen 20 Jahre sogar an Bedeutung gewonnen. Wichtiger geworden seien in den Augen der Journalisten auch die Bed\u00fcrfnisse des Publikums sowie die Unterhaltungsrolle. Die Autoren gehen von einem hohen Anpassungsdruck auf die JournalistInnen vor allem im j\u00fcngsten Jahrzehnt aus, vor alle durch \u00d6konomisierung und Digitalisierung (404). JournalistInnen richteten an neuen Logiken der Auswahl, der Interpretation und der Inszenierung aus (406). Anhand von Definitionen von &#8222;Journalist&#8220; (mindestens 50 Prozent des Einkommens aus diesem Feld) und von &#8222;Redaktion&#8220; (eigenst\u00e4ndige Produktion journalistischer Inhalte) bestimmten die Forscher eine Grundgesamtheit von ca. 41.250 Journalisten in Deutschland (411), davon rund 9600 Freie.<br \/>\nEinige konkrete Ergebnisse: Frauenanteil 40 Prozent (2005: 37 Prozent), die  politische Einstellung wurde leider nicht mit Partein\u00e4he abgefragt, sondern als Links-Rechts-Skala, dort lag der Mittelwert mit 3,96 n\u00e4her am linken Pol und darf als Fortschreibung der strukturellen N\u00e4he vor allem zu den B\u00fcndnisgr\u00fcnen interpretiert werden (414). 75,5 Prozent haben studiert, das sind fast sieben Prozentpunkte mehr als 2005. Bei den Freien verf\u00fcgen sogar 82 Prozent \u00fcber einen akademischen Abschluss. Die relativ meisten Befragten (fast ein Viertel) bekommen monatlich zwischen 1801 und 2400 Euro (415). Etwas mehr als ein Viertel der JournalistInnen arbeitet multimedial, ist also f\u00fcr mehr als eine Mediengattung t\u00e4tig (417). Die Artikulationsaufgabe der journalistischen Medien als wichtiger Aspekt ihrer \u00f6ffentlichen Funktion (siehe Landespressegesetze) wird anscheinend noch immer untersch\u00e4tzt: In einer aktuellen Studie (420) gaben nur 46,9 Prozent der (2014\/2015 befragten) JournalistInnen in Deutschland, es extrem wichtig oder sehr wichtig zu finden, dass  sie &#8222;den Menschen die M\u00f6glichkeit geben, ihre Ansichten zu artikulieren&#8220;. Frauen sagten diese immerhin zu 48,9 Prozent, w\u00e4hrend es bei den Freien sogar nur 37,5 Prozent waren. Das mag darauf hindeuten, dass Redaktionen f\u00fcr feedbackoffenes Arbeiten eher mehr als weniger Ressourcen ben\u00f6tigen. <\/p>\n<p>(STEINDL 2017 &#8211; Steindl, Nina; Lauerer, Corinna, Hanitzsch, Thomas: Journalismus in Deutschland. Aktuelle Befunde zu Kontinuit\u00e4t und Wandel im deutschen Journalismus. In: Publizistik, Heft 4\/2017, Seite 401-423)<\/p>\n<p>2.) In den ZDF-Nachrichten hie\u00df es am 21.11. um 7.30 Uhr: &#8222;Nach Angaben der US-Regierung h\u00e4tte sich die Lage nach dem schweren Erdbeben auf Haiti 2010 so weit stabilisiert, dass die Menschen zur\u00fcckkehren k\u00f6nnten.&#8220; Das ist &#8222;doppelt gemoppelt&#8220;, um die Version der US-Regierung als solche kenntlich zu machen. Wenn die Quelle im Hauptsatz gemeinsam mit dem indirekten Zitat genannt wird, dann sollte in der Wirklichkeitsform, also im Indikativ, getextet werden. <\/p>\n<p>Zum  Beispiel: &#8222;Laut eigenen Angaben wird sich die SPD Gespr\u00e4chen nicht verweigern&#8220;.<\/p>\n<p>Das sieht auch die Gesellschaft f\u00fcr deutsche Sprache so: Bei Redewiedergaben, die nicht als Redeeinleitung und Rede in einer Hauptsatz-\/Nebensatzkonstruktion auftreten, sondern die eine pr\u00e4positionale Quellenangabe wie z. B. laut, zufolge oder nach enthalten,<br \/>\n heute noch regnen. Nach neuesten Meldungen drohen neue Streiks. Diese Konkurrenzformen der indirekten Rede h\u00f6rt und liest man h\u00e4ufig in Nachrichten oder Zeitungsartikeln, und zum Teil wird hier auch der Konjunktiv gebraucht. In der Fachliteratur besteht aber die Ansicht, dass bei dieser Konkurrenzform der Sprecher lediglich \u00fcbermittelt, was ein Dritter gesagt hat. Er gibt tats\u00e4chlich Ge\u00e4u\u00dfertes wieder und bringt nicht seine Haltung zum Gesagten ein. Hierbei handelt es sich formal wie inhaltlich nicht um indirekte Rede, und deshalb ist in S\u00e4tzen, die eine pr\u00e4positionale Quellenangabe verwenden, der Indikativ die zu w\u00e4hlende Form (vgl. Laila Carlsen: Redewiedergebende S\u00e4tze mit pr\u00e4positionalen Quellenangaben. In: Neuphilologische Mitteilungen 95 (1994), S. 467\u2013492; Duden Richtiges und gutes Deutsch, Mannheim 2007, S. 472).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1.) Forschende von der LMU M\u00fcnchen stellten dieser Tage ihre Zusammenfassuung einer repr\u00e4sentativen Befragung von 775 Journalisten (per Telefon oder online zwischen November 2014 und August 2015) vor, die zu einer Bestandsaufnahme des Journalismus in Deutschland verdichtet wurde. 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